Keine Ritter der traurigen Gestalt

Auch auf dem neuen Album "Meganan" kämpfen Edi Nulz nicht gegen Windmühlen, sondern halten den Antrieb ihrer Flügel aufrecht.

Edi Nulz

Nach der vom Publikum durchaus gut angenommenen mäandernden Beredtheit von "El Perro Grande" hätte es Sinn gemacht, wenn Edi Nulz auf ihrem nächsten Album in die gleiche Richtung gegangen wären. Es stellt sich nun aber heraus, dass die neue Einspielung "Meganan" ein Modell für Effizienz insofern ist, als sie das gleiche Quantum schillernder Kreativität in nur etwas mehr als die Hälfte der Spielzeit des Vorgängeralbums packt. So, als hätte die Band die Bälle an musikalischen Ideen, die sie schon beim letzten Mal aufgeworfen haben, aufgegriffen und in schlanker strukturierte Formen gelegt, wodurch sich - bei gleichbleibender Klangpalette - eine höhere Konzentration an Dichte und Detaillierung des Materials ergibt.

Von Beginn weg ist die klare Ambition zu erkennen, Spitzenwerte von Intensität, Komplexität und Spannung von den ersten bis zu den letzten Noten aufrechtzuerhalten. Das Spiel von Schlagzeuger Valentin Schuster, Gitarrist Julian Adam Pajzs und Bassklarinettist Siegmar Brecher hat also nichts an Präsenz verloren, aber es ist direkter, zugänglicher geworden: unbestreitbar funkig anfahrende Grooves, verführerische, fast poppig laufende Melodien, im Kreis gehende, repetitive Figuren, vielfache agogische Tempowechsel. Gleich geblieben ist ihre Meisterschaft des "Gimmick".

In einer von Ballyhoo überfluteten Kultur kann es schwierig sein, ästhetische Objekte erfolgreich zu loben. Dies liegt manchmal daran, dass sie mit Generationen von Lob übersättigt ankommen oder dass der Umstand des Lobpreises etwas Zwanghaftes hat. Auf beides haben die Musiker von Edi Nulz in Interviews hinsichtlich des Vorbildcharakters einer idolisierten musikalischen Jazztradition immer wieder hingewiesen. Gegenüber der Schwierigkeit, richtig zu beurteilen, setzen sie die Leichtigkeit, "Übertreibungen" auszuspucken: im Outfit ihrer Verkleidung zu Fliegerpiloten und Raumfahrern, in den überdeterminierten Neologismen ihres Bandnamens und der Album- und Songtitel, und ja, in der Anverwandlung heterogenster genretypischer musikästhetischer Versatzstücke (Metal, Hardcore, Noise, Free Jazz, Pop).

Das Spiel mit Gimmicks ist ihr Urteil über die performative Glückseligkeit einer leidenschaftlichen Äußerung, das uns auffordert, eine musikalische Gegenwart zu befragen, in der Lob ungeachtet der jeweiligen Inhalte problematisch geworden ist. Achim Doppler

 

CD-TIPP

Edi Nulz "Meganan", Boomslang Records, www.traps.at/boomslang

Web-Tipp

www.edi-nulz.com 

Kontakt

CONCERTO-Magazin,
P.O.Box 144, A-3830 Waidhofen/Thaya, Austria
e-mail: concerto@concerto.at 
Tel. (++43) 2842-54904
Skype: concerto1

CONCERTO - Verein zur Förderung der kulturellen Zusammenarbeit
Vereinsregistrierung: ZVR:823 628 971

Bankadresse: Waldviertler Sparkasse Bank AG, Austria
IBAN: AT 44 20272 00900 000845
Swift/Bic-Code: SPZWAT21XXX
Empfänger: Concerto-Verein

Wo kann man das CONCERTO-Magazin kaufen?

Hier erfahren Sie es!