Concerto > Concerto-Ausgaben > Ausgabe 1/2016 > Bluest Talk Folge 105

blues talk FOLGE 105: British Blues

 Altbewährtes und Neues von der Insel

Eine sogenannte "Living Legend": Bob Hall

Als der Blues britischer Prägung in den 1960ern laufen lernte, war ein Mann stets an vorderster Front zu finden: Bob Hall. Unter anderem war der 1942 in Surrey geborene Pianist Gründungsmitglied so illustrer Truppen wie Savoy Brown, The Groundhogs, The Sunflower Blues Band oder The De Luxe Blues Band. Hall spielte mit weiteren britischen Größen wie Peter Green, Mick Fleetwood und vor allem Alexis Korner, war aber auch an der Seite von Heroen wie John Lee Hooker, Howlin’ Wolf, Little Walter oder Jimmy Witherspoon zu finden. Seine, sowohl im Jazz als auch im Blues versierte, Tastenarbeit war stets gefragt. Allerdings war der Musiker letztlich nicht bereit, sein „normales“ Berufsleben vollends aufzugeben. Immerhin verdiente er gutes Geld in einer Anwaltskanzlei und später auch als europäischer Patentanwalt. So erklärte er am Vorabend der ersten Amerikatournee seinem Savoy-Brown-Freund Kim Simmonds, er würde nicht mitkommen, wünsche der Band aber viel Glück, denn in den Staaten könne man als Engländer mit Blues wohl kaum reüssieren. Savoy Brown gingen … und landeten unverzüglich ihren ersten Hit. Hall wiederum gründete mit Rocket 88 eine Boogie-Woogie-Big-Band, in welcher unter anderem Ian Stewart von den Rolling Stones, Alexis Korner, Charlie Watts und Jack Bruce tätig waren. 1991 formierte er mit seiner Partnerin Hilary Blythe The Bob Hall Show, 2004 folgten The British Blues All Stars, und jüngst tourte er mit Little Jimmy Reed durch die Lande.

Krissy Matthews live im Reigen, Wien

Der knapp 24jährige Engländer Krissy Matthews gilt in seiner Heimat – und nicht nur dort - als eine der großen Hoffnungen einer zeitgemäßen, frischen Interpretation des Blues, mit Kenntnis der Historie. Und als Gitarrenwunder. Beides wurde nicht nur durch seinen Auftritt beim letztjährigen Vienna Blues Spring unterstrichen sondern erhellt sich auch in seiner jüngsten CD. Von furios slidend, elektrifizierend in bestem Sixties-Idiom, groovendem Talking-Blues bis zu pop-ähnlichen Balladen und etwas Country wird Abwechslungsreichtum pur geboten. Als Co-Autor entpuppt sich zudem eine der großen Legenden des britischen Rock/Blues, niemand Geringerer nämlich als Pete Brown, aus dessen Feder „Kleinigkeiten“ wie die Cream-Klassiker „White Room“ oder auch „Sunshine Of Your Love“ stammen. Im Alter von drei Jahren stand Matthews – mit seinem Vater – zum ersten Mal auf der Bühne, mit acht erhielt er die erste elektrische Gitarre. Zehn Jahre später hatte der junge Mann bereits drei Tonträger zu Buche stehen, ebenso gemeinsame Auftritte mit Größen wie John Mayall, Bernie Marsden, Nuno Mindelis oder Jeff Healey. Als besonders interessiert an diesem „Wunderkind“ erwies sich zunächst Skandinavien, wo er zahlreiche Festivalauftritte bestritt. 2009 erklärte ihn dann das Classic Rock Magazine zu einer der „bands to watch out for“, und seitdem bereiste der Sänger, Gitarrist und Songwriter mit seinen Bands höchst erfolgreich den europäischen Bluescircuit.

Im April auf Österreich-Tour: Ian Siegal. Tourdaten: www.weltenklang.at

Nach einigen Jahren Pause beim Vienna Blues Spring kehrte 2015 ein Mann fulminant – etwa mit einer gänsehauterregenden, ungeheuer intensiven Version von “I’d Rather Go Blind” - zurück, der bereits vor Jahrzehnten als “next big thing” der britischen Bluesszene galt, Ian Siegal. 1971 geboren, ist Siegal zwar knapp doppelt so alt wie Krissy Matthews, dennoch zählt er nach wie vor zur jüngeren Garde der Bluesmen von der Insel. Im Unterschied zu Matthews ist der Sänger, Gitarrist und Komponist eher ein Spätberufener, griff er doch erst mit achtzehn Jahren zur Gitarre, um allerdings bereits ein Jahr später als Straßenmusikant einige Monate durch Berlin zu ziehen. Von dort ging es in die Clubs, mit Lee Sankey und Big Bill Morganfield folgten die ersten Europatourneen, und niemand Geringerer als Billy Wyman holte ihn 2004 als Opening Act für seine Rhythm Kings. Siegal, der vor allem als Vokalist mit rauer, tief emotionaler Stimme überzeugt, arbeitete zudem mit Bluesgrößen wie Pinetop Perkins oder Hubert Sumlin. Siegals Zugang zur Rootsmusik ist ein vielfältiger, keinesfalls darf er als Purist gelten, auch wenn seine Soloauftritte stark vom Country- und Folkblues geprägt sind. Stilistisch ist er indessen breit gefächert, sogar mit dem Orchestre National de Jazz und einem Billie-Holiday-Programm war er unterwegs. Doch auch in Mississippi ist Ian Siegal regelmäßig zu finden, ebenso wie beim kommenden Vienna Blues Spring 2016 im Wiener REIGEN. 

Bericht, Fotos: Dietmar Hoscher
Interviews: Dietmar Hoscher, Franz Richter

CD-TIPPS:

  • Bob Hall „Don’t Play Boogie“, Indigo

  • Krissy Matthews „Scenes From A Moving Window“, Promise Records

  • Ian Siegal „Man & Guitar“, Nugene Records

WEB-TIPPS:

LIVE-TIPP:

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