Dawa: Heftiges Blätterrauschen

Der Wind hat sich gelegt. Die Aufregungen haben ein Ende. Das Blätterrauschen (griechisch: Psithurism) ist verstummt. Dawa verfehlte um Haaresbreite, beim European Song Contest für Österreich auf die Bühne zu gehen. Nix ist passiert, nix ist geschehen

Das anfängliche Blätterwispern in der hiesigen Indie-Szene ist schon seit 5 Jahren zu hören. Da wurde die Band nämlich gegründet. Dass es nach so kurzer Zeit ein derartiges Getöse um DAWA geben wird, i

st erfreulich, kam aber doch etwas plötzlich. Nicht ganz 2 Wochen vor dem 13. März, also dem Tag, als entschieden wurde, wer beim ESC ins Rennen gehen darf, traf CONCERTO Laura Pudelek, um sich eine Erfolgsgeschichte erzählen zu lassen. Erleichtert konnte man feststellen, dass der Contest gar nicht so markant im Fokus Lauras stand. Eher sah die Cellistin, die in der Zukunft auch vermehrt den Bass zupfen wird, es als eine honorige Begleiterscheinung, dass DAWA auserkoren wurde, in die Kandidatengruppe geladen zu werden. Da es also ganz knapp nicht geklappt hat, gilt eine Textzeile aus dem DAWA-Song "Take A Breath": ...all the stones/ that were in your way/ couldn`t hold you back/ not until today..." Die Karriere der Soul-Folk-Band wird ungebrochen weiter steil bergauf verlaufen. Dies meinte ja auch die ESC-Jury, deren Beschreibungsvokabular leider ja nicht weit über "geil, mega" und einen sprachlich pubertären Komparativ, "megageil", hinausreichte. Diese etwas seltsame Jury verhielt sich stets gefällig, wollte keinem der sechs Anwärter ein Härchen krümmen. Einzig Nazar ließ anfangs ehrliche und keine arschkriecherische Meinung hören. Später dürfte man ihm den Kopf gewaschen haben.

Der Mann mit der Melone

Bei DAWA steht der Mann mit der Melone ganz klar im Mittelpunkt. John Michael Dawa singt und schlägt den Rhythmus auf einer akustischen Gitarre. Seine Stimme ist wohl ziemlich das Großartigste, was man aktuell hören kann. John hat mega Soul in seinem Gesang und breitet vor dem Zuhörer emphatisch seine Welt aus. Laura erzählt: "John begann schon vor Jahren, Songs zu schreiben. Als er dann Babsi (Barbara Wiesinger, Gesang, Ukulele u.m.) kennenlernte, jammte er mit ihr im Wohnzimmer. 2010 beschloss das Duo, eine Band zu gründen, um seine Projekte umzusetzen. Ich weiß nicht, warum, aber John bildete sich immer ein, dass ein Cello zu seiner Musik passen würde. So wurde er zu mir vermittelt, tauchte ganz verschüchtert bei mir auf und stellte mir seine Lieder vor. Mich hat die mächtige Magie seiner Stimme umgehauen; und ich stieg bei DAWA ein." Laura ist eigentlich klassisch ausgebildete Musikerin, die jedoch immer Sehnsucht hatte, sich in anderen Musikgenres zu verwirklichen. So spielte sie länger bei der Sängerin Agnes Milewski, die ja in Insiderkreisen einen Namen hat. Das Quartett vervollständigte der Perkussionist Norbert Kröll, der nach der ersten CD, "This Should Work" (2013, Las Vegas Records, Vertrieb: Roughtrade), DAWA verließ und durch Oama Richson ersetzt wurde. Kröll war früher mit seiner eigenen Band, Giantree, beschäftigt. Vor der genannten CD publizierte DAWA eine EP mit 5 Songs, die schon auf Interesse stieß und die Fangemeinde in einem Schub wachsen ließ. "Nach der 1. CD hatten wir eigentlich schon ein gewaltiges Feedback", meint Laura Pudelek, "und auch live sind wir extrem positiv angenommen worden. Mit "Relief" hatten wir auch gleich unseren Hit. Wir sind eine basisdemokratische Band, in der jeder den anderen akzeptiert und keinem etwas aufgezwungen wird. Es ist aber doch so, dass das Gros der Songs John mitbringt. Er kommt mit einer Idee, "Fetzen", wie er es bezeichnet, in den Proberaum, und wir arrangieren im Team weiter."

Impulse durch Pulsinger

Die neue, also 2. CD, "Psithurisma", ist noch eine Spur zugänglicher, professioneller und erfolgsversprechender als das Vorgängeralbum. Man vertraute sich nämlich Patrick Pulsinger an, der ja (noch) eher als Remixer und Doyen der elektronischen Musik (mit Erdem Tunakan) Renommee besitzt. Doch der gebürtige Deutsche lud DAWA in sein Studio in der Steiermark ein und ließ der Band ihr Charisma und ihre Basisanliegen. Pulsinger bereicherte die Musik des Quartetts jedoch mit elektronischen Nuancen in einer Dosis, die die lyrische Tiefe und emotionellen Reflexionen der Soul-Folker akzentuiert und blumiger gestaltet. Natürlichkeit und Schnörkellosigkeit bleiben erhalten. Diesen Input benötigte wohl DAWA, um mit Elan durchzustarten, wie wir es aktuell erleben dürfen. Ernst Weiss

CD-TIPP:

"Psithurisma", Las Vegas Records, Vertrieb: Rough Trade

WEB-TIPP:

www.dawa-official.com

LIVE-TIPPS:

10.04.: Dornbirn, Spielboden

24.04.: Neusserling, Noppenair

25.04.: Vöcklabruck, OKH

15.05.: Zwettl, Syrnau

16.05.: Linz, "Linzfest"

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