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Heinrich von Kalnein: Die Ambivalenz zwischen der Gestaltungskraft

Der in Graz lebende gebürtige Deutsche Saxophonist Heinrich von Kalnein feiert Anfang Juli seinen 60. Geburtstag. Als Geburtstagsgeschenk kommt Anfang Mai eine Doppel-CD heraus, die sowohl von einem starken musikalischen Kontrastprogramm als auch von der Teilnahme von hervorragenden österreichischen Musikern geprägt ist.

Das Interview mit Heinrich von Kalnein (HvK) führte John Heitzmann (JH).

Heinrich von Kalnein / Foto: Helmut Jokesch

JH: Heinrich, zum 60er ein üppiges Geschenk: Was hat es mit der 2-CD "Möbius Strip" auf sich?

HvK: "Möbius Strip" vereint eigentlich zwei Produktionen, die beide sehr organisch über einen längeren Zeitraum wuchsen und von denen ich lange nicht wusste, dass sie eigentlich sehr gut zusammenpassen! Es begann mit Soloimprovisationen, die ich auf Initiative meines Freundes Joachim Kühn in seinem Studio auf Ibiza aufnahm. Joachim äußerte die absolut ungewöhnliche Idee, Soloaufnahmen von mir als Basis für weitere Aufnahmen von Bass und Drums zu verwenden. Normalerweise geht das ja eher anders herum, in dem Sinne, dass Soloinstrumente auf existierende Tracks von Rhythmusinstrumenten spielen. Aus ca. 2 Stunden Material destillierte ich dann knapp 40' heraus, brauchte allerdings dann eine ganze Weile, die für diese Musik passenden Mitmusiker zu finden. Meine Frau gab dann in einem inspirierten Augenblick die entscheidenden Hinweise. Der österreichische Drummer Lukas König wird, wie ich finde, nicht umsonst als Shooting Star der heimischen Szene gehandelt und nahm ebenso wie die wunderbare Bassistin Gina Schwarz meine Einladung ins Studio sofort und dankend an. An einem sonnigen Novembertag vergangenen Jahres spielten die beiden ihre Tracks dann auf meine Sololinien. Meist first takes mit einer tollen Energie und viel gemeinsamem Spaß. Darüber hinaus nahmen wir spontan gleich noch vier Tracks im Trio auf, die sich wunderbar zu den schon existierenden Aufnahmen fügten und bei denen ich erstmals auch das Baritonsax auspackte.

JH: Und dann gibt es eine zweite Produktion, die so ganz anders ist: "Saxotonics - Music for Saxophone Quartet". Was kannst du mir darüber erzählen?

HvK: Vor einigen Jahren hatte ich die schöne Gelegenheit, am Jazzinstitut der Grazer Kunstuni (KUG) im Rahmen meiner Lehrverpflichtung ein Saxofonquartett zu gründen, was vor allem zuerst einmal eine tolle Übung für unsere Studierenden ist. In dem Zusammenhang fing ich an, eigene Kompositionen dafür zu schreiben oder zu arrangieren, was schon einmal viel Spaß machte. Im letzten Jahr ergab sich dann eine Besetzung, die von Anfang an wirklich großartig klang und bei der ich auch das ausgesprochene Vergnügen hatte, als Ensemblemitglied aktiv dabei zu sein. Im Laufe des ersten Semesters wusste ich, dass wir gemeinsam aufnehmen werden und lud meinen langjährigen musikalischen Freund Keyboarder Uli Rennert ein, eine Komposition für uns zu schreiben. Uli ist für mich einer der ganz wenigen Keyboarder, die einen absolut eigenen Weltklassesound fern jeglicher Fusionklischees auf diesem Instrument entwickelt haben. Auch er nahm meine Einladung dankend an und lieferte 3 (Sätze) - 4 (für) - 5 (fünf Beteiligte), in dem u.a. übrigens auch John Coltranes Solo von seiner Aufnahme von "Countdown" versteckt ist.

JH: Stichwort "Trane". Auf beiden CDs höre ich seinen Einfluss. Immerhin spielt ihr ja mit "Blue Train" noch eine weitere seiner Kompositionen; aber auch die vieler anderer. War das geplant?

HvK: (lacht) In keinster Weise! Aber auch mir fielen beim Abhören viele meiner prägenden saxofonistischen Einflüsse auf. Mittlerweile finde ich, dass ich daraus ein ganz eigenes Amalgam gebraut habe, und es stört mich nicht mehr. Das ist alles organisch miteinander verbunden, so wie auch diese Produktion: die Möbiusschleife ist ja insofern ein interessantes Phänomen, als dass sich, wenn man sie der Länge nach teilt, zwei in sich verbundene Schleifen ergeben. Für mich spiegelt das zum einen sehr schön die Ambivalenz zwischen der Gestaltungskraft der Improvisation (SIDE A "Into The Now!) wie auch der Welt der Komposition (SIDE B "Saxotonics"). Zum anderen vereint diese Produktion auch zwei Tätigkeitsfelder, mit denen ich seit über 30 Jahren vertraut bin, nämlich dem musikalischen wie auch dem pädagogischen Feld. Zwei Welten, die mich im Übrigen nach wie vor inspirieren und vorantreiben!

JH: Kann man dich denn dann auch live mit einem dieser beiden Projekte hören?

HvK: Ich hoffe sehr. Für den Herbst und Winter sind schon einige Sachen in Planung. Darüber hinaus werden meine Saxofonquartette vom Wiener Doblingerverlag verlegt, was mich ebenso sehr freut und meine Musik einer noch größeren Saxofon Fanbase bekannt macht.

Aktuelle CD:

Heinrich von Kalnein "Möbius Strip" (DoCD)

CD 1: Side A "Into The Now! - Improvisations" / CD 2: Side B "Saxotonics - Music for Saxophone Quartet", Natango Music, Vertrieb: Galileo

Web-Tipp:
www.natangomusic.com 

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