Der Blues lebt!

BluesTalk – Folge 1

Entgegen mannigfaltiger (Schutz-)Behauptungen, es sei eigentlich nichts los in diesem Bereich, beweisen sowohl der Tonträgermarkt als auch die Liveszene, daß man nur den bequemen Lehnstuhl, die Filzpantoffeln und die visuelle Verdummungsmaschinerie hinter sich lassen muß, um in die vielfältige Welt des Zwölftakters eintauchen zu können. Nur wer den Weg in die Bluesclubs und Plattenläden scheut, wird auch weiterhin die muffige Fraktion der Jammerer verstärken!

Um den Abwechslungsreichtum des Blues in seiner heutigen Ausprägung zu dokumentieren, ein bißchen Anregung zu geben und etwas Orientierungshilfe zu leisten, wird sich die neue CONCERTO-Serie „BluesTalk" jeweils mit Künstlern beschäftigen, die gerade mit neuen Tonträgern und/oder mit Tourneen präsent sind, wobei nicht das Portrait, sondern der Musiker „in his own words" im Mittelpunkt steht. Den Beginn machen Clarence „Gatemouth" Brown, Michael Hill und Christian Dozzler.

 

Clarence Brown,
brown.jpg (44305 Byte) aufgrund seiner Angewohnheit, stets ein breites Grinsen an den Tag zu legen, auch „Gatemouth" genannt, muß zweifellos bereits zu den Legenden des Blues gezählt werden. Oftmals als direkter Nachfolger des nicht minder legendären T-Bone Walker bezeichnet, berüchtigt für sein Gitarren- und Fiddlespiel, aber auch bekannt für sein Bestreben, zahlreiche verschiedene Stile auszuprobieren, lehnt er selbst die Bezeichnung „Bluesmusiker" zumeist ab. Auch sein neues Album „Gate Swings" wurzelt zwar im Blues, bringt diesen jedoch in großflächig orchestrierte Jazzgefilde ein, etwas was Clarence „Gatemouth" Brown bereits in den achtziger Jahren versuchte. Auf Tonträger geht dieses Konzept noch immer hervorragend auf, live im Wiener Rockhaus vermochte der Funke jedoch nicht so ganz überzuspringen, wenngleich phasenweise der Blues- und Jazzaltmeister doch seine Brillanz aufblitzen ließ.

Guitar Player bezeichnete

Michael Hill
hill.jpg (41948 Byte) anläßlich seines Debüts „Bloodlines" als „the missing link between Howlin´ Wolf and Living Colour", Musician beschrieb seinen Stil als „party music with a social conscience" und die Living Blues Kritiker kürten das Album gleich zum Best Debut Album of 1994. Tatsächlich bewegt sich der Stilmix des 46jährigen, in der South Bronx aufgewachsenen Amerikaners zwischen Blues, Rock, Soul, Funk und Reggae. Das Umfeld seiner Jugend schlägt sich insbesondere in den Themen nieder, die Hill verarbeitet. Veteranen des Vietnamkrieges werden ebenso angesprochen wie die Mordrate unter farbigen Teenagern, Rassenvorurteile und Polizeiwillkür. Dieses Engagement bildet keinen Kontrast zur Musik, sondern besteht in einer – nicht nur, aber besonders im Blues – selten gehörten Kombination, die Michael Hill´s Blues Mob berechtigterweise aus der Masse hervor hebt.

An der vordersten Bluesfront sind auch

Christian Dozzler
dozzler.jpg (53456 Byte) und seine Blues Wave-Mannen Hannes Kasehs an der Gitarre, Peter Strutzenberger am Baß und Reinhard Dlapa hinter dem Schlagzeug zu finden. Dozzler, seit zweiundzwanzig Jahren bluesmäßig unterwegs, hat mit „Smile Awhile" einen heißen Anwärter auf die Blues-CD des noch jungen Jahres eingespielt (vormerken für den CONCERTO-Poll 1998!). Dabei sind musikalische Vielfalt und Partystimmung angesagt. Wer Blues nur mit Schwermut in Verbindung bringt, sollte sich von Dozzler unverzüglich eines Besseren belehren lassen. Und im Wiener Rockhaus stellten die Österreicher klar, daß ihre Stilmelange nicht nur auf Tonträger, sondern auch live vollen Genuß bedeutet

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„Ich führe alle an der Nase herum" – Clarence „Gatemouth" Brown

Du bist nicht nur eine lebende Blues- und Jazzlegende, sondern du warst auch ein bestimmender Einflußfaktor des Texas Blues, so wie etwa Blind Lemon Jefferson, Lightnin´ Hopkins oder T-Bone Walker.

