Concerto > Concerto-Ausgaben > Ausgabe 1/2018 > Blues Talk Folge 117

blues talk FOLGE 117: Shouting The Blues

Es gibt sie nach wie vor, die markanten Vokalisten des Genres.

„Wir bestanden vor unseren größten Vorbildern!“ – Mike Ledbetter / Foto: Hoscher

Als 2016 während des Chicago Blues Festivals Otis Rush auf der Hauptbühne, damals noch die große Petrillo Music Shell, Tribut gezollt wurde, fanden mit Mike Welch und Mike Ledbetter erstmals zwei kongeniale Partner zusammen, deren Zusammenspiel nicht nur Billy Flynn ein Lächeln ins Gesicht zauberte. 1985 in Elgin, Illinois, geboren, war das Singen schon von klein auf die Passion von Ledbetter, in dessen Ahnenreihe sich ein gewisser Lead Belly findet. Zu Hause waren es Pop, Soul und R&B, in der Öffentlichkeit Gospel. Ungewöhnlicherweise verschlug es den Jungen aber dann in eine – semiprofessionelle – Karriere als Opernsänger. Bis heute prägt dies auch seinen kraftvollen, charismatischen Stimmumfang, der überdies exzellent mit seiner äußeren Erscheinung „korreliert“. Da passt es, dass er nicht weniger als sieben Jahre in der Band von Nick Moss unterwegs war. Und dies nicht „nur“ an den Stimmbändern, sondern auch an der Rhythmusgitarre. Mit eigener Truppe ist Ledbetter vorwiegend in der Windy City zu bewundern, international tourt er seit dem erwähnten Auftritt beim Chicago Blues Festival auch mit „Monster“ Mike Welch und labelt dabei für viele unter „Modern West Side Soul“. Eine Bezeichnung, die ihm selbst ebenfalls ganz gut gefällt.

„Für Hintergrundmusik bin ich mir zu schade“ – Brian Templeton / Foto: Hoscher

Nicht minder voluminös schreitet Brian Templeton einher. Sugar Ray Norcia bezeichnete ihn einst als „the complete package“ aus Sänger, Harpspieler und Songwriter. Nachdem Templeton sich gegen Ende der 1980er in der Bostoner Bluesszene einen guten Namen gemacht hatte, gründete er mit Gitarrist Michael Dinalle 1991 The Radio Kings. Nach nur vier Monaten gewannen die Youngsters gleich die renommierte Battle of the Blues Bands der Boston Blues Society, und Jerry Portnoy engagierte sie als Backing Band. Nach einigen erfolgreichen Alben, unter anderem für das Bullseye Blues Label, konzentrierte sich Templeton auf seine Solopfade. Auf seiner ersten CD unter eigenem Namen griff „Monster“ Mike Welch in die Saiten und produzierte auch den Tonträger. Mike Ledbetter lässt grüßen. Fatalerweise schloss die Plattenfirma unmittelbar nach Erscheinen der Platte ihre Pforten, und „Home“ flog unter dem Radar. Brian Templeton verlagerte den musikalischen Schwerpunkt nach Europa, arbeitete u.a. mit Otis Grand, Sonny Rhodes, Enrico Crivellaro und später auch Raphael Wressnig. Trotzdem ist Templeton heute leider nur noch spärlich zu sehen und zu hören. Er widmet sich ausgiebig der Tätigkeit als Farmer sowie seiner großen Familie und hat sich zudem stark religiösen Themen und Überlegungen zugewandt.

„Ich bin kein Bluespurist“ – Omar Coleman / Foto: Hoscher

Auch Omar Coleman zählt mit seinem Jahrgang 1973 zur „jüngeren“ Garde der Bluesmusiker aus Chicago. Dabei war ihm die Bedeutung der Windy City in der Musikwelt lange gar nicht bewusst. Obwohl aufgewachsen mit Musik, verdingte er sich zunächst in einem „bürgerlichen“ Job, als Friseur. Ob ihm dabei etwa der legendäre „blues barber“ Wade Walton als Vorbild diente, ist nicht bekannt. Jedenfalls griff Coleman „aus Langeweile“ irgendwann zur Bluesharmonika, entdeckte Sugar Blue und verfiel dem Zwölftakter. Dies allerdings vor allem auch in den souligen und funkigen Ausprägungen und im R&B. In seiner Musik versucht Coleman die Chicagotradition zum Beispiel eines Junior Wells mit gegenwärtigen Einflüssen zu kombinieren. Bobby Rush hinterlässt hierbei ebenso seine Spuren wie – vor allem gesanglich – Al Green oder Syl Johnson. 2005 war Omar Coleman beim Chicago Blues Festival Teil des Chicago Blues Harmonica Project, von dem auch ein Tonträger existiert, 2011 erschien seine erste CD unter eigenem Namen, „West Side Wiggle“. In unseren Breiten wurde er unter anderem als Sänger und Harper der Sean Carney Band bekannt, die auch beim Vienna Blues Spring vertreten war.

Interviews: Franz Richter, Dietmar Hoscher

CD/VINYL-TIPPS:

  • Monster“ Mike Welch & Mike Ledbetter „Right Place, Right Time“, Delta Groove Music

  • Brian Templeton „Home“, Stone Cold Records

  • Omar Coleman „Born & Raised“, Delmark Records

WEB-TIPPS:


Kontakt

CONCERTO-Magazin,
P.O.Box 144, A-3830 Waidhofen/Thaya, Austria
e-mail: concerto@concerto.at 
Tel. (++43) 2842-54904
Fax (++43) 2742 222 333 93 92 

Bankadresse: Waldviertler Sparkasse Bank AG, Austria
IBAN: AT 44 20272 00900 000845
Swift/Bic-Code: SPZWAT21XXX
Empfänger: Concerto-Verein

Wo kann man das CONCERTO-Magazin kaufen?

Hier erfahren Sie es!