60 Jahre T.C. Pfeiler - Priorität: Spaßfaktor

Eine außergewöhnliche Figur der österreichischen Jazzszene feierte am 1. Jänner ihren 60. Geburtstag: Der Hammond-Organist T.C. Pfeiler, ein Pionier auf seinem Instrument, ist seit 45 Jahren als Musiker tätig und hat mehr als 7500 Stücke komponiert. Und er ist und bleibt stolz auf seine Unabhängigkeit.

Happy Birthday! T.C. Pfeiler / FotoCredit: Mühlbachler

Nicht erst mit 60 genießt der Spaßfaktor oberste Priorität!" meint der gebürtige Salzburger gleich zu Beginn des Interviews, und es klingt wie ein Lebensmotto. Alles begann im Jahr 1973, als Ewald Pfeiler nicht nur seine Karriere als Verkäufer im Zweirad-Center Frey, sondern auch als Keyboarder in der Band Up To Date startete. Fünf Jahre später hatte er sich längst in den Sound der Hammond-Orgel verliebt, und das schwergewichtige Instrument sollte von nun an seinen Lebensmittelpunkt bilden. Als der Organist Wild Bill Davis mit der Lionel Hampton Big Band im April 1978 in Burghausen gastierte, spielte er auf Pfeilers C3, woraus sich bald eine fruchtbare musikalische Freundschaft entwickelte.

Als Pfeiler 1980 mit der Hampton Big Band als Hammond-Betreuer auf Tournee ging, erhielt er von den Bandkollegen den Spitznamen "T.C." ("The Console"), der zu seinem Künstlernamen wurde. Wild Bill Davis führte den wissbegierigen Schüler in die Geheimnisse des Instruments ein, die er gleich in Sessions mit Lionel Hampton, Illinois Jacquet oder Curtis Fuller verfeinern konnte. 1987 war ein wichtiges Jahr für T.C. Pfeiler: Er nahm an zwei Orgeln mit Wild Bill Davis ein Live-Konzert auf und er traf seine Lebenspartnerin Ulrike Muehlbachler, die ihm bis heute als Grafikerin, Covergirl, Aufnahmeleiterin, Managerin, Gast-Schlagzeugerin und vieles mehr zur Seite steht.

"Sofort-Selbermacher"

Pfeiler ist als Nonkonformist und Einzelkämpfer bekannt. In seinen Worten klingt das so: "Ich stehe dem Musikbusiness, bzw. dem, was davon noch übrig ist, keinesfalls nur kritisch oder gar distanziert gegenüber. Begriffe wie Business, Erfolg und Kapital sind für mich ausschließlich positiv besetzt. Kritisch sehe ich die Macher, welche es erfolgreich geschafft haben, das Musikbusiness weitgehend zugrunde zu richten. Als überzeugter 'Sofort-Selbermacher' bin ich zudem immer wieder entsetzt, wie viele Musiker, besonders Jazzer, sich als ständig nach Subventionen bettelnde, von aller Welt unverstandene und zumeist selbst ernannte Verlierer outen!"

Obwohl Pfeiler vor 10 Jahren vom Kunstministerium der Ehrentitels eines Professors h.c. verliehen wurde, fühlt er sich vom Salzburger Kulturbetrieb ignoriert und spricht von einer "Pfeiler-Phobie": "Bis zum heutigen Tag hat es jeder Salzburger Kulturpolitiker regelrecht panisch vermieden, auch nur ein einziges Wort mit mir zu wechseln. Die 'Salzbürger' könnten mit dem heimischen Produkt T.C. Pfeiler gutes Geld verdienen. Das wollen sie nicht. Auch gut. Das machen wir längst alleine. Ohne jegliche Subventionen, Sponsoren oder Parteibuch!"

Unermüdlich bringt der Hammond-Virtuose seine Musik auf dem hauseigenen Label Tonewheel Records heraus; das bedeutet 5 bis 10 CDs pro Jahr, die er mit langjährigen Weggefährten wie Joris Dudli, Michael Honzak, Rudi Steger (dr), Harry Sokal (sax) sowie Peter Legat, Lorenzo Petrocca oder Peter Vieweger (g) teilweise an ausgefallenen Locations wie der stillgelegten Salzburger Barock-Bar oder dem großen Saal der Stiftung Mozarteum aufnimmt. Aus der Fülle der Produktionen seien auch die 9 CDs erwähnt, die T.C. Pfeiler und Ulrike Muehlbachler unter dem Titel "Vintage Bar & Lounge Sound" herausgebracht haben, wobei einige Vintage-Keyboards wie das Hohner Pianet oder das Weltmeister Claviset neben der Hammond B3 zum Einsatz kommen.

Ein anderes Spezialprojekt war Anfang dieses Jahres "T.C. Pfeiler Plays Vienna Bar Pianists", eine Idee des befreundeten Wiener Barpianisten Reinhard Wallner. "Das ist quasi ein kleines Dankeschön an alle Wiener Barpianisten. Sie und immer mehr andere Kollegen weltweit spielen allabendlich viele meiner inzwischen über 7.500 Kompositionen; hier haben wir sozusagen den Spieß umgedreht, und ich spiele Stücke von Martin Kuhn, Teddy Linhart, Reinhard Wallner und anderen."

Ob Organ-Swing, Funk, Boogaloo, Straight-Ahead-Jazz oder gehobene Unterhaltungsmusik - der Name T.C. Pfeiler bürgt für gleichbleibende und handgemachte Qualität, auch wenn der Jubilar mittlerweile ins siebente Lebensjahrzehnt unterwegs ist. Martin Schuster

Web-Tipp und Diskografie:

www.tcpfeiler.com
und
www.tonewheelrecords.com

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