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Jazzland feiert 40. Geburtstag
Swingende Rhythmen in den Katakomben unter der Ruprechtskirche

Das Wiener Jazzland ist in der Tat Welt-Rekord verdächtig: Nicht nur, dass es das älteste Wiener Jazzlokal mit täglicher Live-Musik ist, sondern auch weltweit der älteste Jazzclub unter kontinuierlicher Leitung. Engstens mit dem Jazzland verbunden, ist ein gewisser Herr Axel Melhardt, der am 4. März 1972 das Jazzland mit einem Konzert des New-Orleans-Klarinettisten Albert Nicholas und den heimischen Red Hot Pods eröffnete. Nach einigen Anfangsschwierigkeiten – es waren zu Beginn drei Geschäftspartner – übernahm Melhardt ab September 1972 die alleinige Leitung des Lokals mitsamt der Erstellung des Musikprogramms. „Eines war von Anfang an klar“, erzählt Melhardt im Interview. „Die Gegebenheiten des Kellers, dessen Gewölbe ungefähr um 1450 erbaut wurden, ließen sich nicht verändern. Das hat Vor-, aber auch Nachteile.“ Dass es in der 40-jährigen Geschichte des Lokals daher vorkam, dass so mancher Gast aufgrund von Überfüllung keinen Einlass mehr finden konnte, gehört definitiv zu den Nachteilen.

Sag mal, wer hat denn eigentlich hier gespielt.......
Wenn man mit Axel Melhardt länger zusammensitzt und ihn nach Geschichten über die Musiker, die hier aufgetreten sind, fragt, kommen nach und nach immer mehr Anekdoten heraus. Tatsächlich könnte man sagen, dass nahezu alle berühmten Jazzer mit Ausnahme derer, die in großen Konzertsälen der Metropolen aufgetreten sind, im Jazzland gastierten. „Und selbst Kapazunder wie Ben Webster, Teddy Wilson, Benny Carter oder Ray Brown waren bei uns auf der Bühne“, schwärmt Melhardt. Ganz zu schweigen von den Musikern, die nach Konzerthausauftritten ganz „zufällig“ ins Landl kamen. „Eines Abends erschien Wynton Marsalis und forderte den damals bei uns gastierenden Art Farmer zu einem musikalischen Duell heraus. Ein anderes Mal kam Gitarrist George Benson.“

Legendär waren auch die Auftritte des großartigen Pianisten Friedrich Gulda, der im Jazzland immer wieder für volles Haus sorgte. „Einmal rief Gulda knapp nach 19 Uhr am Abend des Auftritts an und fragte, ob überhaupt Publikum da wäre. Ich sagte, dass die Hütte zum Bersten voll sei“, erzählt Melhardt. Gulda kam dann gegen halb acht und spielte mit zwei Pausen bis halb ein Uhr in der Früh. „Er spielte einfach wirklich gerne und vor allem mit großer Freude.“

Musiker lieben das Jazzland
Ein Konzept von Melhardt, der eigenen Angaben zufolge alle Musikstile mit Ausnahme von FreeJazz spielt, ist es, internationale Künstler mit heimischen zusammen zu bringen. „Da sind natürlich wunderbare Dinge passiert – etwa die fruchtbare Zusammenarbeit von Fritz Pauer und Chico Freeman.“ Im Jazzland sind in den vergangenen vier Jahrzehnten auch dutzende Live-Mitschnitte entstanden. Der Boogie-Pianist Axel Zwingenberger hat zehn CDs im Jazzland aufgenommen. Auch der kürzlich verstorbene Saxophonist Red Holloway hat mit der heimischen Mojo Blues Band die Live-CD „Jazzland Session“ im Keller unter der Ruprechtskirche eingespielt.

„Musiker lieben das Jazzland, weil sie nahe am Publikum sind und die Atmosphäre schätzen“, meint Melhardt. „Der verstorbene Saxophonist Eddie Lockjaw Davis etwa hat in 12 Jahren insgesamt 18 Wochen lang bei uns gespielt. Und er war damals einer der ganz berühmten Jazzer.“ Einen Vorteil sieht Melhardt auch darin, dass die Musiker ihre Verträge direkt mit dem Jazzland schließen. „Die Gagen-Abrechnung mit Lockjaw Davis erfolgte beispielsweise immer im Taxi zum Airport. Und dabei waren wir uns immer sehr schnell einig.“

Angepeiltes Ziel: 50 Jahre Jazzland
„Das 50-Jahr-Jubiläum möchte ich noch begehen“, meint der heute 68-jährige Melhardt. Eine Erkrankung vor einigen Jahren hat den Jazzland-Boss und ehemaligen Raucher zu einem gesünderen Lebensstil animiert. Seit 2010 ist das Jazzland übrigens Nichtraucherzone. Eine Teilung in eine Raucher- und Nicht-Raucherzone sei baulich nicht möglich gewesen. Daher habe man sich dazu entschlossen.

Die erfolgreiche „Rising Stars Serie“, die in den vergangenen Jahren eine noch gänzlich unbekannte Diana Krall, den Gitarristen Russe Malone, den Sänger Kevin Mahogany oder den Pianisten Brad Mehldau ins Landl brachte, setzt Melhardt auf eigenes Betreiben fort. Zufrieden ist der Jazzland-Chef auch mit der Idee, sein Lokal zu einem Austragungsort des Jazz-Fest-Wien gemacht zu haben. Da werden sich auch in diesem Jahr wieder Stars die Ehre geben. Auf eines ist Axel Melhardt in seinem Club auch stolz. „Wir haben eine wirklich gute und bodenständige Küche. So hatte der verstorbene kroatische Vibraphonist Bosko Petrovic immer Cevapcici bei uns gegessen. Als ich ihn einmal danach fragte, warum er das bei uns immer bestellt, antwortete er, dass sie hier besser schmecken als bei ihm zu Hause.“

Weitere Informationen über das Jazzland findet man auf der Homepage www.jazzland.at Dort gibt es auch die Möglichkeit, das aktuelle Programm zu abonnieren.

Wolfgang Weitlaner, Fotos: Peter Brunner

Web-Tipp: www.jazzland.at

 

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