Das sehe ich nicht so. Nimm mich aus dieser Kategorie heraus. Ich habe meinen eigenen Musikstil, ich spiele nicht nur Texas Blues sondern American- und World Music, mit Texas-Drive. Ich spiele Musik von überall auf der Welt. Ich bin kein Jazzmusiker, ich bin kein Bluesmusiker, ich mache einfach Musik. Cajun, Country, Bluegrass, Jazz, Blues, von jedem Stil ein bißchen. Mein Vater war ein großer Musiker. Er spielte Country, Cajun und Bluegrass. Davon habe ich gelernt.

Eines der Verdienste, für die du berühmt bist, ist, daß du die Fiddle in den Blues integriert hast. Warum wird dieses Instrument gerade im Blues so unterschätzt?

Du hast recht. Was ich da gemacht habe, war und ist ziemlich ungewöhnlich. Die Fiddle wird gerade von farbigen Musikern unterschätzt, weil man ihnen unterstellt, sie würden dieses Instrument nicht beherrschen. Aber das ist schlicht eine Lüge. Ich kann alles spielen, was ich möchte! Manche Weiße wollen den „black man" auf den Blues beschränken oder auf den Jazz. Aber ich führe sie alle an der Nase herum, ich spiele, was ich will.

Siehst du eine tiefere Philosophie im Blues?

In jeder Musik kannst du eine spezielle Philosophie finden. Aber es stimmt schon, der

Blues ist die Basis der Musik.

Du hast dein Gitarrenspiel stets am Sound von Bläsern orientiert. Wie kam es dazu?

Jeden Abend, wenn ich auf der Bühne stehe, klingt meine Gitarre wie Bläser. Ich weiß nicht, wie es dazu kam. Ich mache es, weil ich es eben kann, „in a magical way". Niemand anderer kann das. Ich spiele die Gitarre auch ohne Plektrum. Das benutze ich nur auf der Mandoline.

Spielst du auch noch Schlagzeug? Deine ersten Tourneen hast du ja als Drummer bestritten.

Nein, das mache ich nicht mehr. Aber begonnen habe ich eigentlich mit der Gitarre. Da war ich gerade fünf. Die Fiddle kam mit zehn und dann war das Schlagzeug an der Reihe. Was ich im Gegensatz zu meinem Vater nicht spiele, ist das Akkordeon. Das ist nichts für mich.

Du hast aber eine Zeit lang Harmonika gespielt?

Ja, aber damit habe ich aufgehört. Zu viele haben sich auf diesem Instrument versucht, ohne wirklich zu wissen, was sie da eigentlich tun. Sie haben viele irritiert, und so beschloß ich, die Harmonika beiseite zu lassen.

Dein neues Album ist eine ausgezeichnete Mischung aus Blues und Jazz. Glaubst du, daß diese beiden Musikformen zwei Seiten derselben Münze sind?

Ja, ich glaube schon. Es sind zwei Seiten derselben Münze, auch wenn diese Seiten in sehr verschiedener Weise gespielt werden. Mein Blues ist nicht der, den du im Mississippidelta hören wirst. Mein Blues ist sehr positiv, du könntest ihn „sophisticated" nennen, wenn du willst.

Deine Alben sind von vielen verschiedenen Stilen gekennzeichnet, wie du selbst schon erwähnt hast. Was sind deine nächsten Pläne?

Ich weiß noch nicht genau, aber vielleicht mache ich als nächstes ein Bluegrassalbum. Ja, ich glaube, das wird es werden.

„Im Blues geht es um mehr als nur ,romance’" – Michael Hill

Vor allem in Amerika aber auch in Europa gibt es so etwas wie eine Renaissance des akustischen Blues. Dein Blues steht am anderen Ende der Skala. Ergeben sich daraus für dich und deine Musik kommerzielle Probleme?

