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12. Vienna Blues Spring

Der Blues war (wieder) in der Stadt.

Ben Poole. / Foto: Hoscher

Manche Dinge dauern ein wenig länger als geplant, aber mit der zwölften Auflage des längsten Bluesfestivals der Welt ist der Vienna Blues Spring auch in der heimischen Publikumsresonanz dort angekommen, wo er künstlerisch und in der internationalen Wertschätzung schon immer war: in der Champions League. Ausverkaufte Konzerte wie die Eröffnung im Theater Akzent mit der Mojo Blues Band, Hermann Poschs Cold River Band im Haus der Musik bzw. die Boogie Night mit Martin & Sabine Pyrker sowie dem Joachim Palden Trio & Betty Semper im ORF Radiokulturhaus sprechen eine deutliche Sprache.

Als Zentrum der überwiegenden Mehrzahl der Konzerte bestach aber einmal mehr der REIGEN. Es grenzt etwas an Unfairness, einzelne Acts hervorzuheben, doch das VBS-Debüt von Zac Harmon muss beispielsweise als eines der großen, diesjährigen Highlights hervorgehoben werden. Extrem spielfreudig bot der Mann aus Mississippi im ersten Set eine mitreißende, funkige Show, um nach der Pause das Lokal in der Wiener Hadikgasse kurzerhand in ein dampfendes Juke Joint zu verwandeln. Das Reigen-Motto des Festivals „Blues and Beyond“ wiederum stellten unter anderem die vier Herren von Night Of The Guitars, darunter der Großneffe von Django Reinhardt, Lulo Reinhardt, unter Beweis. Ihre Ausflüge auf vier akustischen Gitarren zauberten viel Bluesverwandtes auf die Bühne, von Jazz bis Folk und World. Rootsgewaltiges lieferten wiederum Steve Marriner, Tony Diteodoro und Matt Sobb, alias Monkey Junk, ab, die das Auditorium zu minutenlangen Standing Ovations animierten.

 

Martin Pyrker. / Foto: Hoscher

Dass der Blues keine Nachwuchssorgen kennt, spiegelte erfreulicherweise nicht nur das Bild auf der Bühne, sondern auch jenes bei den Besuchern wider. Ben PooleNorbert Schneider, die Blue Sisters des Ruf Blues Caravan – Layla Zoe, Tasha Taylor und Ina Forsman -, Josh Smith oder Ryan McGarvey füllten den Club wohltuend.

Ian Siegal & Jimbo Mathus verbanden Blues mit Country & Folk, zu Ehren des in jenen Tagen verstorbenen Prince intonierten sie zudem ein ergreifendes „Purple Rain“. Corey Harris bot eine authentische Soloshow mit zahlreichen Reminiszenzen an seine afrikanischen Feldstudien, die noch Tage danach zu Diskussionen Anlass gaben, was „Authentizität“ im Blues nun genau bedeuten könne. Texas-Blueser Neal Black & The Healers erzählte viele musikalische Stories, ebenso wie Larry Garner mit Norman Beaker und seiner Band, Big Daddy Wilson, aber auch Mike Sponza mit seinem eigenwilligen Projekt der Vertonung alter lateinischer Gedichte. Zu diesem Behufe war der Italiener gleich mit seinem Sextett angereist. Eine ausgiebige „Schlagernacht des Blues“ kam von Big Pete Pearson & The Gamblers. Die (härtere) Gitarrenfraktion bedienten kompetent unter anderem Rob TognoniMichael Lee FirkinsUlrich Ellison und Eric Sardinas. Die heimischen Farben hielten neben den bereits erwähnten Acts auch Meena Cryle & The Chris Fillmore BandHerby DunkelNatascha FlamischDownTownBluesVienna oder Faschings Kuchlradio hoch.

Leider ist aber auch Tragisches zu berichten. Bereits während des Festivals wurde bekannt, dass Candye Kane’s geplanter Auftritt aus gesundheitlichen Gründen abgesagt werden musste. Die großartige Sängerin, die stets zu den herausragenden Künstlerinnen der Vienna Blues Spring Festivals zählte, verlor wenige Tage nach Ende des VBS ihren Kampf gegen den Krebs. Die Erinnerung an sie bleibt unauslöschlich. Dietmar Hoscher/Franz Richter

 

 

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