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blues talk FOLGE 106: Rockblues - Bluesrock

Blues had a baby …

„Ich musste mich von der Standard-Bluesband absetzen“ – George Thorogood. / Foto: Hoscher

Bluespuristen hatten stets ihr Problem mit George Thorogood. Daran wird auch sein CONCERTO-Interview nichts ändern. Und dies, obwohl der Amerikaner Musiker wie Elmore James oder Hound Dog Taylor - dessen Stage Hand er auch war - zu seinen Vorbildern zählt und selbst mit Legenden vom Schlage eines Robert Jr. Lockwood spielte. Letzterer gab Thorogood den Rat, es mit einer Band statt solo zu versuchen und legte Thorogood damit - bewusst oder unbewusst - den Pfad zu härteren Gefilden. Bereits mit seinem Debüt "George Thorogood And The Destroyers" im Jahre 1977 - kürzlich im ursprünglichen Rough Mix "George Thorogood And The Delaware Destroyers" wiederveröffentlicht - schaffte der Sänger und Gitarrist den Durchbruch und erreichte Gold-Status, ebenso wie in den folgenden Jahren mit "Move It On Over", "Bad To The Bone" oder "Born To Be Bad". Zahlreiche Tracks fanden in Filmen oder Filmtrailern wie zu "Christine", "Terminator 2" oder in TV-Serien wie "Eine schrecklich nette Familie" oder "Miami Vice" Verwendung und führten dazu, dass Thorogoods Songs manchmal höhere Bekanntheit erlangten als er selbst. 1981 wurde Thorogood zudem von den Rolling Stones als Support für ihre US-Tournee engagiert. Letztlich führte dies alles dazu, dass der mittlerweile 66jährige Baseball-Fan (New York Mets) auch nach 40 Jahren auf der Bühne zumindest live noch immer exzellent im Geschäft ist.

Steve Miller (li.) und Concerto Blues-Chef Dietmar Hoscher

Steve Miller wurde die Affinität zur Musik praktisch in die Wiege gelegt. Der Vater, ein Arzt, war ein riesiger Jazz-Aficionado, die Mutter eine eben diesem Genre verbundene Sängerin. Im Hause der Millers gingen Musiker ein und aus, und so wundert es wenig, dass der blutjunge Steve seine ersten Gitarrentipps von niemand Geringerem als Les Paul erhielt. Sowohl in der Schule als auch auf der Uni gründete Miller in weiterer Folge eigene Bands, denen unter anderem spätere Größen wie Boz Scaggs und Ben Sidran angehörten. 1967 rief der 24jährige Musiker schließlich die Steve Miller Band ins Leben, etablierte sich in der Szene San Franciscos mit einem zwingenden, psychedelischen Bluessound und trat beim legendären Monterey Pop Festival auf. Mit dem Album "The Joker" erfolgten 1973 Steve Millers Hinwendung zu (Blues)Rock und Pop und der kommerzielle Durchbruch. Die gleichnamige Single schoss sowohl in Großbritannien als auch in den Vereinigten Staaten auf Platz 1 und wurde seitdem von unzähligen Künstlern gecovert, darunter auch Dr. Kurt Ostbahn. Weitere Hits wie "Fly Like An Eagle", "Rock'n Me", "Jet Airliner" oder "Abracadabra" festigen den Superstarstatus, verdeckten aber die Tatsache, dass Miller durchaus auch Sozialkritisches zu Tonträger brachte. Nachdem der Amerikaner lange kein Studio mehr betreten hatte, veröffentlichte er 2010 das Bluesalbum "Bingo!", mit dem er sich sofort an die Spitze der Billboard Blues Album Charts katapultierte. Am 8. April dieses Jahres wird Steve Miller, der nach wie vor - in erster Linie in den Staaten - tourt, in die Rock & Roll Hall Of Fame aufgenommen werden.

Low Society /Foto: Hoscher

Low Society waren beim letztjährigen Lucerne Blues Festival ohne Zweifel einer der großen Gesprächspunkte. Von den einen als frisch und innovativ tituliert, passten sie den anderen überhaupt nicht ins Konzept. Bei Sängerin Mandy Lemons sowie Gitarrist und Produzent Sturgis Nikides, dem Kern der Truppe von Low Society, scheiden sich in der Tat die (Blues)Geister. Musikalisch wie von der Attitüde her. Zweifelsfrei finden sich Anleihen an Texasblues und Deltablues bei Low Society, vermengt mit gutem, altem Rock’n’Roll und etwas Soul. „Vintage Rock’n’Roll“, wie es Lemons und Nikides bezeichnen. Doch dies greift in Summe immer noch zu kurz. Denn die in Exaltiertheit mündende Energie trägt – zumindest – live auch punkige Züge in sich. Eine Musikform, mit welcher beide Protagonisten aufgewachsen sind, Nikides – der auch für John Cale in die Saiten griff – gar mitten im Punkrock-Movement New Yorks der Siebziger. Der eigenwillige Ansatz der Band wird indessen auch von Kritikern und Publikum in Blueshochburgen wie Memphis oder Clarksdale interessiert aufgenommen. So traten Low Society etwa beim Juke Joint Festival in Clarksdale nicht weniger als vier Jahre hintereinander auf, und auch eine zweimalige Teilnahme bei der International Blues Challenge der Blues Foundation in Memphis steht bereits zu Buche. Für weiteren Gesprächsstoff dürfte somit gesorgt sein.

Bericht, Fotos: Dietmar Hoscher

Die gesamten Interviews aller Blues-Künstler finden Sie in der Ausgabe 2-16. Zu beziehen über Abo-Bestellung oder digital, www.kiosk.at/concerto

CD-TIPPS:

  • George Thorogood And The Delaware Destroyers", Rounder/Universal
  • Low Society „You Can’t Keep A Good Woman Down“, Icehouse Records
  • Steve Miller "Bingo", Roadrunner

WEB-TIPPS:

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