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Timna Brauer: Im Bemühen um Versöhnung

 

Als die Zisterzienser Mönche des Stiftes Heiligenkreuz 2008 mit einer CD mit Gregorianischen Chorälen einen weltweiten Erfolg feierten, beinahe 1,5 Millionen Tonträger verkauften und eingeladen wurden, rund um den Erdball zu singen, war dies eine Sensation sondergleichen. Damit die Sängerin Timna Brauer ihre spirituellen Vorhaben und Versöhnungsbemühungen effektiver umsetzen kann, strebte sie eine Kooperation mit den Mönchen an, die nun durch die CD „Chant For Peace“ dokumentiert wurde.

Das Programm dehnt sich über 24 Tracks und teilt sich in 3 Gruppen: Zum ersten singen die Mönche ihre Psalmen und Choräle allein, zum zweiten gemeinsam mit Brauer und ihrem Ensemble, und zum dritten hören wir 5 Gesänge mit Timna Brauer und ihrem Trio. Elias Meiri, der Ehemann von Timna, spielt das Cembalo, der Grieche Jannis Raptis die Gitarre und der Rumäne Michael Croitoru-Weissman das Cello.

CONCERTO setzte sich mit Timna Brauer zusammen, um Genaueres über diese bemerkenswerte CD und ihre Entstehung zu erfahren.

Wie kam es zur Zusammenarbeit?

Das Projekt ist eigentlich eine Fortsetzung von „Voices For Peace“, bei dem sich ein israelischer und ein palästinensischer Chor trafen und gemeinsam jüdische, christliche und muslimische Lieder sangen. Zufällig lernte ich Pater Karl, den Sprecher der Zisterzienser, bei einer Talk-Show kennen und schlug ihm vor, dass wir gemeinsam Musik mit interreligiösem Versöhnungscharakter machen. Er stieg sofort darauf ein, und wir einigten uns auf den Termin 8. 11. 2014. Es sollte eine Gedenkfeier für alle Menschen werden, die in der Pogrom-Nacht 1938 ihr Leben verloren hatten. Es gab einen unglaublichen Andrang an Publikum.

Sie singen jeminitische und chassidische Lieder auf der CD. Wie trafen Sie ihre Wahl?

Mein Großvater mütterlicherseits, ein jemenitischer Jude, wanderte aus religiösen Gründen aus dem Jemen zu Fuß in das Heilige Land. Mein Großvater väterlicherseits, ein chassidischer Jude, stammt aus Litauen und übersiedelte nach Wien. Es gibt 4 Gruppen: die jemenitischen, die chassidischen aus Osteuropa, die sephardischen aus Spanien und die äthiopischen Juden. Alle haben ihre kulturellen Identitäten, leben nach jüdisch orthodoxer Tradition und sprechen Hebräisch.

Sie singen also hebräisch, die Mönche lateinisch. Was ist die Gemeinsamkeit?

Man muss sagen, dass die Mönche die Choräle eigentlich beten. Ich bin eine darstellende Künstlerin, da ist also ein großer Unterschied. Bei den Mönchen ist eine spirituelle Aktivität, ich bemühe mich um eine optimale Performance. Die Inhalte aller unserer Lieder sind sakralen Inhalts aus dem Alten Testament. Meine Beiträge sind ca. 3000 Jahre alt und stammen aus der Zeit König Salomos.

Wie setzt sich Ihr Trio zusammen?

Mein Mann, Elias Meiri, spielt das Cembalo, Michael Croitoru-Weissman streicht das Cello, und der junge Grieche Jannis Raptis spielt die Gitarre. Alle 3 Musiker haben akademische Schulung und finden sich auch in der Klassik oder im Jazz bestens zurecht. Elias entschied sich für das Cembalo und nicht für Pianoforte, weil er den Charakter alter Musik betonen wollte.

Gibt es einen kommerziellen Hintergedanken seitens der Mönche oder der Plattenfirma?

In diesem Falle sicher nicht, denn die Mönche bekommen persönlich überhaupt nichts, da alle Einnahmen der Heiligenkreuzer Hochschule zugute kommen. Die „Deutsche Grammophon“ sieht die Produktion der CD als relevanten Beitrag zur jüdisch-christlichen Begegnung. Große Hoffnungen auf finanzielle Erträge sind total im Hintergrund.

Bei den gregorianischen Chorälen der Mönche sind die Inhalte Lobpreisungen des Herrn und Versprechen, ein Leben nach der Lehre Gottes zu führen. Bei den Liedern, die Sie singen, hat man oft den Eindruck, es handelt sich um leidenschaftliche Liebeslieder. Stimmt unser Eindruck?

Ja, das ist richtig, denn die Gesänge sind aus der Zeit König Salomos und haben oftmals stark erotischen Charakter. Man besingt die Frau, Schwester oder Braut, meint aber wiederum nur Gott. Die Weiblichkeit ist quasi ein Symbol für Gott und wird im Zusammenhang mit Ekstase, Selbstaufgabe und physischer Liebe beschrieben.

Gibt es in der Zukunft weitere gemeinsame Projekte mit den Mönchen?

Kommenden November werden wir wieder der Pogrom-Nacht mit einem Konzert gedenken. Aber vielleicht gibt es einmal eine CD, die christliche, jüdische und muslimische Gesänge zusammenführt. Das wäre natürlich ein weiterer großer Schritt in Richtung Versöhnung. Wir müssen alle alles probieren, um Weltfrieden zu schaffen. Ernst Weiss

CD-TIPP: The Cistercian Monks Of Stift Heiligenkreuz & Timna Brauer & Elias Meiri Ensemble, „Chant For Peace“, Deutsche Grammophon

WEB-TIPP: www.brauer-meiri.com

 

LIVE-TIPP: 08.11.2015, Stift Heiligenkreuz, www.stift-heiligenkreuz.org 

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