Die Schwierigkeiten für uns in den Vereinigten Staaten liegen in der Einstellung mancher Leute insbesondere unseren Texten gegenüber. Unser Agent, aber auch unsere Plattenfirma bekommt einiges an Feedback, daß unsere Lyrics „to heavy" sind. Ein Veranstalter in Kanada sagte uns sogar, er sei vom Cover unserer ersten Platte eingeschüchtert gewesen. Wir haben niemals Probleme mit dem Publikum selbst, da schlägt uns eine äußerst positive Stimmung entgegen, auch in Bezug auf die Tatsache, daß unsere Texte eben von mehr als nur „romance" handeln. Viele Leute glauben, daß der Blues die Flucht aus dem Alltag unterstützen soll, daß es darum geht, sich zu betrinken und über seine Geliebte zu singen. Unser Blues irritiert daher einige der Veranstalter und Radiomacher. Wir spielen zwar auf etlichen großen Festivals in Amerika, aber nicht annähernd auf so vielen, wie es den ausgezeichneten Reviews entsprechen müßte, die wir für unsere Platten erhalten. Wir werden aber weiter jene Musik spielen, die zumindest für mich ehrlich ist, eine Bedeutung hat und sich in der wirklichen Bluestradition bewegt, die ja darin liegt, Geschichten über das wirkliche Leben zu erzählen. Das nächste Albumcover wird allerdings wahrscheinlich etwas konventioneller ausfallen. Letztlich muß im Blues, als Grundlage der afrikanisch-amerikanischen Kultur, Platz für viele Schattierungen sein. Blues ist mehr als die strikte Rezeption der Tradition etwa des Chicago-Blues oder des Texas-Blues. Blues hat auch viel mit anderen Stilen zu tun, die möglicherweise sogar aus ihm entsprungen sind und ebenso den „spirit" haben, egal ob das nun Funk, Hip Hop, Soul, Reggae oder Rock’n’Roll ist. Blues ist, textlich, für mich auch Theater, Dichtung, Literatur. Blues ist eine tiefe, facettenreiche Kultur. Daher spiegelt auch unsere Musik zahlreiche Einflüsse wider. Einerseits popularisieren Musiker wie Corey Harris oder Alvin Youngblood Hart den akustischen Blues, auf der anderen Seite stehen aber auch Leute wie B.B. King oder Luther Allison. Es ist genug Platz für alle da, und das ist gut so!

Wie ist die Reaktion in Europa auf deine Musik, denn es ist kaum davon auszugehen, daß deine Texte auch hierzulande so genau unter die Lupe genommen bzw. verstanden werden?

Das Publikum selbst reagiert in Europa, wie in den USA, sehr gut. Auch wenn nicht alle Details unserer Lyrics verstanden werden, so macht das nichts, denn unsere Musik vermittelt sich sowohl über die intellektuelle als auch über die emotionale, die spirituelle Ebene. Die Vorurteile, die uns in Amerika zum Teil entgegengebracht werden, haben auch viel mit der Geschichte des Rassismus in diesem Land zu tun. Manche haben einfach Angst, wenn du Stellung beziehst. Dabei versuchen wir in unseren Shows, die Musik zu zelebrieren und auch Hoffnung zu vermitteln.

Du kommst aus der South-Bronx, die zumindest in Europa nicht unbedingt dafür berühmt ist, große Bluesmusiker hervorzubringen. Wie bist du in diesem Umfeld zum Blues gekommen?

In erster Linie durch meine Eltern. Mein Vater verfügte über eine große Plattensammlung. Meine Mutter und meine Großmutter wiederum spielten Klavier und sangen. Also sangen wir Kinder ebenfalls im Chor mit. Zur Gitarre brachte mich dann Jimi Hendrix, den ich unter anderem in Woodstock sah. Er war für mich die kraftvollste Kombination aus Blues, R´n´B und Rock. In der Highschool hörten wir außerdem viel Cream und Santana, B.B. King und Buddy Guy. Meine erste Band gründete ich dann 1973 mit meinen Geschwistern. Schon damals definierte der Blues auch meine Beziehung zur Gitarre. Blues hat eben viel mit dem Leben zu tun. Er hat eine einzigartige emotionale Basis. Damit findet er sich auch in der South Bronx, wenngleich tatsächlich nicht besonders viele Bluesmusiker von dort kommen.

