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9 Lem - Alex Miksch

Alex Miksch, einer der bemerkenswertesten Gitarristen, Liederschreiber und nicht zuletzt Sänger dieses Landes. Ein genialer Kreativer, der sich immer wieder neu findet und erfindet.

Von einem protzigen oder wenigstens geräumigen Domizil kann wahrlich keine Rede sein. Alex Miksch bewohnt sicherlich eine der winzigsten Wohnungen, die Wien-Meidling zu bieten hat. Dafür wird man von einem gemütlichen Durcheinander empfangen. Gitarren stehen nicht wenige herum, darunter auch selbstgebastelte aus Keksdosen und Ziffernblättern. Sie klingen mitunter etwas eigen, immer aber ganz wunderbar.   

Geboren wurde er in Krems an der Donau, und nach seiner Auffassung kann man da getrost vom Waldviertel sprechen. Auch aufgewachsen er dort sehr stadtmittig. Mit der Gruppe Faust wurden erste Spuren über die engere Umgebung hinaus hinterlassen. Sie spielten Sachen im Geiste von Faith No More und Soundgarden, es waren halt die Neunziger. Er war an der Gitarre zu finden, gesungen hat jemand anderer. Denn das mit dem Singen, das kam dann erst ein paar Jahre später. Davor gab es aber noch die Episode in Los Angeles. Dort sollte die zweite Faust CD aufgenommen werden. Wie es aber mitunter so ist oder aber auch der Teufel will: Das ist nichts geworden, außer eine auch finanziell äußerst schmerzhafte Pleite. Nicht einmal die bis dahin fertig gewordenen Tapes gibt es, gar nichts. Das war dann auch das traurige Ende von Faust.

Neuanfang mit Gesang

Lustig waren die darauf folgenden Jahre nur bedingt. Die Kreativität ist aber nicht verloren gegangen. Alex Miksch hat sich neu erfunden und den Gesang entdeckt. Obwohl man ihm bereits in der Volksschule nahegelegt hatte, bitte doch besser nicht zu singen, macht er das seit den 2000ern sehr wohl. Ein bisschen hat das schon mit Tom Waits zu tun. Wenn der singt, kann das der Miksch aber bitte auch. Eine weise Entscheidung. Zwischenzeitlich hat er ein eigenes Tom Waits Programm zusammengestellt, mit dem er in der Vergangenheit im Trio aufgetreten ist Die Texte hat er auf seine Art ganz phänomenal ins Deutsche übersetzt, besser gesagt in seinen Dialekt. Mit eigenen Liedern ist bisher 2006 die CD „König der Kröten“ erschienen, 2009 „Straße Des Hundes“, 2014 dann „Zänd Zamm“, ein vielfältig instrumentiertes Werk und sein bis dahin interessantestes und wohl auch bestes Album.  

Augenmerk auf die Gitarre

Es gibt Veranstalter, die von seiner Gitarrentechnik dermaßen begeistert sind, dass sie ihn am liebsten ein Jimi Hendrix Programm spielen lassen möchten. „9 Lem“ nun ist seine erste Produktion, die seinem virtuosen Gitarrenspiel voll und ganz gerecht wird.

Einen nicht unwesentlichen Beitrag an diesem Umstand steuerte der Musikwissenschaftler und Produzent Emil Lubej bei. Er ermöglichte auch die Aufnahmen im Unihörsaal in Wien. Die Bedingung war: Die Gitarre muss im Vordergrund stehen. Aufgenommen wurde dann im Laufe von nur drei Tagen. Fast alle Nummern sind first take. Wenn an Produktionen heutzutage so lange herumgebastelt wird, bis alles „stimmt“, sie somit steril und unpersönlich werden, geht Miksch bewusst den umgekehrten Weg. Neben Alex Miksch spielen Philipp Moosbrugger am Bass und Jakob Kovacic, der mit seinem Schlagwerk zu hören ist. Außerdem als Gastmusiker dabei: Lukas Lauermann am Cello auf „Da Schwoaze Geiga“ und Stephen Sperlich am Synthesizer bei „Di Nochd (Wo Di Da Teife Choid)“. Im Wesentlichen eine feine, kompakte Trio Besetzung also, mit grandios präzisem Zusammenspiel.

Entstanden ist ein von ihm bis dahin auf Tonträger so noch nicht gehörter Sound mit besonders hoher Intensität und spielerischer Wucht. Garniert mit balladesken Liebesliedern, denen man anhört, dass sie nicht konstruiert wurden. Miksch lebt seine Lieder, singt sie sich aus dem Leib, schonungslos, kompromisslos, brachial, dabei den Schmerz, den Rausch und die Verzweiflung abarbeitend. „Im Handgepäck“ ist ein mitreißender, kompromissloser Rock `n` Roller. „Finstas Weda“ ein Blues, so wie ein Blues nur sein kann. Ein neues Programm ist mittlerweile auch schon wieder fast fertig, die Hörproben klingen- wie könnte es auch anders sein- äußerst vielversprechend. Einen Konzertplan gibt es im Augenblick nicht, ebenso wenig wie eine Homepage. Auf Facebook geht dafür was. Alex Miksch gehört sicher nicht zu den Musikern, die zu Hause sitzen und nur darauf warten müssen, dass das Telefon klingelt, um den nächsten Auftritt mit ordentlicher Gage zu fixieren. Aber in den Arsch kriechen, das ist nicht so sehr sein Ding. Werner Leiss

CD-TIPPS

aktuelle CD: 
Alex Miksch, „9 Lem“, Acre Of Bacon Records, Vertrieb: Hoanzl

weiters:
Alex Miksch, „Zänd Zamm“, Monkey Music, Vertrieb: Rough Trade

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