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blues talk FOLGE 111 -Harmonikablues Vol. VII

Nach einiger Zeit wieder einmal ein der Bluesharp gewidmeter BluesTalk

„Manchmal wäre eine Ruhepause stimulierend“ – JASON RICCI / Foto: Richter

Mit 42 Jahren zählt der in Portland, Maine, geborene Jason Ricci zur „jüngeren“ Garde der Bluesharpspieler, welche auf dem internationalen Parkett unterwegs sind. Ursprünglich ein Gitarrist, engagierte sich der junge Musiker in Punkbands, in denen er auch zum Gesangsmikrophon griff. Als ihm in dieser Profession Konkurrenz erwuchs, schulte er sich zusätzlich auf Harmonika um und gelangte über diesen Weg zum Blues. Dadurch angespornt, führte ihn sein Weg nach Memphis, wo er unter anderem mit den Hill-Country-Legenden Junior Kimbrough und R.L. Burnside spielte, zudem aber auch Drogen verfiel, was ihm letztlich einen „Pensionsaufenthalt“ auf Staatskosten eintrug. 1999 hatte Ricci seine Fähigkeiten an der Harp derart entwickelt, dass er den Mars National Harmonica Contest gewann und von Adam Gussow unter die besten 10 Harp Spieler aller Zeiten gereiht wurde, 2010 folgte ein Blues Music Award in der Kategorie „Bester Harpspieler“. Die Bandbreite von Ricci ist enorm, immer wieder baut er zum Beispiel Bebop-Elemente ein, aber auch Pop, Rap, Techno und Klassik finden sich unter seinen Vorlieben. Als Musiker ist er in zahlreichen Formationen, darunter seiner eigenen Band „The Bad Kind“, zu finden, als Studiomusiker war er etwa Nick Curran, Ana Popovic, Nick Moss oder Johnny Winter zu Diensten. So ist er auf Winters Grammy-Album „Step Back“ zu vernehmen. Zudem kann Jason Riccis Harmonikaspiel auf seinem eigenen youtube-Kanal erlernt werden.

„Es läuft sehr gut für mich“ – WALTER BAUMGARTNER / Foto: Hoscher

Man muss nicht unbedingt in die Ferne schweifen, um exzellente Bluesharpspieler zu entdecken. Österreich ist ein schlagender Beweis dafür. Doch auch bei den Eidgenossen wird man fündig. Walt(er) Baumgartner ist dabei in unseren Breiten kein Unbekannter, etwa an der Seite von Peter Müller, Dani Gugolz und Hannes Kasehs in der Formation 4some blues. Zum Blues kam der Musiker relativ spät, das erste Instrument war die Geige, an welcher er auch klassisch ausgebildet wurde. Doch die Harmonika schien irgendwann handlicher wie auch leichter „bedienbar“ und hat es dem Schweizer seither angetan. Vor sechs Jahren beschloss Baumgartner, den Beruf aufzugeben und sich vollends der Musik zu widmen, seit einiger Zeit kann er mit Formationen wie Acoustic Blues Drifter, Walt’s Blues Box und eben 4some blues auch davon leben. Die Stilistik ist bei Baumgartner breit gestreut, er interessiert sich für zahlreiche Genres, und auch das Songwriting kommt nicht zu kurz. Konsequenterweise wurde er 2016 mit dem Swiss Blues Award in Basel ausgezeichnet. Neben lokalen Bluessendungen und Blues-in-schools-Programmen gibt Walter Baumgartner sein Wissen als Lehrender, sowohl privat als auch an der Musikschule Prova, Winterthur, sowie in zahlreichen Workshops, weiter. Seit einigen Jahren ist er auch Endorser für Hohner.


„Blues liegt uns im Blut“ – STEVE BELL / Foto: Hoscher

Einen großen Familiennamen trägt Steve Bell Harrington, Sohn des legendären Bluesharpers Carey Bell und Bruder des Gitarristen Lurrie Bell. Das macht es nicht immer leicht, selbst seine Fußspuren zu hinterlassen. Noch dazu, wenn man dasselbe Instrument erkoren hat wie der berühmte Vater. Doch Steve Bell sieht diese Situation nicht nur entspannt, sondern sogar als Vorteil. Dabei hat er sich bis dato in erster Linie als Sideman verdient gemacht, Tonträger unter eigenem Namen stehen noch nicht zu Buche, sind aber in Planung, zumal der Harmonikaspieler zunehmend auch als Sänger in Erscheinung tritt. Der erdige, bodenständige Stil seines Harmonikaspiels erinnert naturgemäß an Carey Bell und leugnet nicht die große Tradition des Chicagoblues. Doch ebenso selbstverständlich kommt das Mississippidelta zu seinen Ehren, immerhin hat Steve Bell in diesem Bundesstaat auch sein Domizil aufgeschlagen. Ursprünglich hatte der Musiker, laut eigenen Aussagen, eigentlich das Schlagzeug auserwählt, doch Vater Carey lenkte ihn in eine andere instrumentale Richtung. Hinter den Drums findet sich heute Bruder James. Durch seine Vernetzung mit den noch lebenden Musikern der Muddy Waters Band, darunter John Primer, ist Steve Bell ein gern gesehener Gast auch auf europäischen Bühnen, wie zuletzt beim renommierten Lucerne Blues Festival.
Bericht: Dietmar Hoscher

CD/VINYL-TIPPS:

  • Jason Ricci & New Blood „Done With The Devil“, Eclecto Groove

  • Various Artists feat. Steve Bell „Muddy Waters 100“, Raisin’ Music Records

  • 4some blues „Pretty Baby“, Styx Records

WEB-TIPPS:

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