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Vom Zausgewand zum Leinenanzug

Die ersten dreißig Jahre der Blue Monday Blues Band

Blue Monday Blues Band. / FotoCredit: Bayer

Angehörs abgedroschener Kalauer wie „Was Gott durch einen Berg getrennt hat, soll der Mensch nicht durch einen Tunnel verbinden“ kann man wohl schon dem Blues anheim fallen. Ob dies bei den Mannen der Blue Monday Blues Band zutrifft, entzieht sich unserer Kenntnis. Und auch ihr selbst gewähltes Motto „West-coast-jump-blues at its best!“ lässt einiges an Ratlosigkeit zurück, zumal es nicht unbedingt eine monokulturelle Stilistik der Band aus dem Ländle charakterisiert. Da ist es schon erfreulich, wenn die fünf Herren – früher in „hippieskes Zausgewand“, heute in „Vaters sauberen Leinenanzug“ gekleidet – höchstpersönlich mit einer Erklärung zur Hand gehen. „West-coast“ ist nämlich offenbar geographisch zu verstehen. Angespielt wird hier auf die „massiven Bergküsten“ ihres Bundeslandes, welches „gegen Westen“ den Bundesstaat beschließt, und es wird zudem die Erinnerung aufgefrischt, dass „die Zeit … im österreichischen Westen eben ihre eigenen Runden“ dreht. Damit wird die Angelegenheit schon klarer.

1987 war es, dass im Land der „prüden Vorarlberger“ (Eigendefinition) beschlossen wurde, dem Zwölftakter nicht nur zu frönen, sondern ihn auch über die Landesgrenzen zu tragen, was immerhin bis nach Moskau führte. Mit handwerklichem Können und hörbarer Freude am Spiel eroberten die Blauen Montage – die ihren Gruppennamen von den „Blue Monday Parties“ der Depressionsjahre des vergangenen Jahrhunderts ableiten (wiewohl diese Hausparties nicht nur – oder sogar weniger – an Montagen stattfanden) - verschiedenste Spielarten des Zwölftakters, von Chicago über das Delta bis zu Shuffle und Swing. Am 25. Oktober 1987 ging es in Uwes Bierbar in Bregenz zum ersten Mal auf die Bühne, und dreißig Jahre später stehen sie noch immer auf den Brettern, die auch in Vorarlberg die Welt bedeuten. Dies noch dazu mit gehörigem Augenzwinkern, etwa wenn sie anführen, sie würden eine Form des Blues zum Besten geben, der seine Ursprünge zwar kenne, gleichzeitig „aber nie die lustige Verwirrtheit der Heimat vergisst“. Konzerte in Finnland, Schweden, Italien, Österreich, Schweiz, Deutschland, Liechtenstein oder Frankreich lassen in diesem Sinne einiges an Erlebnissen reminiszieren, wobei es unter anderem schon passieren konnte, dass auf dem Weg zu einem Gig in Salzburg das Hinterrad des Bandbusses selbigen (arl)bergab überholte. Im erwähnten Russland spielte man der Einfachheit halber gleich eine Live-CD ein und analysierte vor Ort „wie viel Vodka man nicht verträgt“. Zum 20zigsten Jahrestag wiederum wurde „The Story of Blues“ zelebriert, im Alten Kino Rankweil, moderiert von niemand Geringerem als George Nussbaumer. Da darf man auf die 30-Jahr-Feierlichkeiten gespannt sein!

„St. Skip Thomas“ Keckeis an der Slide, der Harp und den Vocals, „Little Big Joe“ Blocher an den Saiten, Michael „Flatfoot Womi“ Wocher an den Tasten, Hannes „Snow“ Schneeberger am Bass und Tibor „T.B. Sunmountain“ Naphegyi jun. an den Drums lautet die gegenwärtige Besetzung, die den Weg der Blue Monday Blues Band entschlossen ins vierte Jahrzehnt treibt. Dass dieses Vorhaben gelingen wird, kann außer Streit gestellt werden. Denn Hartnäckigkeit ist auch ein Merkmal an der „Westküste“. Dietmar Hoscher

 


CD-TIPP:

Blue Monday Blues Band "Live In Moscow", Eigenverlag

LIVE-TIPP:

19. 05: Blue Monday Blues Band, Rankweil, Altes Kino

WEB-TIPP:

www.bluesband.at

 

 

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