Zu finden in der CONCERTO Ausgabe 4-09, www.concerto.at
Zur Information: Die gesamte Printausgabe ist jederzeit über das CONCERTO Abo-Service
erhältlich oder auch über den Fachzeitschriftenhandel
Morawa-Vertrieb.

Waidhofen eine Klasse für sich

Die Tatsache alleine, dass ein Festival 30 Jahre lang, ohne einziger Unterbrechung, durchhält ist phänomenal und sucht seines gleichen in der österreichischen Musiklandschaft. Das Geheimnis des Musikfest Waidhofen, liegt zum einem an dem wunderschönen Festivalgelände, dem Thayapark, weiters an der familienfreundlichen Atmosphäre und last but not least an einem abwechslungsreichen Musikprogramm in den Sparten World Music, Jazz, Blues & Funk, welches qualitativ seit drei Dekaden auf äußerst hohen Niveau angesiedelt ist.
 
Zu Beginn des Festivals sorgten sowohl die Lokalmatadorin Claudia Volf als auch die New Orleans Hip-Hoper namens Mammut Horns für erste euphorischen Beifall beim Publikum. Für eine absolute Überraschung und so nebenbei für eine Österreich-Premiere sorgte die texanische Sängerin Ruthie Foster, die bereits von einigen Kritikern als die neue Aretha Franklin gefeiert wird (siehe Interview mit Ruthie Foster in dieser Ausgabe). Zum Abschluss des ersten Festivaltages setzte sich der Veranstalter, der Folk Club Waidhofen, sein eigenes Geburtstagsgeschenk, in dem er zwei langjährige Weggefährten, nämlich die beiden Boogie-Pianisten Axel Zwingenberger und Vince Weber auf zwei Klaviere zum Boogie-Duell auf die Bühne bat.

Eine weitere Hommage, nämlich an die Waldviertler Bluespumpm, gab es dann beim Blues-Matinee am Samstag. Übrigens die einzige Band, die bereits vor 30 Jahren auf den Brettern der altehrwürdigen Badehütte, die seit damals als Bühne und Zuschauerraum fungiert, standen. Als äußerst gelungen kann man auch das extra für das Jubiläumsfestival gegründete 30th Anniversary Folk Club All Star Orchestra ansehen. 40 Musiker aus dem Waldviertel probten seit einem halben Jahr intensiv an einer musikalischen Poutpouri, die von Folk über Pop und Rock bis zum Jazz reichte. Besonders hervorzuheben war das 20minütige Beatles-Medley, arrangiert vom Mastermind des Orchestras Martin Schuster.

Mit den beiden  nachfolgenden Bands, nämlich Dobrek Bisto und A Life, A Song, A Cigarette zeigte der Veranstalter, dass so eine Kombination an Musik wohl nur in Waidhofen ohne Probleme funktioniert. Der Highlight des Festivals war sicherlich der Aufritt des Ex-Miles-Davis-Gitarristen Mike Stern, der noch dazu mit Schlagzeug-Ikone Dave Weckl, aufauchte und den Thayapark in jazzig-rockig-groovige Klänge verwandelte.

Am letzten Festivaltag wiederum eine Verbeugung vor alten Weggefährten, den Jazzhouse Ramblers, die zwar das letzte Mal vor fünf Jahren zu Gast waren, zuvor aber sicherlich 20 Jahre lang ununterbrochen für Swing & Dixieland beim sonntäglich Frühschoppen sorgten. Bei Hendl und bei Bier frönten die Besucher das herrliche Wetter und den Swing der doch schon in die Jahre gekommenen Jazzhouse Ramblers.

Dass Wolfgang Puschnig keine musikalischen Berührungsängste hat, ist bekannt. Vor zwei Jahren war er am selben Festival mit der Amstettner Blasmusik im Form von „Alpine Aspects“ zu Gast. Diesmal stattete er Waidhofen mit den koreanischen Perkussionskünstlern Samul Nori einen Besuch ab. Eine äußerst intensive hochklassige Performance. Und dass nach so einer Performance dann eine Bluesband namens Walter Trout aus den USA kommt, die den Publikum einen rockig-bluesigen Scheitel zieht, ist wiederum auch nur in Waidhofen möglich. Anderorts hätte man unzählige Bedenken, ob das programmatisch zusammenpasst, in Waidhofen entscheidet solche Dinge das Publikum. Und das wertet nicht nach Kategorien oder Stilrichtungen, es wertet anscheinend nur nach Qualität.

Zum Abschluss wiederum ein Geburtstagsgeschenk für die Veranstalter, als das Hot Pants Road Club Grand Funk Orchestra mit 16 Mann auf der Bühne den Groove in die Weiten des Thayaparks hinausbläst. Mit Sicherheit momentan das „funkiest“ Ensemble Österreichs und quasi ein aufgelegter Elfer für Waidhofen. Das Publikum dankt. Der Veranstalter bedankt sich zum Ende des Konzerts bei allen 250 freiwilligen Helfer, die die eigentlichen Heroen des Festivals sind, denn sie stellen eine perfekte Organisation auf die Beine - und das alles mit großer Freude und Leidenschaft. Eine Gratulation an dieses Festival, welches in all den Jahren immer am Boden der Realität geblieben ist und keiner Gigantomie verfallen ist. Auch das ist eine Kunst. 

Bericht: Safra
Foto oben: Walter Trout
(copyright Herbert Höpfl)

 

Zu finden in der CONCERTO Ausgabe 4-09, www.concerto.at
Zur Information: Die gesamte Printausgabe ist jederzeit über das CONCERTO Abo-Service
erhältlich oder auch über den Fachzeitschriftenhandel
Morawa-Vertrieb.