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KURT GIRK – EIN WIENER ORIGINAL 

Kurt Girk, der Frank Sinatra von Ottakring, wird nächstes Jahr 80, feiert aber heuer bereits vor und zwar mit einer neuen CD und einer DVD.

„Alle Berühmtheiten des Wiener Liedes waren Ottakringer, auch die Schrammeln. Mein Stiefvater war als Kind noch ein Nachbar der Familie Schrammel. Außerhalb von Ottakring beginnt die Fremde, und sofort habe ich Heimweh“ erzählt diese lebende Legende.

Kurt war noch bei der Dumser auf Perfektion und erinnert sich gut daran:
„Die Paula Tant (Frau Dumser) war die Leiterin der Tanzschule, und ich habe im Nebenhaus Schneider gelernt. Sie fragte mich öfter, wann ich denn zum Tanzen kommen würde, denn ich war immer elegant angezogen, und das hat ihr gefallen. So wurde ich zu einem gefragten Tänzer beim Dumser. Das Bronner Lied vom „Gschupften Ferdl“ enthält übrigens eine dichterische Freiheit, denn die wilde Tanzschule war nicht der Dumser, sondern der Rausch, auch im 16. Hieb. Beim Dumser war es sogar sehr nobel mit einer echt guten Live Kapelle mit Musikern im weißen Frack, alle anderen Tanzschulen hatten nur mehr ein Grammofon. Frau Dumser hat damals sogar geklagt, und im Lied musste dann statt Dumser ’Wimmer’ gesungen werden. Nach der Schneiderlehre wurde ich selbständig als Eisentandler und auch Obst- und Gemüsehändler. Nebenbei habe ich immer gern beim Heurigen gesungen.“

Auf die Frage, wo er singen gelernt hat, antwortete Kurt ziemlich verblüfft: „Was braucht man da lernen, du stellst dich einfach hin und singst!“ - Den Seinen gibt’s der Herr im Schlaf! – Seine Vorbilder sind u. a. Karl Loserth oder Ernst Arnold, die er aus dem Radio kannte. Letzteren hat er einmal vor Freude zum Weinen gebracht, als er ein Lied von ihm gesungen hat. Auch Karl Föderl und Viktor Korzhé, zwei weitere Ottakringer Originale, kannte er persönlich und singt noch heute gerne ihre Lieder.

Die neue CD „Küssen! Singen! Trinken!“ vom Kurt Girk Trio wurde live aufgenommen im Privatstudio von Hans Peter Falkner von Attwenger.

 Mit von der Partie waren die langjährigen Weggefährten Rudi Koschelu (Kontragitarre, Gesang) und Herbert Bäuml (Akkordeon, Gesang). Rudi Koschelu zeichnet für die Auswahl der Lieder verantwortlich, er hat den Kurt Girk als Kind kennengelernt, als ihn sein Vater einmal zum Heurigen mitgenommen hat.

„Kurt Girk hat ein unheimlich großes Repertoire an Liedern“, meint Rudi Koschelu, „du musst es nur aus ihm herauslocken. Die Aufnahmen haben viel Spaß gemacht. Wir mussten den Kurt mit Sesseln zustellen und auch seitlich Mikrofone platzieren, weil er sich in seiner Begeisterung oft wegdreht und dann der Ton unregelmäßig würde. Wir haben uns auch bemüht, die CD eher schnell einzuspielen, denn wie ein echter Heurigensänger schaut Kurt gern ins Glaserl und gegen Ende der Aufnahmesession ist er dann in seiner Gesangseuphorie nur mehr schwer einzufangen, aber ich glaube, es ist uns wirklich sehr gut gelungen.“ Lieder wie „Zauber der Vorstadt“ von Korzhé, „Im alten Rathaus“ von Föderl, „Unterm Lindenbaum“ oder „Die vier Engerln“ veredelt Kurt Girk durch seinen schmachtenden Gesang. Natürlich darf auch eine Hommage an seinen Bezirk nicht fehlen, nämlich das „Wirtshaus in Ottakring“. Von seinem Lieblingskomponisten Franz Paul Fiebrich stammt die Titelmelodie „Küssen Singen Tanzen“ und „Solang a süffiges Tröpferl“, diese Lieder interpretiert Kurt in seiner unnachahmlichen Art mit viel Herz und Emotion. Aber auch schwermütige Erinnerungen dürfen nicht fehlen, wie „Wo bleibt die alte Zeit“ oder „Wann am Kalvarienberg das letzte Standerl steht“. „’s Herzbinkerl“ erzählt die Geschichte einer unglücklichen Mutter, der ein missratenes Kind das Herz bricht. Die ländlichen Melodien, die immer wieder Eingang ins Wiener Lied gefunden haben, sind vertreten durch „D’Oanschicht“ und „D’ Jaga san do“. 

Auch eine DVD ist in Vorbereitung. Wie hätte Heinz Conrads weiland gesagt? „Schau’n (Hör’n) Sie sich das an“.

Text und Foto: Franz Richter

CD-TIPP:
Kurt Girk Trio „Küssen! Singen! Trinken!“ Vertrieb: Hoanzl 

KONZERT-TIPP:
Girk & Koschelu, Wien, Kulturcafe Max, 17. Bezirk, Taubergasse/Ecke Mariengasse,
jeden 1. Montag im Monat

 

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