Triology: That's all Daisy needs
Als kosmopolitisches Streichtrio hat Triology längst einen klingenden Namen. Mit
Wolfgang Muthspiel im Quartett liegt jetzt eine gemeinsame CD vor.
Die Dame ist genügsam: "Ein paar nette Melodien und jazzige Stückchen" - das
sei schon alles, was sie so braucht. Mag das Zitat, mit dem die britische Triology-Geigern
Daisy Jopling seinerzeit einen Crossover-Abend goutierte, nun auch schon einige Jahre am
Buckel haben: für ihre Kollegen, den deutschen Cellisten Tristan Schulze und Russlands
Geiger Aleksey Igudesman, allemal Grund genug, es im Titel des neuen Studiowerks zu
verewigen; und dabei mit Wolfgang Muthspiel auf einen Stargitarristen zurückzugreifen,
dessen Beitrag über die geforderten "jazzy bits" beileibe hinausreicht.
Muthspiel selbst - bei einem Triology-Konzert in New York aufmerksam geworden - zollt den
Streichern höchsten Respekt: So sei die Band in erster Linie schlicht "ein
bestehender Kosmos, in den man sich einfügen muss". Ein Kosmos, der mittlerweile
festen Bestand hat. Seit dem Debütalbum 1998 reißt Triology beharrlich seinen Freiraum
ins Spartenwesen der Musik, um neben intellektueller Geschliffenheit stets jenen Humor
einzubringen, der das Ensemble so wohltuend vom bleiernen Ernst mancher Kammer-Kollegen
abhebt.
Hier setzt man dann auch im Quartett an: Mit einem Höchstmaß an Spielwitz und kreativem
Impetus schlängeln sich Muthspiel und die Triologen durch Avantgarde, Jazz, World,
Klassik und Rock, um ihr eigenes Profil doch nie zu verlieren. Von durchschlagender
Wirkung etwa Schulzes Werk über ein "Thema von Charlie Parker", das eine
Passacaglia (ja, das ist tatsächlich "Ornithology"!) gemächlich einleitet. Mit
kontrapunktischer Finesse zimmert Schulze aus dem Standard eine Fuge, um die Melodie
hernach mit "How high the Moon" zu verquicken. Selbstredend, dass sich hier auch
Muthspiel als Solist einklinkt - mit einer Brillanz, die es Schulze ("Da liegt die
Latte!") sichtlich angetan hat. Die Zukunftspläne der mondänen Vier liegen
buchstäblich schon am Tisch: Ist da zum einen ein lukullisches Programm mit Koch
anvisiert (womit der notorische Gourmet-Geiger Igudesman sicher seine Freude hat), will
man andererseits den österreichischen Kicker-Triumph von Cordoba vertonen. Für
Skurrilität bleibt damit gesorgt.
Text: Christoph Irrgeher
Fotoquelle: Triology
aktuelle CD:
"That's all Daisy needs" MRE 005-2,
Vertrieb: Edel
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