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Der Blues des Goleadors

Hans Krankl über Monti Beton und den Blues

Wer, wie Thomas Schreiber und Toni Matosic, aka Monti Beton, seit 33 Jahren in der heimischen Musikszene unterwegs ist und noch immer alle Säle füllt, darf getrost mit dem Adjektiv "legendär" bedacht werden. Umso mehr, als seit nicht weniger als zehn Jahren eine weitere Legende immer wieder die Reihen der Gruppe verstärkt: Johann K., aka Hans Krankl. Etliche gemeinsame Live-Programme wie auch einige Tonträger - jüngstes Beispiel die von der Casinos Austria music line unterstützte CD "Austropop - Eine Wertschätzung" - sind dieser Partnerschaft entsprungen. 2002 entstand der Plan, Johann K. als "größten, lebenden Kinks-Fan" in die damals in Planung befindliche Kinks-Night von Monti Beton einzubinden. Im ersten Anlauf kam noch das Fußball-National-Team dazwischen, was zusammengehört, fand sich aber schließlich 2005 doch und wird am 31. Oktober dieses Jahres in der Halle D der Wiener Stadthalle unter dem Motto "Für immer jung" gebührend gefeiert werden.

Abgesehen von seinen eigenen musikalischen Aktivitäten, die ihn schon vor Monti Beton bis auf Platz 2 der heimischen Hitparaden führten, ist Krankl spätestens seit seiner Radiozeit als "Nachtfalke" der Öffentlichkeit als fundierter Musikkenner bekannt, nicht nur, aber vor allem auch, was die amerikanische Szene angeht. Jazz und Blues stehen dabei mit im Zentrum.

Wann fand deine erste musikalische Begegnung mit dem Blues statt?Unbewusst wahrscheinlich schon früh als Jugendlicher. Ich begann ungefähr als Zwölfjähriger mit dem Sammeln von Platten. "Blues" als Musikrichtung war bei mir da noch nicht präsent, sehr wohl aber Künstler wie Cream, Clapton oder The Yardbirds. Im Speziellen wurde mir der Blues dann gemeinsam mit dem Jazz bewusst, da war ich etwa neunzehn oder zwanzig Jahre alt. Damals gab es bei der Mariahilferstraße, in einer Sackgasse, ein großes Plattengeschäft, das auch auf derartige Stilrichtungen spezialisiert war. Dort arbeitete ein großer Sportklub-Anhänger, der mich als Rapidler aber trotzdem beriet. (lacht) Er brachte mich z.B. zu Miles Davis, John Coltrane oder auch Deodato. In der Bluesabteilung wiederum fanden sich Charlie Musselwhite oder Jimmy Witherspoon. Das interessierte mich, und ich begann, auch Bücher und Ilustrierte zu kaufen, um über diese Musik der Afroamerikaner mehr zu erfahren. So kam ich zu Robert Johnson aber auch zu Dizzy Gillespie.


Damals warst du schon mitten in deiner Fußballer-Karriere.

Ja, das war toll. Meine Mitspieler waren allerdings nicht so begeistert, wenn ich im Bus mit meinen Musikkassetten aufgetaucht bin. Da sprechen sie heute noch darüber. (lacht) Die Musik, die ich mochte, war eben kein Mainstream.

Auf welche Stilarten des Blues reflektierst du am meisten?

Das rhythmische Element ist mir sehr wichtig. Ich möchte aber die Antwort eher von den Künstlern her definieren. John Mayall etwa oder Charlie Musselwhite spielen da eine bedeutende Rolle. Ebenso Keb' Mo' oder B.B. King, wobei Letzterer zum Teil auch sehr mainstreamige Platten produziert hat, die aber auch ihre Berechtigung haben.

Verfolgst du auch neuere Künstler, wie etwa Joe Bonamassa?

Eher nicht. Obwohl ich ab und zu im Plattengeschäft auch Tonträger von Künstlern aussuche, deren Namen mir nicht geläufig sind. Da gibt es nach wie vor viel zu entdecken. So bin ich etwa auf "Sir" Oliver Mally's Blues Distillery gestoßen. Das hat mich regelrecht umgehauen. In Amerika wäre "Sir" Oliver Mally ein absoluter Topstar. Er ist ein weiterer Beweis der Qualität der heimischen Musikszene. Ebenso wie Hans Theessink, der immer wieder tolle Platten herausbringt.

Wieviel Blues ist in deiner eigenen Musik?

Da muss ich bei meinen Freunden von Monti Beton noch Überzeugungsarbeit leisten! (lacht) Nein, im Ernst, wenn du etwa unsere jüngste CD "Austropop - Eine Wertschätzung" zur Hand nimmst, findest du etwa Bob Dylans "Corinna, Corinna" darauf. In dieser Version ist das für mich "Blues", auch von der Stimmung her. Nachdem Dylan historisch aus dem Folk kommt also - wenn du so willst - ein "Folkblues".

Was dürfen wir nun am 31. Oktober in der Stadthalle bluesmäßig erwarten?

Diese Frage müssen wir untereinander noch klären! Das soll eine Überraschung werden und wird natürlich jetzt nicht bekannt gegeben. Ich werde aber darauf bestehen. (lacht)

Du hast Charlie Musselwhite erwähnt. Er hat mir oft, wie etwa auch Luther Allison, erklärt, dass Blues eine spezielle Philosophie, ein spezielles Gefühl beinhaltet, weit über bloße "Gebrauchsmusik" hinausgehend. Wie siehst du das?

Blues vermittelt ein absolut außergewöhnliches Feeling, das stimmt zweifelsfrei. Wobei ich den Blues nicht unbedingt immer mit Traurigkeit verbinden würde, eher mit Melancholie. Im Blues findet sich zudem ungeheuer viel Liebe. Transportiert auch über die Instrumente. Wenn jemand etwa die Slidegitarre beherrscht, wie Gottfried Gfrerer, dann bekomme ich Gänsehaut. Das Zwiegespräch zwischen Sänger und "weinender" Slidegitarre ist pure Emotion. Dietmar Hoscher

LIVE-TIPP:

· 31.10.: Monti Beton & Johann K. "Für immer jung", Stadthalle Wien, Halle D

CD-TIPP:

· Schreiber/Krankl/Matosic "Austropop", Vertrieb: Hoanzl

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