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Kein YouTube-Kanal kann das ersetzen

Das Salzburger Jazzit feiert sein Jubiläum. Nicht nur stilistisch erweitert der Club seit 15 Jahren beständig seine Grenzen.

Das JazzIt Team 2017 (Bild Mitte, Programmchef Andreas Neumaer) / FotoCredit: Harald Gaukel

Der Eingangsbereich des Hauses Elisabethstraße 11 in Salzburg wirkt eher unauffällig. Welche inneren Werte Besucher erwarten dürfen, die den Weg durchs Vorhaus und über die Treppe ins Untergeschoss nehmen, verrät ein orange-schwarzes Schild über der Tür. Und ein dezenter Hinweis neben dem Eingang: „Great Jazz Venue“ steht auf der Plakette, die sich ein Jazzclub erst einmal verdienen muss.

Als Adelsprädikat vergibt das federführende US-Magazin „Downbeat“ den Titel jedes Jahr aufs Neue an ausgewählte Locations weltweit. Und Andreas Neumayer, der Chef des Salzburger Jazzit:Musik:Club, hat das Etikett kürzlich zum vierten Mal vor seiner Eingangstür angebracht. Heuer ist es zugleich eine Art Geburtstagsgeschenk: Das Jazzit feiert 2017 seine 15-jährige Sesshaftigkeit im ehemaligen Volksheim im Bahnhofsviertel.

Die Downbeat-Auszeichnung freue ihn nicht nur, weil sie eine Anerkennung von gleichsam höchster Instanz für eine langjährige und ausdauernde Arbeit bedeute, erzählt der Jazzit-Chef. Auch nicht bloß deshalb, weil das Qualitätssiegel mittlerweile neben dem Stammpublikum immer öfter jazzkundige Touristen herbeilotst, die früher vielleicht nicht den Weg ins Jazzit gefunden hätten.

Wie gerne selbst Jazzgrößen den Weg in die Elisabethstraße wählen, die sonst andere Konzertdimensionen gewöhnt sind, verriet im Vorjahr etwa ein prominenter Tourbus, der vor dem Jazzit:Musik:Club einparkte. Zwischen zwei großen Konzerten schaute Gitarrenheld Pat Metheny in Salzburg für einen intimen Clubgig vorbei, der den Besuchern ebenso in schwärmerischer Erinnerung blieb wie der Band. Für das Jazzit war Methenys Besuch eine Art vorgezogenes Präsent zum 15-Jahr-Jubiläum.

Drei Tage lang werde das Geburtstagsfest im Februar dauern, erzählt Andreas Neumayer. Cellist Erik Friedlander wird sein jüngstes Projekt ebenso in Salzburg präsentieren wie Klaus Paier und Asja Valcic ihr neues Quartett. Und als Aushängeschild einer kleinen, aber energetischen Salzburger Szene und als Groove-Turbo für die Geburtstagsparty wird der in New York lebende Salzburger Bassist Stephan Kondert mit seiner HipHop-Bigband SK Invitational ein Heimspiel geben. Eine der Konstanten in der Club-Geschichte sei es schließlich, „dass er immer wieder als heimatliche Zentrale für Salzburger Jazzmusiker dient, die international ihren Weg machen.“

Als aus dem „Jazzit“ (der Name leitet sich noch aus der Initiative „Jazz im Theater ab“, die bis 1996 in der Salzburger Elisabethbühne zuhause gewesen war) dann 2002 der Jazzit:Musik:Club wurde, bekam Salzburg nicht nur eine neue Jazz-Zentrale. Auch Elektronik-Schienen und andere Spielarten zogen als Dauergäste ein. Heute reicht die Palette der rund 300 Veranstaltungen von der Drum&Bass-Gastreihe bis zum Neo-Swing-Club. Sogar eine eigene CD-Reihe, auf der Salzburger Bands ihr Schaffen dokumentieren können, gibt es.

Für den regelmäßigen Pulsschlag, der einen Club lebendig hält, sorgen indes seit 2003 die wöchentlichen Jam-Sessions: Jeden Dienstag ist das Haus voll und die Stimmung verlässlich am Köcheln. „Das ist ein Phänomen – und für uns eine der schönsten Bestätigungen unserer Arbeit“, sagt Neumayer. Die Sehnsucht nach dem Live-Moment sei an diesen Abenden besonders stark greifbar. So schnell sich Stile und Trends im Jazz auch wandeln, „dieses Gefühl, ein unwiederbringliches Erlebnis zu bescheren, macht einen Jazzclub aus. Kein YouTube-Kanal kann das ersetzen.“

Während auf der Bühne die Risikofreude uneingeschränkt regieren darf, gelten für den Club-Chef freilich andere Regeln. „Seit der Eröffnung hat sich die Zahl der jährlichen Veranstaltungen im Haus beinahe verdreifacht“. Das Jahresbudget (derzeit rund 340.000 Euro, Stand: Dezember 2016) sei freilich nicht in gleichem Maße mitgewachsen. „Ohne den Enthusiasmus unserer Team-Mitglieder, von den viele ehrenamtlich bei jedem Konzert im Einsatz sind, gäbe es auch kein 15-Jahr-Jubiläum.“

Zu welcher Größe ein Jazzclub tatsächlich wachsen kann, zeigt Andreas Neumayer unterdessen jedes Jahr an einem langen Herbst-Wochenende. Gemeinsam mit Markus Rauchmann und Günter Huber hat er das „Take the A-Train“ Festival ins Leben gerufen – mit Konzerten auf Bahnsteigen, in Bussen, Tanzcafes oder Bank-Foyers. Nach zwei starken Auftaktjahren „wollen wir uns heuer stilistisch noch mehr verbreitern. Wir sind auch schon wieder auf der Suche nach neuen, spannenden Locations.“ Clemens Panagl

Nähere Info:

JAZZIT:MUSIK:CLUB SALZBURG, Elisabethstraße 11, A-5020 Salzburg
Website: www.jazzit.at, e-mail:office@jazzit.at

KONZERT HIGHLIGHTS zum Jubiläum:

10. 02.: 15 Jahre Jazzit / New Jazz From Downtown New York: ERIK FRIEDLANDERS OSCALYPSO (US)
11. 02.: 15 Jahre Jazzit / Massive Bigband HipHop Sounds: SK INVITATONAL (A)
12. 02.: 15 Jahre Jazzit / Musik Salon: KLAUS PAIER /ASJA VALCIC QUARTET (HR/A)
17. 02.: BRÖTZMANN+PLIAKAS+WERTMÜLLER: FULL BLAST (DE/CH)
24. 02.:HI 5 (A)
26. 02.: FERENC SNETBERGER TRIO (HU/A)
03. 03.: THE RASP (A/ES)
24. 03.: CAFE DRECHSLER (A)
10. 04.: ERIC REVIS QUARTET (US)
21. 4.: LUKAS KRANZELBINDER: SHAKE STEW feat. SHABAKA HUTCHINGS (A)

 

Vorschau: Take The A-Train Festival #3
Salzburg, Bahnhofsviertel, 14. bis 17.9. 2017

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