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Viviane De Farias: Ginga in Germany

Das Wort Ginga hat im brasilianischen Portugiesisch mehrere Bedeutungen: cooler Swing, der hüftenschwingende Gang einer feschen Frau oder das Lebensgefühl der Bewohner von Rio de Janeiro. Auf die Sängerin Viviane De Farias treffen alle Optionen haargenau zu.

Viviane de Farias / FotoCredit: Chris Farias

Die bildhübsche Künstlerin ist eine echte Carioca, eine in Rio Geborene, obwohl derzeit ihr Lebensmittelpunkt in Deutschland liegt. Hört man die Texte ihrer neuen CD, „Vivi“, dreht sich alles um ihre Heimatstadt, um deren Gerüche, Gefühle, Hitze und Schönheiten. De Farias verfällt nie in ein unreflektiertes Schönfärben, sondern erzählt auch von Favelas, Gewalt und alltäglichem Chaos. In Ipanema geboren, wuchs Viviane in Rio de Janeiro und Los Angeles auf. Sie studierte klassischen Gesang und debütierte mit 20 an der Staatsoper Rios. Nach einer beachtlichen Karriere an der Oper wandte sich De Farias mehr dem Jazz zu. In unserem Sinne eine gute Entscheidung, denn mittlerweile brachte sie mit „Vivi“ ihre dritte CD bei „In&Out“ heraus. Schon „Moment Of Passion“ und „Balakumbala“ erregten nicht nur bei Fans der brasilianischen Musik Aufsehen und registrierten positive Kritiken.

Der brasilianische Klangkosmos

Mit der aktuellen CD liefert Vivi ein Meisterwerk an Spielfreude und ein Paradebeispiel des brasilianischen Klangkosmos ab. Apropos „Vivi“: Vivi ist nicht nur der putzige Kurzname für Viviane, sondern bedeutet auch „Ich habe gelebt“. In diesem Sinne könnte man die 11 Songs des Albums genießen. De Farias singt von ihrem Lebensgefühl, ihrer Kindheit, ihren Sehnsüchten, Visionen und Träumen; alles pendelt zwischen den Emotionen Ausgelassenheit und Traurigkeit. Die Lyrics stammen alle aus Vivis Hand, die Kompositionen kommen vom Gitarristen Paulo Morello (DE), einem genialen Musiker mit brasilianischer Seele, und dem Dänen Kim Barth (as, fl), der wie Morello leidenschaftlicher Verehrer brasilianischer Musik ist. Mit Tizian Jost sitzt ein zweiter Deutscher am Piano, und 2 Brasilianer übernehmen den Rhythmus: Dudu Penz (b) und Mauro Martins (dr, perc). Als Gast ist ein wahrer Superstar der brasilianischen Musik dabei: Raul De Souza. Der grandiose Posaunist aus Rio ist bei „Luminosa“ und „Quero Cantar“ zu hören und schraubt die Qualität der Songs hoch. In „Luminosa“ singt Vivi von der Geburt ihrer Tochter, „Quero Cantar“ ist einfach brillanter, packender Samba-Jazz, in dem sich vor allem Raul, Kim und Paulo mit feurigen Solo wegfegen.

Samba und Bossa

Es gibt keine Schwachstelle auf der CD. „Meu Balanco“ ist funky Samba, dessen afro-brasilianische Beats Viviane schon als Kind von den Favelas herüber tönen hörte. In „La Valse“, einem Walzer, der zwischen Illusion und Melancholie oszilliert, glänzt Barth mit perfektem Flötenspiel. Der Säulenheilige Deodato schrieb „Baiaozinho“, einen Bossa Nova, der unglaublich schnelle Passagen hat. Schlussendlich ein letzter Anspieltipp der wunderbaren CD: „Domingo“ schrieb der Gitarrist Kosta Lukacs, der, 1993 in München verstorben, auch lange in Wien lebte und dessen Genie nie mit Respekt gewürdigt wurde. Wien ist vielleicht doch anders. Ein derartiges Schicksal sollte Viviane De Farias nie treffen. Ernst Weiss

CD-TIPP:

Viviane De Farias, "Vivi", In&Out Records, Vertrieb: in-akustik

LIVE-TIPPS:

alle in DE:
22.04.: Ettlingen, Birdland 59;
25.04.: Stuttgart, Kiste;
01.05.: Karlsruhe, El Tesoro Kultur;
16.05.: Karlsruhe, Jazzclub;
21.05.: Pfinztal, The Silent Path;
04. und 05.06.: Ludwigsburg, Bauer Studios

WEB-TIPP:

www.vivianedefarias.com

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