Glaubst du, daß gerade der Blues geeignet ist, soziale Anliegen und Kommentare zu transportieren?

Ich glaube, daß das schon immer so war, seit der Blues gespielt wird. Die ganze Bandbreite des Lebens wurde in dieser Musik dokumentiert. Erst die Kommerzialisierung hat auch diese Musikform inhaltlich eingeengt, auf Liebe, Romantik und dergleichen. Diese Themen sind wichtig, aber nicht alles für mich. Ich wurde eben auch von Musikern wie Curtis Mayfield, Bob Marley, Marvin Gaye oder Stevie Wonder beeinflußt. Natürlich handelt der Blues auch von „good times" aber er soll meiner Ansicht nach auch Inhalte transportieren, welche die Menschen auf einer anderen, weiteren Ebene berühren.

In „Bluestime In America" singst du, daß viele Träume an den Menschen einfach vorbeiziehen. Wovon träumst du?

Da gibt es große Träume, wie jenen, daß die Menschen sich besser verstehen und besser miteinander auskommen und daß niemand leiden muß. In Amerika würde ich mir wünschen, daß das Verständnis der eigenen Geschichte den Rassismus überwinden ließe. Diese Geschichte vergräbt noch immer viel Schmerz unter sich, und so lange damit nicht richtig umgegangen wird, ist das ganze schöne Schloß auf Sand gebaut. Persönlich wäre ich froh, mit der Musik meinen Lebensunterhalt verdienen und auch jenen der Band sichern zu können. Und schließlich hätte ich gerne soviel Geld wie Michael Jackson. (lacht)

„Ich mache Fehler lieber selbst" – Christian Dozzler

Du bringst deine Platten auf Wolf Records heraus. Wie ist die Zusammenarbeit mit einem Label, das ja eigentlich für seine Aufnahmen farbiger Chicagobluesmusiker bekannt ist?

Wolf Records bringt ja schon seit Jahren auch Aufnahmen heimischer Musiker heraus. Für uns hat das Label den Vorteil, daß wir vom Vertrieb her auch international präsent sind, was selbst bei einem Major in Österreich schwierig wäre. So sind unsere Platten auch international zumindest in den Bluesfachgeschäften zu finden. Außerdem ist es ein weiterer Vorteil, daß das Label auf Blues spezialisiert ist, immerhin gehört Wolf Records weltweit zu den fünf Größten in diesem Bereich. Produziert wird von mir selbst, ich kümmere mich auch um das Cover, sodaß die Plattenfirma bereits das fertige Masterband mit dem fertigen Coverentwurf erhält.

Wie sieht das mit dem Absatz aus? Verkauft ihr mehr in den USA oder eher im deutschsprachigen Raum?

Soweit ich da einen detaillierteren Überblick habe, verkaufen wir zum Beispiel über den Handel in Amerika mehr als etwa in Österreich. Die Hälfte der Tonträger verkaufen wir überhaupt selbst bei den Auftritten, der Rest verteilt sich international auf den Handel. In Österreich geht, wie erwähnt, relativ wenig über den Ladentisch, was aber auch nicht verwundern kann, da diese Musik zum Beispiel vom Radio vollkommen tot- geschwiegen wird. Dadurch kann auch keine Nachfrage entstehen.

Tretet ihr in Amerika auch live auf?

Nein. Abgesehen davon, daß es zum Beispiel schwierig ist Arbeitsgenehmigungen zu erhalten, kann man auch kaum etwas verdienen. Außerdem hast du das Gefühl, daß du den lokalen Musikern, die wirklich auf jeden Dollar angewiesen sind, auch noch die Jobs wegnimmst, nur um sagen zu können, in Amerika gespielt zu haben. Das ist für mich kein Anreiz. Sessions hingegen habe ich mit Musikern, die ich kenne, einige gespielt, das ist Befriedigung genug.

