Concerto > Concerto-Ausgaben > Ausgabe 1/2020 > Echo Boomer

Ein Echo boomt aus dem All

Ein mäandernder, langgezogener Synthesizer-Ton ist es, der einen ähnlich wie der Sog eines unbekannten Flugobjektes in die groovige, extraterrestrische Welt von e c h o boomer, dem Soloprojekt der Bassistin und Komponistin Beate Wiesinger zieht. Die ersten Kompositionen dafür trägt Wiesinger bereits seit knapp einem Jahrzehnt mit sich herum, die in diesem Winter via Jazzwerkstatt Records nun endlich das Licht der Welt erblickt haben.

Master Mind Beate Wirsinge von Echo Boomer /FotoCredit: Herbert Höpfl

Beate Wiesinger on Board

Die geborene Grieskirchnerin ist eine gefragte und umtriebige Sidewoman. Ihr Studium führte sie von Linz über Göteborg nach Wien. Seit ihrer Niederlassung in der Bundeshauptstadt vor einigen Jahren hat sie keine Probleme damit, ihren Terminkalender zu füllen. So ist sie zum Beispiel Teil von Richard Kösters "Kammerer Orköster", Co-Leaderin des Trios "Luchs" und bildet zusammen mit ihrer Schwester Astrid das "Duo 4675". Das vergangene Jahr brachte zwei weitere Engagements mit sich, zum einen im neuen Trio von Mira Lu Kovacs (vormals Schmieds Puls) und als E-Bassistin in Christian Muthspiels Mammutprojekt, dem "OrJazztra". Daneben unterrichtet sie auch und musiziert sich so von einer Sieben-Tage-Woche in die nächste. All diese Verpflichtungen ließen sich bisher gut koordinieren, auf das Jahr 2020 blickt sie dahingehend aber mit Spannung, denn die am 1. November erschienene erste Platte ihres neuesten Unterfangens verspricht dahingehend nicht gerade Entschleunigung. Seit einigen Wochen liegt das Debüt ihres bisher größten Projekts als Bandleaderin vor: "Aliens on Board" von ihrem Septett e c h o boomer. Mit dabei sind unter anderem Posaunist Alois Eberl (der mit ihr im "KammererOrköster" spielt), Florian Sighartner (der Violinist ist ebenfalls Teil von "Luchs") und ihre Schwester Astrid an den Reeds, mit der sie seit vielen Jahren in gemeinsamen Bands spielt. Ein bunter Haufen vielgefragter Musikerinnen und Musiker also, und allein der Versuch neben all ihren anderen Projekten e c h o boomer-Release-Konzerte auf die Beine zu stellen, ist bewundernswert. Beate Wiesinger lässt das in Ruhe auf sich zukommen, einige Konzerte sind bereits im Entstehen, für genauere Infos muss man sich jedoch noch etwas gedulden.

Echo Boomer / Credit: Archiv

Astrale Grooves, erdige Arrangements

Die Rhythmusgruppe der Band besteht aus Wiesinger selbst am Bass, dem Groove-Experten Michal Wierzgon am Schlagzeug und Philipp Jagschitz an Keyboards und vor allem Synthesizern. Die Drei legen den Grundstein für die Stimmung des Albums. Die Drums sind bis auf wenige Ausnahmen geradeaus groovy gehalten, von Wierzgon hier und da subtil verhiphopt. Darüber legt sich als stilprägendes Element gerne ein Synthesizer, der den Arrangements die alienhafte Note verleiht. Astrid Wiesinger an den Saxofonen und Alois Eberl an der Posaune sorgen für eine Jazz-gefärbte Bodenständigkeit, die von den beiden Streichern Florian Sighartner an der Violine und Clemens Sainitzer am Cello mit kammermusikalischen Elementen konterkariert wird. Beate Wiesinger setzt diese unterschiedlichen Klangfarben in ihren Kompositionen mal im bewussten Kontrast, mal im Geiste einer klanglichen Einheit ein. So setzt zum Beispiel das Stück "Fly" im letzten Drittel des Albums auf eine hochinteressant klingende, friedliche Koexistenz der Streicher und Bläser, untermalt vom stetig glimmenden Synthesizer. "Thraumatrop I" setzt mit dem Einsatz von Klavier auf ein akustischeres Klangbild, die Streicher nehmen hier mit aufhübschenden Linien eine separierte, kammermusikalischere Rolle ein. Der eingangs bereits erwähnte Opener setzt dagegen auf das andere Extrem; ein verfälscht klingendes Saxofon und eine von David Furrer gespielte, stark verzerrte E-Gitarre rupfen das heroisch anmutende Thema der ältesten Komposition des Albums herunter und gipfeln in einem Solo von Astrid Wiesinger über einen vom Synth-Bass unterlegten Halftime-Groove. Die Zugänge, sowohl aus kompositorischer, arrangementtechnischer als auch spielerischer Hinsicht sind von Stück zu Stück verschieden. Dennoch wirkt "Aliens On Board" homogen und wie aus einem Guss, ein Live-Feeling bleibt, trotz einiger Overdubs, über den gesamten Verlauf der Platte bestehen. Dazu passt sehr gut das Albumcover, dessen Betrachtung sich im Vinyl-Format besonders empfiehlt, da es viel zu entdecken gibt. Dabei handelt es sich um einen mit Passfotos geschmückten Kühlschrank, die Augen der Protagonist*innen sind jedoch geschwärzt. Es bereitet Freude, beim Hören dieses sehr starken Erstlingswerkes die vermeintlichen "Aliens On Board" am Kühlschrank genauer unter die Lupe zu nehmen und sich von den dabei entstehenden Geschichten hinfortbeamen zu lassen.Xavier Plus

Cover Art Work “Aliens On Board” (c) Katharina Gruzei

CD-Tipp:

e c h o boomer - "Aliens On Board" (Jazzwerkstatt Records, 2019)

Live-Tipp:

09.02.: Lindau am Bodensee (Duo 4675)20.02.: Wien, Kulturcafé Max (Duo 4675)

13.03.: Gaspoltshofen, Spielraum (e c h o boomer)

 

Web-Tipp:

www.beatewiesinger.com

Kontakt

CONCERTO-Magazin,
P.O.Box 144, A-3830 Waidhofen/Thaya, Austria
e-mail: concerto@concerto.at 
Tel. (++43) 2842-54904
Skype: concerto1

CONCERTO - Verein zur Förderung der kulturellen Zusammenarbeit
Vereinsregistrierung: ZVR:823 628 971

Bankadresse: Waldviertler Sparkasse Bank AG, Austria
IBAN: AT 44 20272 00900 000845
Swift/Bic-Code: SPZWAT21XXX
Empfänger: Concerto-Verein

Wo kann man das CONCERTO-Magazin kaufen?

Hier erfahren Sie es!