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Großes Ohrenkino: Paier Valcic Quartet

Dieses Album besitzt alles, was man sich auch von guten Film-Soundtracks erwartet: Spannung, Emotion, dramaturgischen Aufbau und starke Effekte. Dabei wurde es ganz ohne Elektronik und in fast intimer Besetzung eingespielt.

Paier Valcic Quartet / Foto Michael Reidinger

Wir wurden immer wieder nach Konzerten darauf angesprochen, dass in vielen Leuten beim Hören unserer Musik Bilder entstehen und dass wir mit unseren Instrumenten Geschichten erzählen. So kamen wir zur Grundidee für das neue Album: Was passiert, wenn wir echte Filmmusik nehmen und sie unserer Musik gegenüberstellen? Kann das nebeneinander existieren?". Soweit Asja Valcic zur Entstehungsgeschichte von "Cinema Scenes". Die in Kroatien geborene und seit langem in Österreich lebende Cellistin kommt eigentlich aus der klassischen Musik und arbeitet mit Unterbrechungen seit 15 Jahren mit dem Kärntner Akkordeon- und Bandoneonmeister Klaus Paier vor allem im Duo zusammen.

Valcic: "Zu Beginn spielten wir nur Stücke von Klaus, er ist ja ein sehr fleißiger Komponist." Paier ist ein ebenfalls klassisch ausgebildeter Künstler, der sich Zeit seines Lebens vorwiegend mit improvisierter Musik beschäftigt hat; ähnlich wie sein französischer Kollege Richard Galliano hat er sich auf ein Vokabular spezialisiert, das aus dem Jazz, aber auch aus dem Tango oder der Musette schöpft. Asja Valcic, die viele Jahre hauptsächlich Kammermusik interpretiert hatte, musste sich ihre improvisatorischen Sporen anfangs hart verdienen: "Ich glaube, das erste Stück im Duo mit Klaus passierte bei einem Konzert im Porgy&Bess, bei dem ihn normalerweise Stefan Gfrerrer begleitete. Klaus meinte: So, an dieser Stelle improvisiert Stefan normalerweise. Du kannst hier alle Töne spielen, die in C-Dur vorkommen... Das war meine allererste Improvisation vor Publikum, und ich lerne noch immer!"

Nicht erst auf "Cinema Scenes" kann man sich davon überzeugen, wie weit Valcic' Improvisationskünste mittlerweile fortgeschritten sind (einmal abgesehen von ihren sonstigen Fähigkeiten am Cello); das Duo Paier/Valcic hat seit 2009 immerhin drei CDs produziert ("À deux", 2009, "Silk Road", 2013, und "Timeless Suite", 2015) und ist auch live in ganz Europa sehr erfolgreich. Als "universale Kammermusik" oder als "faszinierende musikalische Roadmovies" wurden ihre in Klassik und Jazz geerdeten Klangexperimente schon bezeichnet. Valcic ist dafür bekannt, dass sie, wenn nötig, sehr perkussiv spielen kann und dass ihr nicht nur am instrumentalen Schönklang liegt (u.a. hat sie das beim radio.string.quartet mit expressiven, "hässlichen" Klängen bewiesen); Paier wiederum verfeinert seit vielen Jahren in Zusammenarbeit mit einem Instrumentenbauer die Möglichkeiten seines Akkordeons.

Klaus Paier & Asja Valcic / Foto: Michael Reidinger

Vier sind mehr als zwei

Das Paier Valcic Quartet ist sozusagen die Quersumme aus dem oben erwähnten Duo und dem Klaus Paier Trio mit Kontrabassist Stefan Gfrerrer und Schlagzeuger Roman Werni. Paier, Gfrerrer und Werni kennen einander schon seit ihrer gemeinsamen Studienzeit am Klagenfurter Konservatorium und sind blind aufeinander eingespielt. Voilà: das Paier Valcic Quartet mit erweiterten Klang- und Dynamikoptionen. Valcic zur Besetzung: "Man könnte meinen, dass es Klaus' Idee war; aber es war mein Wunsch, wenn auch kein ganz uneigennütziger. Ich hatte in meinem Leben noch nie mit Bass und Schlagzeug gespielt. Ich war im radio.string.quartet und auch teilweise im Duo abwechselnd Bass und Schlagzeug, aber nun mit einem echten Bass und einem echten Schlagzeug genieße ich es, dass ich mich manchmal ein wenig ausruhen kann... Außerdem bietet es mir die Möglichkeit, im Hinblick auf Time und Groove noch besser zu werden."

Nun also zurück zu "Cinema Scenes": Sowohl Klaus Paier als auch Asja Valcic sind bekennende Filmfans. Neuinterpretationen von Nino Rota oder Ennio Morricone waren den beiden nicht originell genug ("Das sind auch tolle Melodien, aber das haben schon zu viele andere vor uns gemacht"), so ließen sie sich in ihren eigenen Kompositionen hauptsächlich von Emotionen und Stimmungen inspirieren, die das Kinopublikum bis heute in ihren Bann ziehen: "Hesitation", "Silence", "Exciting Moment" oder "Inspired Tale" heißen diese Stücke.

Im Zentrum steht die viersätzige Suite, die der CD auch ihren Namen gibt: "Cinema Scenes" beginnt mit einem Werk von Lennie Niehaus und Clint Eastwood aus dem Film "The Bridges Of Madison County", die Klaus Paier dann mit drei weiteren expressiven Stücken "weiterkomponiert" hat. Die zweite Fremdkomposition der CD, die Titelmelodie von "Das Mädchen mit dem Perlenohrring" von Alexandre Desplat, hat Asja Valcic ausgesucht. Auffällig ist, dass die Besetzung sehr oft innerhalb des Quartetts wechselt; so gibt es immer wieder Duo-Stellen, oder Valcic setzt aus, um, wie sie sagt, "dem Profi die Basslines zu überlassen". So entsteht ein abwechslungsreiches Klangbild.

"Ricochet", der letzte Track, stammt aus der Zusammenarbeit von Asja Valcic mit dem Pianisten Joachim Kühn. Es könnte auch beispielhaft für die Dramaturgie der ganzen CD stehen: Fast wie in einem Thriller arbeitet die Cellistin hier mit Anfang, Entwicklung, Höhepunkt und einem Schluss, auf den alles hinstrebt. Valcic: "Ich habe als klassische Musikerin gelernt, dass du eine Geschichte erzählst, wenn du ein Stück spielst. Die Musik geht immer irgendwohin, entweder nach vorn, oder sie beruhigt sich gerade. Ich kann wenig mit Musik anfangen, die so eine Art Background bleibt, das ist nicht mein Ding." Nun, diese zwölf "Cinema Scenes" sind sicher alles Mögliche, aber keine Backgroundmusik. Martin Schuster

aktuelle CD:

Paier Valcic Quartet "Cinema Scenes", ACT, Vertrieb: edel

Live-Tipps:

  1. 03.03.: St. Florian, Altes Kino (Paier Valcic Quartet)

  2. 15.03.: Wien, Porgy&Bess (Paier/Valcic Duo)

  3. 23.03.: Innsbruck, Treibhaus (Paier Valcic Quartet)

  4. 17.07.: Maria Wörth (Paier/Valcic Duo)

  5. 18.07.: Klagenfurt, Stift Viktring (Paier Valcic Quartet)

Web-Tipp:

www.klaus-paier.com, www.asjavalcic.com

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