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Auf Schatzsuche im ORF Funkhaus

Andreas Felber präsentiert eine neue Jazz-Edition.

Andreas Felber im ORF-Archiv / FotoCredit: Joseph Schimmer / ORF

Dass Dr. Andreas Felber - in (noch) jüngeren Jahren auch in den "Fängen" des Concerto Magazins - das Ressort Jazz, Popular- und Weltmusik des besten europäischen Kulturradiosenders, Ö1, leitet, kommt nicht von ungefähr. Mit großer Fachkenntnis, ebensolcher Umsicht und Enthusiasmus, gestaltet und verwaltet er das reiche Erbe seiner Vorgänger. Und setzt dabei neue, verdienstvolle Initiativen.

Eine davon betitelt sich "Ö1 Jazz Treasures" und gräbt tief in den unerschöpflichen Archiven des Österreichischen Rundfunks, um tönende Schätze ans Tageslicht zu fördern, aus Zeiten, in welchen der ORF noch über ausreichend finanzielle Mittel verfügte, um derartige, geschichtsträchtige Kleinode selbst zu produzieren. Damit liegt es wieder einmal an Ö1 - und in diesem Fall auch an Andreas Felber - den gesetzlich festgelegten Bildungsauftrag des Öffentlich-rechtlichen Radios zu erfüllen.

"Ich habe damit bereits 2015 begonnen, kurz nach Antritt des Jobs als Jazzredaktionsleiter. Und mit Hilfe des Funkhaus-Archivars Gerald Kolbe bin ich bald fündig geworden", erzählt Felber. Zahlreiche Tonbänder aus den 1970er- und 1980er-Jahren wurden digitalisiert und archiviert und stehen damit auch immer wieder zur Sendung zur Verfügung - etwa in der Reihe "In Concert", jeweils Freitag von 14.05-15.30 Uhr.

Aus den 1960ern existieren leider nur mehr wenige Aufnahmen, zu viele davon wurde irgendwann gelöscht. Eine der frühesten Einspielungen, welche Felber ausfindig machten konnte, liegt nun als Vinyl in genannter "Ö1 Jazz Treasures"-Edition vor: das Dave Brubeck Trio, live aus dem Wiener Konzerthaus am 12. November 1967, zwei Konzerte an einem Abend. Eine ganz besondere Facette des Konzertes - außer jener, dass die Jazzlegende an diesem Tag zum ersten Mal in Wien gastierte - war, dass Brubeck im Trio mit Eugene Wright am Kontrabass und Schlagzeuger Joe Morello auftrat. Eigentlich war er nämlich - übrigens zum letzten Mal in Europa - mit seinem damaligen "classic quartet" auf Tournee. Ausgerechnet in Wien fehlte aber Altsaxophonist Paul Desmond. Der war nämlich bei der vorhergehenden Tourstation auf der Hamburger Reeperbahn "verschollen" und stieß erst am 13. November wieder zur Band, in Paris, zum Tourneeabschluss. Derart kam Wien zu einem speziellen Brubeck-Auftritt, unter Umständen ist es - mutmaßt Felber in seinen exzellenten Linernotes - überhaupt die einzige Live-Aufnahme in dieser Trio-Konstellation. Laut Darius Brubeck lieferte sein Vater die besten Konzerte, wenn er "verärgert" war. Das unentschuldigte Fehlen von Desmond muss ihn demnach besonders erzürnt haben, denn der in hervorragender, glasklarer Tonqualität vorliegende 44minütige Mitschnitt darf getrost als "genial" tituliert werden, mit einem (Standard)Repertoire von "St. Louis Blues" bis zu "Take The A-Train". Felber ziseliert in den erwähnten Linernotes gekonnt die einzelnen Tracks, etwa die Bass-Soli in "St. Louis Blues" oder Brubecks Pianospiel auf seiner Eigenkomposition "One Moment Worth Years", in welcher "der Pianist die Spannung vom relaxt swingenden Beginn zu dichter, wuchtiger Blockakkordik steigert, in der auch kühne dissonante Reibungen zu hören sind." Das Vinyl steckt - selbstverständlich - in einer gefütterten Innenhülle, die Linernotes liegen in Form eines Inserts im LP-Format auf Deutsch und Englisch bei, ebenso ein Download-Code.

Angesichts dieses fulminaten Reigen-Auftakts - in Hinkunft soll jährlich eine weitere Ausgabe hinzukommen - bleibt zu hoffen, dass Felber noch viel Zeit in den Funkhausarchiven verbringt! Dietmar Hoscher

VINYL-Tipp:

Dave Brubeck Trio "Live AT The Wiener Konzerthaus, 1967", ORF Edition "Ö1 Jazz Treasures"

WEB-Tipp: 

https://oe1.orf.at/editionoe1

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