Im Zeichen der Bigband-Tradition

Mit "In The Tradition" legt das Ed Partyka Jazz Orchestra eine LP vor, die die Jazzgeschichte meisterhaft verquickt.

Ed Partyka Jazz Orchestra / FotoCredit: Lena Semmelrogg

Tradition sei die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche, suggeriert ein Aphorismus, der schon vielen Persönlichkeiten in den Mund gelegt wurde - auch Gustav Mahler. Vom Orchesterklang des Spätromantikers bis hin zum Orchesterklang Ed Partykas sind zwar einige Jahre ins Land gezogen, Berührungspunkte gibt es dennoch: Zu allererst tituliert Partyka seine Formation als Orchester und nimmt dadurch Anleihe an den großen Bigbands à la Count Basie oder Duke Ellington. Auch sind Partykas Arrangements und Kompositionen von einer vielschichtigen und zugleich klaren Struktur, die Instrumentierung ist fein gewählt und besticht durch Farbenreichtum. Und natürlich wäre da noch die Tradition, der sich Ed Partyka verpflichtet fühlt: "Um neue Wege in der Musik zu bestreiten, muss man Verständnis für die Tradition haben", meint er, "das gilt sowohl für die klassische Musik als auch für den Jazz." Auf der einen Seite Mozart und Beethoven, auf der anderen Gil Evans, Duke Ellington und Bob Brookmeyer. Partyka selbst durfte mit Brookmeyer 17 Jahre lang zusammenarbeiten; zuerst als Student, später als Mitglied seines "New Art Orchestras". Mittlerweile ist der in Chicago geborene Posaunist und Tubist Professor für Jazzkomposition und Arrangement am Jazzinstitut der Kunstuniversität Graz und leitet eben dieses. Seit 2007 leitet er außerdem sein Jazz Orchestra, das in Berlin beheimatet ist und dem mit "In The Tradition" ein wahrer Kunstgriff gelungen ist: Stücke von Joe Lovano oder Duke Ellington stehen Seite an Seite etwa mit dem "3 O´Clock Blues", den B.B. King populär machte.

Und wie es sich für ein traditionelles Werk gehört, wurde es auf Vinyl gepresst. "Es gab in den letzten Jahren eine Wiedergeburt der LP", so Partyka, "außerdem gefällt mir die Klangästhetik einer Platte - hört man sich alte Blues- oder Ellington-Platten an, so gibt der 'Schmutz', der durch das Abspielen entsteht, dem Klang die nötige Textur". "In The Tradition" ist somit wahrlich die "Weitergabe des Feuers", wie eingangs konstatiert. Ed Partyka bestätigt: "Der Funke ist in der Aufnahmesession von den fantastischen Solisten rund um Sängerin Julia Oschewsky auf die ganze Band übergesprungen". Und er springt auch auf den Hörer über, der durch die knapp 100-jährige Bigband-Geschichte katapultiert wird und so ein zeitgemäßes Werk in den Händen hält, das historischer kaum sein könnte. meissl

Viny-Tipp:

Ed Partyka Jazz Orchestra "IN THE TRADITION",NEUKLANG

P.S. für Liebhaber der alten Schule: Die sechs Stücke wurden auf qualitativ hochwertiges, audiophiles 180g-Vinyl gepresst. Dementsprechend hervorragend ist auch die Soundqualität. Das Cover ist als Gatefold gestaltet, in dessen Innenseite Informationen zur Musik sowie Schnappschüsse der Aufnahmesession zu sehen sind - gemäß der Tradition natürlich in Schwarz-Weiß.

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