Concerto > Concerto-Ausgaben > Ausgabe 2/2015 > Lisa Prandstätter

Der Jazz-Song als Spielgemeinschaft: Lisa Prandstätters neue CD „Playground Convention“

Unter den heimischen Jung-Künstlern gibt es immer wieder große Überraschungen. Eine solche ist die Wiener Musikerin Lisa Prandstätter. Prandstätter sieht sich selbst in der Rolle einer 'Multiinstrumetalistin', was angesichts ihrer musikalischen Vielfältigkeit auch keineswegs untertrieben scheint

Sie hat als Querflöterin und Saxophonistin begonnen, ist dann ins Vokalfach gewechselt und hat zudem noch das Arrangieren gelernt. All ihre Fähigkeiten bringt sie auf ihrem Erstlingswerk höchst bravourös zur Geltung. Wichtig war ihr von Anfang an, dass die von ihr interpretierten Songs nicht in einem Einheitsbrei zu hören sind. Fragt man sie nach ihren musikalischen Vorbildern, zählt sie Carmen McRae, Abbey Lincoln und Kurt Elling auf. "Mir gefällt McRaes Stimmfarbe, die direkte nicht allzu liebliche Interpretation und natürlich ihre Improvisation", erklärt sie gegenüber dem Concerto-Magazin. Bei Lincoln begeistert sie die tiefe Stimme - die auch eines ihrer Merkmale ist - sowie ihre Liedauswahl. Bei Elling schwärmt sie über dessen unglaubliche Virtuosität und seinen Anspruch, wie ein Instrumentalist zu klingen. Dass sie ebenso wenige Hemmungen hat wie ihre ProtagonistInnen, Stilfremdes auf ihrem Album zu präsentieren, wird dann natürlich klar. Schließlich hat Carmen McRae auf einem ihrer Alben auch auf Paul Simons "Sound Of Silence" zurückgegriffen.

Ein selbstbewusstes Debütalbum

Man wünscht sich solche CDs, wo Künstler nicht nur ein Liedchen nach dem anderen herunterträllern, sondern so wunderbare Konzepte für ihre Alben kreieren, einfach öfters. Hin und wieder gibt es dann diese Sternstunden: Das hat Prandstätter auf ihrem neuen Album "Playground Convention" tatsächlich geschafft. Dabei setzt sie ihre musikalischen Begleiter in den Kontext eines Kinderspielplatzes: zuerst ist sie ganz alleine, schließlich kommen nach und nach Musiker hinzu, und am Ende zählt man acht Spielkollegen. Das hört sich dann so an: Auf dem ersten Cut "Madalena" agiert sie als Solo-Vokalistin, auf den beiden letzten Cuts - Nummer 8 und 9 - wird sie von einem Oktett begleitet. So gelingt es ihr, die Dramaturgie langsam aber sicher zu steigern.

Akustische Überraschungen hat Prandstätter auf ihrem Album natürlich gleich mehrere zu bieten. So ist Simons "Sound Of Silence" im 5/4 Takt arrangiert, das Trio-Stück "Ha Génte Aqui" in der Besetzung Piano-Schlagzeug-Stimme (mit Flöten-Intro) avanciert zu einer Tour-de-Force an Virtuosität. Das schafft sie überdies auch auf Baden-Powells-Komposition "Cai Dentro" - da geigt das ganze Oktett mit der sensationellen Perkussionistin Ingrid Oberkanins zur Hochform auf. Das gilt auch für die Arthur Schwartz Komposition, auf der - ungeachtet des Titelnamens "Alone Together" - das volle Ensemble zu hören ist. Alles in allem ein sehr gelungenes Werk höchster Qualität. Wolfgang Weitlaner

aktuelle CD:
Lisa Prandstätter "Playground Convention",ATS-Records

Web-Tipp:
www.lisaprandstaetter.com

Live-Tipp:
22. 07.: Wien, Theater am Spittelberg, 19.30 Uhr, www.theateramspittelberg.at

Kontakt

CONCERTO-Magazin,
P.O.Box 144, A-3830 Waidhofen/Thaya, Austria
e-mail: concerto@concerto.at 
Tel. (++43) 2842-54904
Fax (++43) 2742 222 333 93 92 

Bankadresse: Waldviertler Sparkasse Bank AG, Austria
IBAN: AT 44 20272 00900 000845
Swift/Bic-Code: SPZWAT21XXX
Empfänger: Concerto-Verein

Wo kann man das CONCERTO-Magazin kaufen?

Hier erfahren Sie es!