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Adrian Frey Trio: Hongkong-Poesie und Zeitreisen

Der Schweizer Jazz-Pianist Adrian Frey fällt in die Kategorie „außergewöhnliche Musiker“. Seine Bemühungen um Horizont-Erweiterung und sein Kämpfen um absolut musikalische Individualität bescheren dem Zuhörer unbegrenzte Abenteuer.

Der 57 jährige Aarauer versuchte von seinem Karrierebeginn an, ganz eigene, persönliche Wege zu erforschen und sie in seinen Kompositionen zu dokumentieren. Nach dem Studium in Zürich wechselte Frey in das „New England Conservatory“ nach Boston, um sich bei namhaften Lehrern zu perfektionieren. Sein Interesse an neuen Eindrücken führte ihn auch länger nach Havanna, um ebendort Klavier und Perkussion nach karibischer Weise kennenzulernen. Nach einer China-Tour mit der Sängerin Peggy Chew scheint ihm auch dort Musik, Literatur und Philosophie zu Inspirationen verholfen zu haben. Die aktuelle CD ist symptomatisch für Adrian Frey. Er meditiert z.B. jazzig nach Gedichten des Hongkonger Poeten Leung Ping-Kwan oder improvisiert nach Liedern aus dem 13. oder 16. Jahrhundert. Wie schon bei seiner Debüt-CD im Jahre 1995 spielt in Adrian Freys Trio auf „Microcosmos“ der Schlagzeuger Tony Renold. Am Bass hören wir den genialen Patrick Sommer, der sich auch immer wieder mit bemerkenswerten Soli in den Vordergrund zupft.

In der Vielfalt liegt der Reiz

Die Eröffnungsnummer der CD, „Go There America“, ist ein Blues mit minimalen musikalischen Ausflügen und soll daran erinnern, wo der Jazz geboren wurde. Schon bei „Mikrokosmos“, dem Titelsong“, wird es jedoch „anders“. Mit schnalzendem Bass und hektischen Drums zerhackt Frey auf dem Piano eine Bela Bartok Komposition, die jener an ein bulgarisches Volkslied anlehnte. „Goes On, Goes On“ ist langsam, zögernd und erinnert an Ballett. Caetano Veloso ist ein Liebling Freys in Sachen brasilianische Musik und beinhaltet ein wunderbar melodisch gespieltes Bass-Solo Sommers. „Sumer Is Icumen“ ist eine gerade einmal 7 Jahrhunderte alte, polyphone Weise aus England, über die das Trio wild, offen und erbarmungslos darüber improvisiert. „Tea“ und „White Sun“ sind Meditationen nach Poemen des Chinesen Leung Ping-Kwan und werden als Höhepunkte der CD empfunden. Bei „White Sun“ singt und rezitiert Peggy Chew in Englisch und Kantonesisch. Nach 3 kürzeren, jazzigen Tracks und einem Walzer endet „Microcosmos“ mit dem kontemplativen „Je Ne L´Ose Dire“, das aus der französischen Renaissance stammt. Jazz nach Frey´scher Art hat man noch nie gehört; versprochen. ewei

CD-TIPP: Adrian Frey Trio „Microcosmos“, Unit Records, Vertrieb: Harmonia mundi

LIVE-TIPP: 18.06.: ESSE Music Bar, Winterthur, Schweiz

WEB-TIPP: www.adrianfrey.ch

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