Du bist nun seit zweiundzwanzig Jahren unterwegs, seit achtzehn Jahren als Profi. Ist es dafür notwendig, alles – zum Beispiel auch das Management – selbst in der Hand zu haben?

Ich wüßte beim Management niemanden, dem ich das anvertrauen würde. Ich bin ohnehin ein Perfektionist, und bevor ich mich über Fehler ärgere, die ein anderer macht, mache ich sie lieber selbst.

Apropos Fehler. Deine neue Platte „Smile Awhile" hat – zumindest für mich – überhaupt keine davon und ist extrem perfektionistisch ausgefallen. Dabei ist die Bandbreite des Albums besonders bemerkenswert. Glaubst du, daß das Publikum dem Mix aus vielen Stilen aufgeschlossen gegenübersteht, oder wird nicht jemand, der zum Beispiel auf Chicagoblues steht, eher ein Album suchen, das ausschließlich diese Musik enthält?

Ich glaube, dieser Mix entspricht gerade meinem Ruf, der sich im Laufe der Jahre daraus ergeben hat, daß ich eben drei Instrumente spiele (Anm.: Piano, Harmonika, Akkordeon). Ich bin für die Leute so etwas wie ein Multiinstrumentalist, für den die Instrumente gleichwertig sind. Ich werde also etwa nicht als Pianist gesehen, der auch noch etwas anderes spielt. Diese Vielseitigkeit gehört zu meinem Image. Gerade in einer Band, die „nur" aus vier Musikern besteht, ist es wichtig, die Stile zu variieren. Tust du das nicht, so kann dies über einen ganzen Abend rasch langweilig werden, auch wenn du noch so gut spielst. Bei uns gibt es da wesentlich mehr Abwechslung. Außerdem mag ich alle diese Stile sehr. Ich glaube, daß „Smile Awhile" auch eine sehr fröhliche Platte geworden ist, fast partymäßig.

Stehst du nach zweiundzwanzig Jahren dort, wo du hin wolltest?

Ich habe mir da gar nicht allzu viel vorgenommen. Am Anfang zum Beispiel hätte ich nie gedacht, daß ich von der Musik einmal leben würde können. Es war mein Hobby. Als ich mein Studium abgebrochen habe, war die Musik so etwas wie eine Überbrückung, bis ich mir im klaren sein würde, was ich eigentlich aus meinem Leben machen möchte. Dabei ist es dann eben geblieben. Ich war dann irgendwie einige Male zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort, und so hat es sich durch eine Reihe von Zufällen ergeben, daß ich seit achtzehn Jahren davon leben kann.

Aber ist es nicht gerade in Österreich besonders schwer, mit Blues als Profi unterwegs zu sein?

Gerade in Österreich ist es in dieser Hinsicht in den letzten Jahren sehr bergab gegangen. Außer in Wien spielen wir fast nicht in Österreich, sondern hauptsächlich in der Schweiz und in Deutschland, vereinzelt in Belgien und Frankreich. Es gibt bei uns auch kaum ein Bluespublikum. Die Jugend hat eben kaum eine Möglichkeit, auf diese Musik aufmerksam zu werden, sie hören sie ja im Radio nicht. Wir hingegen sind vor zwanzig, fünfundzwanzig Jahren gerade durch den Rundfunk zum Blues gekommen. Ich glaube, daß dies ein spezifisch österreichisches Problem ist. In Deutschland oder den Benelux-Ländern ist das anders. Da gibt es eine ganz andere Szene. Da wird Blues nicht nur in eigenen Sendungen, sondern auch in Pop-Programmen zwischendurch gespielt. Nimm Ronnie Earl. Der füllt in Europa die Hallen und muß bei uns vor neunzig Leuten spielen. Auch junge heimische Nachwuchsbands gibt es nur vereinzelt.

Interviews & Fotos: Dietmar Hoscher

Aktuelle CDs:

• Clarence „Gatemouth" Brown „Gate Swings", Verve 537 617-2, Vertrieb: PolyGram

• Michael Hill´s Blues Mob „Have Mercy!", Alligator Records ALCD 4845, Vertrieb: EMV

• Christian Dozzler & Blues Wave „Smile Awhile", Wolf Records 120.964, Vertrieb: Wolf