Concerto > Concerto-Ausgaben > Ausgabe 3/2017 > Woody Black 4

WOODY BLACK 4 Take It Black – Klarinetten im „Ausnahmezustand“

Quartett-Besetzungen, bestehend aus Instrumenten zumeist in diversen Stimmlagen ein und derselben Instrumentenfamilie, eine Kombination, die in der Klassik von Josef Haydn erfunden wurde und das Genre "Kammermusik" begründete, etablierte sich im Jazzkanon Anfang der 1970er Jahre im Sog der Post-Free Jazz Bewegung. Das erste Stück für eine solche Besetzung war 1974 für ein Saxophonquartett konzipiert worden. Von keinem Geringeren als dem Multibläser Anthony Braxton.

Woody Black 4 / FotoCredit: Johanna Bugkel

Auf Anregung dieses Stückes hin formierte sich das World Saxophon Quartet, dem bald darauf das ROVA Saxophone Quartet folgte. Wenig später ereignete sich ein regelrechter Boom hinsichtlich Saxophon Quartetten aber auch anderer "Viererbanden" diverser Instrumentengattungen. So z.B. Henry Threagills "Flute Force 4", das Posaunen-Quartett "Slide Ride", das Percussion-Quartett "Pieces Of Time" oder das Gitarren-Quartett von Fred Frith. Doch zumeist waren diese Projekte mehr oder weniger "Eintagsfliegen". Was reine unbegleitete Klarinettenquartette betrifft, wurden nicht allzu viele Anstrengungen unternommen. Lediglich einer breiteren Öffentlichkeit bekannt ist das grandiose, kurzlebige, in den 1980er Jahren aktive dänisch-amerikanische Ensemble "Original Bassclarinet Choir" rund um die Bassklarinettisten John Tchicai, Keshavan Maslak, Ed Bishop und Peter Kuhn, das zwei unvergessliche Konzerte in der Jazzgalerie Nickelsdorf spielte.

Ein neues Kapitel

Mit dem Ansinnen bezüglich der Bassklarinettenbesetzung ein neues Kapitel im "Jazzbuch" aufzuschlagen, tat sich 2010 die Equipe "WOODY BLACK 4" zusammen. Dies geschah als logische Konsequenz, als sich ihre Mitglieder Oscar Antoli (cl, bcl), Stephan Dickbauer (cl), Daniel Moser (bcl) und Leonhard Skorupa (bcl) beim Studium in Sachen Musik begegneten. Eine rege Konzerttätigkeit bzw. erste und zweite Preise beim "European Jazzcontest" respektive der "Made in New York Jazz Competition" waren die beflügelnde Folge. Allerdings ist Woody Black 4 auch kein reines Bassklarinettenquartett, da sich Stephan Dickbauer ausschließlich auf die B-Klarinette konzentriert. Doch anyway, der Gruppensound wird von den sonoren, vollmundig warmen Klängen der Bassklarinetten dominiert. In ihnen schimmert das Wegweisende des u.a. Ausnahmebassklarinettisten Eric Dolphy unaufdringlich durch. Mittlerweile sind die vier Herren unüberhörbarer, auffallend origineller Teil jener stilistisch barrierefrei denkenden und empfindenden jungen österreichischen Jazzströmung, die ebenso international, was das Heute und Morgen des Jazz angeht, prägnante "Klangmarken" und Impulse setzt.

Die neue CD

Kaum beeindruckender kann man diese Haltung, wie die vier "Schwarzspieler" sie auf ihrem aktuellen, dem zweiten, Tonträger auskosten, darlegen. "Curiosity"(UTR/unitrecords.com) ist er betitelt und enthält eine Sammlung von fünfzehn kurzweiligen Kleinoden, die das breitgefächerte, tief empfundene musikalische Verständnis der Musiker sowie deren famose instrumentelle Fertigkeiten vergegenwärtigen. Zwei wesentliche Merkmale der "Black Music" sind zum einen eine explizite, teilweise vehement groovende Rhythmusstruktur, die sich zu neoboppigem Swingen, komplexen polyrhythmischen Schichtungen, aufgelöster Metrik oder funkig/rockigen Beats einfindet, zum anderen eine ausgeklügelte Polyphonie, in der berauschende harmonische wie melodische Kapriolen fröhliche Urstände feiern. All diese notierten Texturen, in denen ebenso unterschiedlichste stilistische Reflexionen in Eigengesetzlichkeit eingearbeitet sind, sind derart intelligent und fordernd gesetzt, dass sich für das vermögende, assoziative Improvisieren der Protagonisten genug "Freiland" auftut.

Dem Ganzen jetzt noch speziell zuträglich sind die brillante Feinabstimmung in der Interaktion, die ausgefallenste klangliche Musterungen und versatile Schraffuren mit sich bringt, ein wohlfeil gehandhabter Spielwitz, wenn sich beispielsweise die Klarinetten und ein Rapper bzw. eine Koloratursopranistin begegnen oder mathias rüegg, übrigens der einzige Fremdkomponist, ein kontrapunktisches Kabinettstückerl anbietet sowie der findige Umgang mit den Reibungsflächen Konsonanz/Dissonanz und Tonalität/Atonalität. "Curiosity" - der frappanteste Gleichklang von Ungereimtheiten. Hannes Schweiger

Aktuelle CD:

WoodyBlack4 „Curiosity“, Unit Records, Vertrieb: Harmonia Mundi

Web-Tipp:

www.woodyblack4.com


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