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Martin Schuster: Ein Mediator der Musikstile

Die Art der Geschenke, die man sich an seinem sechzigsten Geburtstag wünscht, klaffen weit auseinander. Der eine sitzt mit Familie im Schweizerhaus und säbelt an einer knusprigen Stelze, der andere genießt eine Mittelmeerkreuzfahrt, und der übernächste andere glotzt fasziniert auf ein neues Smartphone.

Martin Schuster / FotoCredit: Reisinger

Ja, und dann gibt es rare Menschen, die beschenken sich der Einfachheit halber gleich selbst. So einer ist der Tausendsassa Martin Schuster aus Heidenreichstein. Seine neue CD „Lebenslinien“ bereitet ihm vermutlich mehr Freude als alle anderen Präsente. Diese sehr ungewöhnliche Form der Geburtstags-Zelebration realisierte Schuster schon einmal vor 10 Jahren anlässlich seines 50ers. Damals veröffentlichte der Komponist, Sänger, Pianist und Keyboarder „Herzensangelegenheit“. Man lernte einen Musiker kennen, der sich flexibel nach allen Seiten zu wenden vermag und seine Aversion bekundet, Musikgenres gegeneinander auszuspielen. Kennt man ja, der Folker meint, Jazz ist ihm zu kompliziert, der Jazzer wiederum rümpft die Nase, wenn er von Rockmusik hört, da ihm alles zu simpel und vorhersehbar ist.

Offen für alle Genres

Genau das ist aber der Punkt: Martin Schuster findet in allen Stilen Optionen, seine Kreativität einzubringen. Die Order heißt, weg mit Vorurteilen! Es muss gesagt werden: Man hat den Eindruck, Schuster setzt auf einen 24 Stunden Arbeitstag und wirbelt durch seine Omnipräsenz, weit weg vom Wasserkopf Wien, das Kulturgeschehen des Waldviertels durcheinander. Seit 22 Jahren schreibt Martin für das CONCERTO primär über Jazz, spielt parallel in 4 verschiedenen Bands, ist bekannt als Schauspieler und Regisseur im Amateurtheaterbereich, war 10 Jährchen Leiter der Bühne Heidenreichstein und organisiert seit 7 Jahren einen feinen Musikworkshop, „Nordic Grooves“, der immer stärker wahr genommen wird; und das alles neben seinem Brotberuf als Lehrer im Schulzentrum Gmünd. Da bleibt einem die Luft weg! Aber Martin Schuster schafft das alles mit Enthusiasmus, Akribie und einem Alltag mit permanenten Highlights, weil er sein Leben der Musik widmet. Trotz aller Aktivitäten ist das künstlerisch universelle Talent auch ein Familienoberhaupt mit bester Reputation. Seine beiden Söhne stecken schon tief drinnen in ihrer professionellen Musikerkarriere und trommeln sich nonstop an die Spitze der modernen Jazz-, Rock- oder Mischmasch-Szene. Der ältere Junge, Valentin, studierte in Graz (KUG), sitzt u.a. bei Edi Nulz an den Drums und wohnt seit 5 Jahren in Berlin. Der jüngere „Bua“, Raphael, studiert noch in Linz, bedient aber auch schon einige Jahre bei Nagerlsterz das Schlagwerk. Wieder eine Band, die in verschiedensten Musikgenres schweift und gerne auch der Literatur bei Events die Tür öffnet. Auch Manuela, die Gattin Martins, singt und ist eine begeisterte Stepptänzerin. Fazit: Ohne Musik geht bei den Schusters gar nichts. Martin selbst spielt u.a. bei der Bernhard Egger Blues Band oder im Duo mit dem Saxophonisten/Klarinettisten Günter Kainz.

Der Misthaufen dampft wieder

Martin Schuster feiert seinen 60iger /Foto: Reisinger

Der Misthaufen dampft wieder

Besonders relevant ist, dass Schuster beim 2015 reanimierten Misthaufen am Klavier sitzt. Misthaufen waren ab 1970 eine sehr erfolgreiche Austropop/Folk-Gruppe mit kritisch politischen Texten und sozialen Anliegen, bevor man 1995 die Band 20 Jahre ruhig stellte. Auf „Lebenslinien“ findet man das mutige Lied „Es geht voran“, in dem Bandhead Alf Krauliz vom kaschierten Comeback des Faschismus singt. „Lebenslinien“ ist ein unterhaltsames und aufschlussreiches Panoptikum von 15 Nummern, an denen 48 (Halleluja!) Musiker_innen mitwirkten. Darunter sind auch etliche Herren, die weit über Österreich hinaus Lob ernten: z. B. Pepe Auer (as), Johannes Dickbauer (v) oder Christian Bakanic (acc). Noch einmal erwähnt muss Edi Nulz werden, ein Trio, das brachialen Jazz/Rock, Turbo-Soli einer Bassklarinette (Siegmar Brecher) und furios wilde Improvisationsphasen über sein Publikum niederprasseln lässt (Julian Adam Pajzs: git, Valentin Schuster, dr). Neben Jazz, Rock, einem kabarettistischen Heurigenlied und Elektronikbasteleien gibt es sogar ein Bläserseptett, Quintbrass: „Aufmarsch der Gnome“. Ein letzter Tipp: Im August gibt es den „Blauen Engel“ in der Bearbeitung von Peter Turrini im Burghof Heidenreichstein zu sehen. Inszenierung: Martin Schuster. Ernst Weiss

CD-TIPP:

Martin Schuster, „Lebenslinien“, Eigenverlag.

Bezugsquelle: Im regulären Handel nicht erhältlich. Bei einer CONCERTO-Abo-Bestellung kann die CD auf Wunsch gratis übermittelt werden.

ODER unter schuster@concerto.at um € 15,00 (inkl. Versand) Zusendung möglich.

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