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„Close your eyes, I’ll save your memories“ - Monika Roscher Big Band

Seit etwa fünf Jahren zeigt eine junge Münchner Gitarristin und Sängerin kräftig auf: Monika Roscher schreibt nicht nur ihre Musik selbst, sie gönnt sich auch eine Big Band. Eben ist ihr neues Opus "Of Monsters And Birds" erschienen.

Monika Roscher

Als sie im Rahmen ihres Studiums an der Musikhochschule München ein erstes Arrangement für große Besetzung schrieb und dafür viel Lob erntete, leckte sie Blut: Monika Roscher, Jahrgang 1984, blieb dem Luxusformat Big Band auch gleich für ihr Diplomkonzert treu und erhielt wenig später die Gelegenheit, auf dem Traditionslabel Enja ihr Debütalbum "Failure In Wonderland" (2012) zu veröffentlichen. Seit damals überbieten sich die Fachkritiker mit Formulierungen wie "Supergirl in der Männerwelt" oder "Der wilde Ritt der jungen Jazz-Göttin".

Dass das keineswegs nur Altmänner-Gesabber ist, lässt sich nach kurzem Hineinhören in Monika Roschers neue CD "Of Monsters And Birds" verifizieren. Hier ist eine kompetente und originelle Songwriterin am Werk, die klanglich ein wenig größer denkt als ihre Kolleginnen. Geschickt wechselt sie aus dem Jazzkontext heraus in Indie-Rock- oder Elektro-Gefilde, kennt keine Berührungsängste und schöpft aus dem Potential scheinbarer Gegensätze.

Zwischen Zerbrechlichkeit und Pathos

Der Opener der neuen CD, "Wanderer", klingt zunächst wie Pink Floyd auf Trip-Hop-Grundierung und wartet in weiterer Folge mit edler Jazzharmonik auf. Monika Roscher malt ihre Klanggemälde (etwa "A Walk In The Park By Night") mit selbstbewussten Strichen, lässt ihre Stimme zwischen Zerbrechlichkeit und Björk'schem Pathos changieren und schafft Musik, die berührt und überrascht: "Entering Birds" ist ein grandioses Vogelkonzert, der Song "Illusion" (zu dem es auch ein schönes Video gibt) lässt an Kurt Weill (und wieder an Pink Floyd) denken, und das über 11 Minuten lange "Caribbean Delirium" wird seinem Titel mehr als gerecht. Das ist präzis kalkulierter Wahnsinn, eine Rockband mit zwei Drummern und teilweise bis zu 15 Holz- und Blechblasinstrumenten.

Wie aber kam es zum CD-Titel? Monika Roscher: "Am Anfang ... war da dieser kleine Vogel vor meinem Fenster. Mit seinem Gesang nistete er sich fest in meinem Gehörgang ein - ein fremdartiger, emsiger, ja irgendwie ziemlich durchgeknallter Gesang. (...) Eines der ersten Stücke für dieses Album, 'Full Moon Theatre', entstand bei dem Versuch, die Stimme dieses irren Vogels musikalisch festzuhalten." Eine weitere "ornithologische Begegnung" mit einem Greifvogel auf ihrer Mülltonne gab dann den Anstoß für den zweiten Teil des Titels: "Das Bild dieses fremden, majestätischen Vogels mit dem magischen Blick (...) erinnerte mich an all jene Kräfte, die uns manchmal vergessen lassen, woher wir kommen, wer wir sind und wohin wir noch wollen. Kräfte, die uns zu lähmen drohen und uns unserer Energie berauben. Das sind die Monster, die ihren Spuk in Stücken wie 'New Ghosts Of The Century' oder 'Illusion' treiben. 'Of Monsters And Birds' schien mir daher genau der passende Name für dieses Album zu sein."

An den Schluss dieser stilistischen wie emotionalen Achterbahnfahrt setzt Roscher das ätherisch beginnende und hymnisch ausklingende "The End", das sich auf zwei repetitive Akkorde beschränkt: "This is the end/our time has passed/this is the end/our plane has crashed/high speed/fast death/slow motion/bitter taste/close your eyes I'll save your memories".     Martin Schuster

CD-Tipp:
Monika Roscher Big Band "Of Monsters And Birds", Enja Records, Vertrieb: Soulfood

Web-Tipp:
www.monikaroscher.com

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