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17. LUCERNE BLUES FESTIVAL

Gab es eigentlich ein Leben vor dem Lucerne Blues Festival? Schwer vorstellbar! Der Vorzeigeevent ging in seine 17. Auflage und alle kamen:
das Publikum, die Medien, die Blues Foundation, die European Blues Union und natürlich auch die Musiker, die den Komfort von Luzern genießen und daher gern vorbeischauen. Ein Empfang im ehrwürdigen Rathaus einer Stadt zum Beispiel wird wohl auch kaum irgendwo anders einem Blueser zuteil.

Das Festival begann gleich mit einem Highlight, dem Kanadier Colin Linden, der mit exzellentem Gesang und versiertem Gitarrenspiel das Publikum richtig einstimmte, gefolgt von Soulblues-Sängerin Deitra Farr. Ein weiterer Höhepunkt folgte auf dem Fuße: Delta Groove Harp Blast. Vier Harmonikaspieler gaben sich die Ehre, nämlich Big Pete, Mitch Kashmar, Randy Chortkoff sowie Bob Corritore und bliesen sich die Seele aus dem Leib. Sie wurden dabei begleitet von einem grandiosen Gitarrenduo, nämlich Kirk Fletcher und Alex Schultz, die in relaxter Atmosphäre all ihr Können unter Beweis stellten und ein nahezu magisches Saitenzwiegespräch aufzogen. Zum Abschluss des ersten Abends durfte dann auch Europa zeigen, dass es gute Blueser besitzt, wie der Däne Mike Andersen unter Beweis stellte.

Tags darauf eröffnete der texanische Sänger und Gitarrist Shawn Pittman mit seinen Bluestars, einer mehrheitlich europäischen Begleitband. Pittman zählt zur jungen Garde des Blues, auch wenn er in den Staaten kaum auftritt. Danach enterten die Rhythm Room All Stars mit Bob Corritore die Bühne, mit den Legenden Henry Gray an den Tasten und Tail Dragger an den Vocals. Das Publikum war von diesen Altstars hingerissen, wobei Tail Dragger nach wie vor den charismatischen Frontmann gab, was Henry Gray mit unwiderstehlichem Schmunzeln quittierte. Zu erwähnen sind dabei unbedingt auch der Gitarrist sowie der Bassist der Rhythm Room All Stars, Chris James und Patrick Rynn, die zu den absoluten Meistern ihrer Fächer zählen! Letzteres gilt auch für Otis Clay, den großen Soul- und Gospelsänger aus Chicago, der ein fulminantes „Comeback“ in Luzern hinlegte. Den Saalräumer an diesem Abend machte die Larry Mc Cray Band, die grandiosen Bluesrock mit langen Gitarrenpassagen ablieferte und das Publikum ebenfalls zu Begeisterungsstürmen hinriss.

Den letzten Tag startete Quintus McCormick mit seiner Band und traditionellem Chicagoblues, gefolgt von einer sehr folkorientierten und spielfreudigen Ruthie Foster, einem der Shooting Stars der letzten Jahre. Joe Louis Walker, einer der ganz Großen Namen des Blues, mit unzähligen Verdiensten um das Genre ausgestattet, hinterließ indessen gemischte Gefühle. Bei seiner Brillanz hätte es wohl kaum zweier zusätzlicher Gitarristen und eines Sängers bedurft, auch wenn diese von trefflicher Qualität waren. Der Meister hätte sich selbst durchaus etwas mehr fordern können. Terrance Simien & The Zydeco Experience brachten zum Abschluss hingegen echte Partystimmung aus dem Big Easy, Louisiana, in den großen Saal des formidablen Grand Casino Luzern inklusive bester Tanzstimmung wie beim Mardi Gras in New Orleans.

Natürlich gab es auch hervorragende Jam Sessions im Casineum, die bis in die frühen Morgenstunden gingen und letztlich auch Festival-Präsident Guido Schmidt auf die Bühne brachten, am Washboard, das ihm schließlich von Terrance Simien zum Geschenk gemacht wurde. Einziger Wermutstropfen: ein Jahr Wartezeit bis zum 18. Lucerne Blues Festival!

Zufriedene Gesichter am letzten Tag es Festivals: Soul-Blues Legende OtisClay mit den Zampanos des Festivals, Guido „Mojo“ Schmidt und Martin„Kari“ Bründler beim Blues-Brunch im legendären Schweizerhof von Luzern.

 

Bericht und Fotos: Franz Richter,
Dietmar Hoscher, Herbert Höpfl

 

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