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LOREENA McKENNITT - Ein weiblicher Barde aus Kanada

Die Musikerin hat sich schon früh zu keltischen Mythen und Klängen hingezogen gefühlt, aber sie nur darauf zu beschränken, würde doch etwas zu kurz greifen. Sie ist auch eine erfolgreiche Vertreterin der Worldmusik.

Loreena McKennit / FotoCredit: Richard Houghton

Loreena Isabel Irene McKennitt wurde 1957 in Morden, Manitoba, geboren. Die Mutter war Krankenschwester und der Vater Viehhändler, sie hatten mit Musik nicht wirklich viel am Hut, und so war es auch zu Beginn mit Loreena. Aber wie sie selbst erzählte, kam nicht sie zur Musik, sondern die Musik zu ihr. 10 Jahre lang erhielt sie eine klassische Ausbildung am Klavier, dabei begann sie, ihre Stimme zu entdecken und bildete sie in 5 Jahren zu einem hellen Sopran aus. So ganz nebenbei lernte sie auch noch einige Instrumente, wie etwa Akkordeon und natürlich Harfe und begann Lieder zu schreiben. In den späten 70er Jahren kam sie erstmals mit der keltischen Kultur in Berührung, und das prägte ihr Leben bis heute. 1981 übersiedelte sie nach Stratford, Ontario, wo sie auch jetzt noch lebt.

Ihr erstes Album erschien 1985, in dem Jahr, in dem sie auch ihr unabhängiges Label Quinlan Road gründete. Mit weiteren Veröffentlichungen, wie The Book Of Secrets (1997) und Ancient Muse (2006) erreichte sie Weltruhm, hat zig Scheiben produziert, 15 Millionen davon verkauft und Shows in der ganzen Welt gespielt. Ihr Celtic Folk ist nicht in der Gegenwart geerdet, sondern greift stark auf historische Wurzeln zurück. Sie erzählt mystische Geschichten, teilweise esoterisch angehaucht, in durchaus unkonventionellem instrumentalem Gewand, teils elektrisch, teils akustisch. Sie ist der englischen Folkrock Szene der 60er Jahre verwandt, etwa Pentangle oder Fairport Convention. Anklänge an die australische Weltmusik- und Gothic-Band der 80er Jahre Dead Can Dance sind auch zu hören. Blackmores Night, die Minstrelgruppe um Ritchie Blackmore, könnte ebenfalls bei der Musik von Loreena Pate gestanden haben. Aber McKennitt hat ihren ganz eigenen Stil, keltische, irische Motive mit Einflüssen aus spanischer, orientalischer und asiatischer World Musik zu verbinden.

Foto: Christian Houghton

Mit Lost Souls bringt die Künstlerin nun nach 12jähriger Studioabstinenz wieder ein neues Album heraus. Auf die Frage, warum es so lange gedauert hat, erklärt das Loreena mit privaten Verpflichtungen, sowie einigen Reisen zum Studium der keltischen Geschichte und auch ausgedehnten Tourneen, denn man muss in einer sich ständig ändernden Musikindustrie Präsenz zeigen. Alle Lieder der neuen CD kommen aus verschiedenen Schaffensperioden der Künstlerin, haben es aber damals nicht auf die jeweiligen Alben geschafft und sind so in Vergessenheit geraten. Die 9 Songs sind größtenteils Eigenkompositionen, ein Traditional „Manx Ayre“ und zwei vertonte Gedichte „The Ballad Of The Fox Hunter“ vom irischen Poeten W. B. Yeats und „La Belle Dame Sans Merci“ von John Keats, britischer Poet. Diese Songs stammen etwa aus der Zeit des letzten Albums Ancient Muse. Die Künstlerin erzählte, dass manche Lieder sogar bis in die frühen 90er Jahre zurückgehen, u. a. das flamencoartige „Spanish Guitars And Night Plazas“ oder das popige „A Hundred Wishes“. „Ages Past, Ages Hence“ dagegen ist ein jüngerer, keltischer Song, der sich mit dem Problem der Zerstörung der Wälder beschäftigt. „Breaking Of The Sword“ wiederum ist ein Lied zum Gedenken an die gefallenen Kanadier im 2. Weltkrieg. Hier wird sie von der Canadian Forces Central Band begleitet, deren Ehren-Colonel sie selbst ist.

Der Titelsong „Lost Souls“ lässt sich durch folgende Anekdote charakterisieren: Ein Vagabund wurde einmal von einem Polizisten gefragt, was er so spät noch auf der Straße mache. Er meinte lakonisch, wenn ich die Antwort wüsste, wäre ich schon längst zu Hause. So ist es auch diesen Songs ergangen, sie waren nicht verloren, sondern nur auf einem langen Weg nach Hause. Loreena erzählte weiter, dass sie die Inspiration zu diesem Lied durch das Lesen eines Buches des Geschichtswissenschaftlers Ronald Wright bekam. Kurz gesagt beschreibt er da das Fehlverhalten unserer Zivilisation. Die Entwicklung vom Messer über Schwert, Kanone bis zu Nuklearwaffen brachte großen technischen Fortschritt, aber wir haben dabei zunehmend auf Umwelt und Moral vergessen. Unsere Spezies wird immer mehr zu einer aussterbenden Art, also eben einer Lost Soul.

Auf die Frage, ob die neue CD auch durch eine Tournee beworben wird, meinte die Künstlerin, eine 2jährige Tour sei geplant. Europa ist im nächsten Jahr an der Reihe. Aus heutiger Sicht ist in Österreich noch kein Konzert gebucht, Loreena würde sich darüber aber sehr freuen.

Franz Richter

CD-TIPP

Lorena McKennitt „Lost Souls“, Quinlan Road, Vertrieb: Edel

WEB-TIPP

www.loreenamckennitt.com

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