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Chick Corea (1941-2021)

Quirlig, virtuos, neugierig - mit diesen drei Attributen könnte man Armando Anthony "Chick" Corea in Kurzform beschreiben. Nachdem er mehr als ein halbes Jahrhundert den Jazz mitgeprägt hat, ist der Pianist, Keyboarder, Komponist und Bandleader am 9. Februar an Krebs gestorben.

Chick Corea live im Oktober 2008, Wien, Stadthalle / FotoCredit: Herbert Höpfl

Seine ersten musikalischen Sporen verdiente sich der in Massachusetts geborene und auch klassisch ausgebildete Corea in den Bands von Cab Calloway und Mongo Santamaria. 1966 erschien sein erstes Album „Tones For Joan’s Bones“, 1968 „Now He Sings, Now He Sobs“ mit Miroslav Vitouš und Roy Haynes. Im selben Jahr wurde er der Nachfolger Herbie Hancocks in der Miles Davis Band, wo er auf den Alben „In A Silent Way“ (1969) und „Bitches Brew“ (1970) erstmals E-Piano spielte. 1971 produzierte Corea im Quartett Circle mit Anthony Braxton akustischen Jazz mit freien Elementen, gründete aber auch seine langlebige Formation Return To Forever, in der er mit Joe Farrell, Stanley Clarke, Flora Purim und Airto Moreira wie viele junge Musiker der frühen Siebziger die Wende zum Fusion Jazz vollzog. Return To Forever wurde in den nächsten Jahren in der Besetzung Corea, Clarke, Lenny White (dr) sowie Bill Connors bzw. Al Di Meola (g) immer „elektrischer“ und zu einer der erfolgreichsten Fusion-Bands.

„My Spanish Heart“ hieß eine Platte Chick Coreas aus dem Jahr 1976, auf der er, wie schon vorher in seiner berühmtesten Komposition „Spain“, seine Affinität zum Latin Jazz thematisierte. Eine andere Konstante in Coreas Schaffen war das Pendeln zwischen akustischen und elektrischen Settings, so z. B. in den 1980ern, als er gleichzeitig eine Akoustic Band und eine Elektric Band mit derselben Rhythmusgruppe (John Patitucci und Dave Weckl) unterhielt. Es gibt außerdem zahlreiche Solo- und Duo-Einspielungen, etwa mit dem Banjo-Spieler Béla Fleck, dem Vokalisten Bobby McFerrin, dem Vibrafonisten Gary Burton oder mit Pianistenkollegen wie Friedrich Gulda, Nicolas Economou, Stefano Bollani und Herbie Hancock.

Corea liebte Piano-Trios und arbeitete im Lauf der Jahre mit wechselnden Bassisten (Eddie Gomez, Gary Peacock, Hadrien Féraud, Dave Holland, Avishai Cohen) und Drummern (Jeff Ballard, Paul Motian, Jack DeJohnette, Steve Gadd). Er unternahm „Ausflüge“ in die klassische Kammer- und Orchestermusik, etwa mit seinen wunderbaren Miniaturen für Solopiano „Children’s Songs“ (1984), mit seinem „Septet“ oder mit Klavierkonzerten. Immer war ihm die Kommunikation mit Kollegen und Publikum extrem wichtig, oft betonte er sein Credo, dass Musik – welcher Art auch immer – vor allem Spaß machen sollte. Coreas Kompositionsstil war von Kontrasten, starker Rhythmik und ausladenden Melodiebögen geprägt, er liebte Modulationen und virtuose Verzierungen.

Schon in den 1970ern wurde er Mitglied der quasi-religiösen Bewegung Scientology und begann seine Alben deren Gründer L. Ron Hubbard zu widmen. Coreas Scientology-Verbindung wurde in Europa stets weit intensiver diskutiert als in den USA; sie hatte auch kaum Auswirkungen auf sein musikalisches Schaffen, wenn man von Alben wie „To The Stars“ (2004) oder „The Ultimate Adventure“ (2006) absieht.

In Chick Coreas letztem Trio spielte Christian McBride Bass und Brian Blade Schlagzeug. Auf den beiden Alben „Trilogy“ (2014) und „Trilogy 2“ (2019) finden sich Standards neben Corea-Klassikern wie „500 Miles High“, „La Fiesta“ oder „Armando’s Rhumba“. Mit diesem Trio war der Pianist auch Anfang 2020 in Europa unterwegs; ein März-Konzert im Wiener Konzerthaus wurde zunächst auf November verschoben und fiel dann dem zweiten Lockdown zum Opfer; so blieb Coreas Solokonzert im Mozartsaal am 18. November 2018 sein letzter Auftritt in Österreich. Kurz vor seinem Tod veröffentlichte er noch folgende Botschaft: „My mission has always been to bring the joy of creating anywhere I could, and to have done so with all the artists that I admire so dearly this has been the richness of my life.“ Martin Schuster

Chick Corea

live in Concert,

Oktober 2008,

Wien, Stadthalle

Foto: Herbert Höpfl

 

WEB-TIPPchickcorea.com

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