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Purple Is The Color - ihr neues Album "Epic"

Vier junge Jazzepiker machen gemeinsame Sache. Was dabei rauskommt?

Purple Is The Color / Foto: Buxhofer

Der Titel des zweiten Albums des Tschechisch-Österreichischen Kollektivs Purple Is The Color kündigt schon sehr unmissverständlich das Ausmaß an, in welchem sich die Gruppe auf dem neuen Werk musikalisch bewegt.

Von kleinen Gesten hält das Quartett wenig. Stattdessen wird auf große Refrains und fetzige Beats gesetzt. Das bedeutet allerdings nicht, dass nicht auch in diesem Rahmen differenziert musiziert werden kann. Kleine rhythmische Verschiebungen am Schlagzeug wie pointilistische Klangmalerei an Klavier und Sax mischen der abwechslungsreichen Musik auf "Epic" eine elegante Note bei, in der die jazzige Sensibilität der Musiker zum Tragen kommt. Der Pianist Simon Raab lernte seine Mitstreiter (Štepán Flagar (s), Martin Kocián (b), Michal Wierzgoń (dr)) 2015 auf einer Jamsession in Linz kennen, wo die Musiker allesamt ihr Studium absolvierten. Dass die Vier eine besondere Chemie teilen, war ihnen schnell bewusst, sodass sie unmittelbar im Anschluss die Band gründeten und 2017 auch schon ihr erstes Album "Unmasked" (Freifeld Tontraeger) enthüllten.

Die melodisch geradlinige und durchdachte Tendenz des Debüts wird auf dem neuen Album aufgegriffen und fortgesponnen. Noch glatter klingt die Produktion und mit noch mehr Stringenz sind die kompakten Songs kompositorisch durchgetaktet und eingespielt. Ganz im Sinne des modernen Jazzklimas finden sich aktuelle Strömungen aus der populären Musik dezent in das Zusammenspiel der vier Instrumentalisten ein. Mal äußert sich das im RnB-lastigen Schlagzeugspiel wie auf "The Last One", mal im dynamischen Aufbau und harmonischen Minimalismus wie in "Techno Epic" - dessen Titel jeden Zweifel bezüglich des Einflusses ausräumt. Inmitten der poppigen Strukturen finden sich einstweilen aber auch jazzigere Ausarbeitungen ein, in welchen sich die Instrumentalisten von ihrer virtuosesten Seite profilieren können. "Loophole"s rhythmisch dekonstruierter Mittelteil gibt dem Tenorsaxophon viel Platz für Entfaltung, bevor die schwarzen und weißen Tasten sich breit machen dürfen und, mit Einschub einer kurzen unisono Sequenz, das Stück zum Ende führen. Auch die englische Hauptstadt "London" sieht das Viergespann in traditionellerem akustischem Jazzgewand auftreten und sorgt zwischen den modernen Experimenten für klangliche Abwechslung und bewegte kompositorische Dichte.

Mit dem Wechsel zum Wiener Kultlabel Session Work Records unterstreichen Purple Is The Color, welche Ambitionen hinter "Epic" stecken und können sich heute zweifelsohne zu den führenden jungen Jazzensembles in Österreich zählen. Friedrich Kunzmann

CD-Tipp:

Purple Is The Color „Epic“, Session Work Records

Live-Tipp:

02.06.: Radiokulturhaus, Wien

Web-Tipp
www.purpleisthecolor.com 

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