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blues talk FOLGE 112 - Legendentreffen Vol. 7

 

Drei Musiker, deren Spuren im Blues unauslöschlich bleiben

„Blues sind wie Sonette von Shakespeare“ – Dave Alvin“ – DAVE ALVIN / Foto: Hoscher

Als Dave Alvin mit seinem Bruder Phil 1978 im kalifornischen Downey The Blasters ins Leben rief, war der Punk in seiner Hochblüte angelangt. Da konnte eine Truppe, die ihren Sound selbst als „American Music“ bezeichnete, nur auffallen. In der Tat mischten The Blasters garagenartigen Rock’n’Roll, Rockabilly und R’n’B mit etwas Country und Blues und schafften es mit dieser hochenergetischen Melange sowohl in den Staaten als auch in Europa zum Kultstatus. 1985 kam man damit sogar zu Rockpalastehren. Doch wie so oft in der Rockgeschichte vertrugen sich die Brüder in der Band nicht wirklich, und Dave stieg ein Jahr später aus. Das darauf folgende erste Soloalbum fand nur wenig Anklang, und der Gitarrist und Sänger verlor seinen Plattenvertrag. Das Geld für seine zweite Platte unter eigenem Namen brachte Dave Alvin aus den Tantiemen des Songs „Long White Cadillac“ auf, den Dwight Yoakam zum Hit machte. „Blue Blvd“ reüssierte bei Kritikern wie Publikum und ermöglichte Dave Alvin die weitere Karriere, die ihm schließlich 2000 für seine Kollektion traditioneller Folk-und Bluessongs, „Public Domain: Songs From The Wild Land“, einen Grammy in der Kategorie „Best Contemporary Folk Album“ einbrachte. Ein schwerer medizinischer Vorfall seines Bruders, der mit einem Luftröhrenschnitt reanimiert werden musste und bis heute seine Gesundheit nicht vollständig zurück erlangte, überzeugte Dave Alvin letztlich, mit Phil doch wieder Tonträger einzuspielen und live aufzutreten. Derart entstanden 2014 „Common Ground“, dem Werk von Big Bill Broonzy gewidmet, sowie 2015 „Lost Songs“, unter anderem mit Covers von Big Joe Turner.

 


„Der Blues ist gut zu mir“ – LAZY LESTER / Foto: Hoscher

 

Auf einige Hits, die von unterschiedlichsten Künstlern wie The Kinks, Dwight Yoakam, Anson Funderburgh oder The Fabulous Thunderbirds gecovert wurden, kann der Multiinstrumentalist Lazy Lester verweisen. Geboren 1933 als Leslie Johnson in Torras, Louisiana, an der Grenze zu Mississippi, begann der junge Mann zunächst auf der Harmonika den Blues zu spielen. Eine schicksalhafte Begegnung mit Lightnin’ Slim führte ihn zu Excello Records und ins Profigeschäft. Songs wie „I’m A Lover Not A Fighter“, „Sugar Coated Love“ oder „I Hear You Knockin’“ werden ihm zugeschrieben. Lange Jahre war er für Excello sowohl unter eigenem Namen als auch im Studio für andere Musiker tätig. Die Tantiemen flossen allerdings laut eigener Aussage nicht gar so üppig, und Mitte der Sechziger war Lazy Lester des Musikbusiness so überdrüssig, dass er gänzlich ausstieg. Unter anderem verdingte er sich als Arbeiter im Straßenbau. Erst in den 1980ern begann er wieder konsequent, seine künstlerische Karriere zu verfolgen. Das 1987 erschienene Album „Lazy Lester Rides Again“ brachte ihm auch prompt einen W.C. Handy Award als „Best Contemporary Blues Album“ ein. 1998 wurde er in die Louisiana Blues Hall Of Fame aufgenommen, 2004 engagierte Martin Scorcese Lazy Lester für das „Year Of The Blues Concert“ in New Yorks Radio City Music Hall. Heute lebt Lazy Lester mit seiner Lebensgefährtin, Pike, im kalifornischen Paradise und bereist von dort, nach wie vor mit großer Energie, die Bluesbühnen dieser Welt.

„Es gibt keinen Zweiten wie Muddy Waters“ – MAC ARNOLD / Foto: Hoscher

Mit zwölf Geschwistern aufzuwachsen, noch dazu auf einer Sharecropper-Farm, mag man sich nicht besonders einfach vorstellen. Es spricht umso mehr für Mac Arnold, dass er diese Zeit im CONCERTO-Interview als „ganz OK, uns ging es recht gut“ empfindet. 1942 kam er in Ware Place, South Carolina, zur Welt, und es war eigentlich sein Bruder Leroy, der ihn zur Musik brachte. Denn Leroy fabrizierte aus einem Blechkanister eine Gitarre, die den jungen Mac faszinierte. Also wandte er sich zunächst diesem Instrument zu, etwas später dem Bass. Bereits in seiner High School Band, J. Floyd & The Shamrocks, traf Mac Arnold dann auf niemand Geringeren als James Brown, der die Tasten bediente. Wie viele vor ihm, folgte der Musiker aber letztlich dem Ruf der Windy City, und dortselbst nahm ihn zunächst A.C. Reed unter die Fittiche. Wenig später fand sich der Bassist allerdings bereits in der Band von Muddy Waters und gründete danach seine eigene Gruppe, The Soul Invaders. Mit Otis Redding wiederum spielte Mac Arnold am Abend vor dessen Tod, mit Otis Spann und John Lee Hooker nahm er Platten auf. Anfang der 1970er zog es den Künstler nach L.A. – auch des Wetters wegen –, wo er unter anderem für ABC Television tätig war. Schließlich zog Mac Arnold – wie Lazy Lester - sich aus dem Musikgeschäft zurück und wurde Farmer, spezialisiert auf Bio-Gemüse. Mitte der 2000er-Jahre wagte er aber mit seiner Band Plate Full O’ Blues ein Comeback, welches ihm seitdem einige Tonträger und ausgedehnte Tourneen bescherte. Eine der letzten Legenden der Muddy-Waters-Ära ist zurück.

 


CD/VINYL-TIPPS:

  • Dave Alvin & Phil Alvin „Lost Time“, Yep Roc Records

  • Lazy Lester „One More Once“, Nuba Records

  • Mac Arnold & Plate Full O´ Blues „Give It Away“, www.macarnold.com

WEB-TIPPS:

 



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