Concerto > Concerto-Ausgaben > Ausgabe 2/2016 > Jazz Big Band Graz

Edler Klangkörper

Die Jazz Big Band Graz erzählt „True Stories“

Ich denke, bei uns passiert etwas ganz Besonderes, das die Grenzen von Jazz, Pop, Minimal Music und einigem mehr überschreitet. Nicht schlecht für ein Big-Band-Konzept, oder?“ meint Trompeter und Komponist Horst-Michael Schaffer (HMS), der gemeinsam mit dem Saxofonisten Heinrich von Kalnein (HvK) die Jazz Big Band Graz leitet.

Die beiden Zampanos der Jazz Big Band Graz: Horst Michael Schaffer + Heinrich von Kalnein /FotoCredit: Wesely

„In gewisser Weise ist ‚True Stories’ der Abschluss einer musikalischen Trilogie, die mit ‚Electric Poetry’ und ‚Urban Folktales’ begonnen hat und in der wir die Rolle einer Big Band eindeutig neu definieren. Ich bin gespannt, wo es als nächstes hingeht!“ – so HvK zur Produktion.

Auf ihrem achten Tonträger beweisen die 18 Musiker aus 7 Ländern einmal mehr ihre internationale Vorrangstellung. Trotzig und eigenständig behaupten sie sich seit 1998 als lebender Anachronismus: Eine Big Band in Zeiten, da überall gespart wird und es immer weniger Veranstalter gibt, die sich „so etwas antun“ wollen. Dabei gäbe es zahlreiche Gründe, die JBBG mit ihrem neuen Programm auf die Bühnen zu holen.

Neues Line-Up, spezieller Gast

Auf „True Stories“ wartet die JBBG nicht nur mit neuem Line-Up auf (u.a. sind die Holzbläser Patrick Dunst und Sebastian Gille sowie der Bassist Manu Mayr neu dabei); HMS gibt in ausladenden und suitenartigen Kompositionen seiner Verehrung für Gustav Mahler, Igor Stravinsky, Ennio Morricone oder Philip Glass Ausdruck, wobei er dem runderneuerten Klangkörper opulente, edle Klänge zu entlocken weiß. Uli Rennert mit seinen wichtigen, nie aufdringlichen Keyboardsounds, aber auch Christoph Pepe Auer, Martin Harms, Bernhard Nolf, Axel Mayer, David Jarh oder Gregor Hilbe sind als bewährte Klangpiloten mit an Bord. HvK: „Jede Story, jedes Stück stimmt für sich, und in einem vielleicht postmodernen Sinn gehen wir sehr spielerisch und frei mit den unterschiedlichen Gestaltungselementen um.“

Mit technischem und logistischem Großaufwand wurde im Juli 2015 im slowenischen Novo Mesto aufgenommen. HMS, dieses Mal allein für alle Kompositionen verantwortlich, ist nicht nur als Trompetensolist, sondern auch als Sänger zu hören - etwa in der Shakespeare-Vertonung "Shall I Compare Thee To A Summer's Day", die wie ein Popsong beginnt und plötzlich mit einem fulminanten Sopransax-Solo von HvK in Richtung Jazz abbiegt. HMS: "Wir hatten vorher schon intensive Satzproben. Das Stück 'Vertigo' hat eine sehr herausfordernde Rhythmik; im Grund sind es Sechzehntelnoten, die über zwei 4/4-Takte als 5/5/3/5/5/4/5 gruppiert sind. Ich ließ die Band diesen Groove monatelang klatschen und üben, bis er ganz selbstverständlich wurde."

Als spezieller Gast tritt der deutsche Trompeter Sebastian Studnitzky auf; er spielt in "Delayed" ein gefühlvolles Solo über einem aufwühlenden Rhythmusteppich. In Weiterentwicklung der typischen JBBG-Ästhetik kommen auf der neuen CD Human Electronics zum Einsatz - perkussive Sounds an den Bläsermundstücken, die live verarbeitet und in die subtilen Klangtexturen eingewebt werden. Da waren sogar die Kollegen voll des Lobes: Grammy-Gewinnerin Maria Schneider und der britische Big-Band-Zauberer Colin Towns kamen beide während der Aufnahmen vorbei. Towns meinte: "Das ist Musik für Kopf, Herz und Füße, die das Großensemble im 21. Jahrhundert neu definiert."

Martin Schuster

CD-Tipp:

Jazz Big Band Graz "True Stories", Natango Music, Vertrieb: Galileo-MC

Web-Tipp:

www.jazzbigbandgraz.com

Live-Tipps:

  1. 15.04.2016: Altes Kino, St. Florian

  2. 16.04.2016: DOMimBERG, Graz

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