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Hans Kulisch (1954–2019)

 - Ein Nachruf von Richard Schuberth

Schon längst hat sich das Duo Matthias Bartolomey und Klemens Bittmann auch international auf einem Level positioniert, das umrankt ist vom Außergewöhnlichen, Besonderen und Innovativen. Auf ihrem 3. Album, "Dynamo", erweitern die beiden Koryphäen sogar abermals ihren musikalischen Kosmos.

Hans Kulisch

Hans war ein Maniac. Selten habe ich einen Menschen sich mit mehr Hingabe und Leidenschaft einer Sache widmen sehen. Seine Sache war die Musik. Damals in den 90ern war er als DJ und CD-Produzent vor allem für Samples indischer Banghra- und Bollywoodmusik bekannt, doch war das nur ein kleiner Teil seiner unfassbar großen Bildung. Die populären Genres und Stile der letzten 50 Jahre hatte der Mitbegründer des "Skug" im kleinen Finger. Ihn drängte es nach unerforschten Gefilden. Unermüdlich rezipierte er Pop aus Ghana, Hip-Hop aus Peru, traditionelle Kunstmusik aus Indonesien, Ska aus Kasachstan ... und was es noch alles uns Unbekanntes auf dem Erdenrund gab. Ohne akademische Überfrachtung, ohne diskursives Halbwissen, mit einer kindlichen Neugier und Begeisterung, die von unsereinem schon ab 20 peu-à-peu abbröckelt. 


Hans war ein plebejischer Dandy. Ruppig, rau, direkt, mit seinem markanten Gesicht und seinen halblangen silbernen Haaren wirkte er mitunter verlebt, wären da nicht diese leuchtenden Kinderaugen gewesen, doch gewandete er sich stets in Samt, bunte Hemden, elegante Ballonstoffe und andere eigenwillige Accessoires. Seine Begeisterung, die er ohne Genierer kundtat, war oft Anlass für sanften Spott. Doch war sie auch das Geheimnis, warum er nie ein alter Mann wurde. 
Den Menschen, die er mochte, war er in bedingungsloser Loyalität ergeben. Er hatte keine Konzepte für all das, es war sein Wesen. Ein rastloses, sich ständig neu formierendes, unendlich neugieriges, naiv-kluges Wesen. 
Hans hat sich seinem bevorstehenden Tod nie gestellt. Seine fiebrig entworfenen Pläne hätten für weitere 64 Jahre gereicht. Kaum aus dem Spital entlassen, organisierte er im November noch ein großes Konzert der von ihm geliebten Band Hans (Anna Anderluh, Helgard Saminger, Clemens Sainitzer und Julian Preuschl) und mit der Clownin Martha Laschkolnigim "Circus- und Clownmuseum Wien". Dann musste er wieder ins Spital. In der Woche vor seinem Tod schrieb er einen letzten Artikel fürs "Concerto" über seinen Freund Alex Mikschfertig (siehe Concerto 2-19) und fiel hernach in tiefen Schlaf. Kurz davor telefonierte ich mit ihm. Er war optimistisch wie immer und beendete das Gespräch mit der Begründung, dass er jetzt auf einen Tschick gehen müsse. Danach schlief er ein. 

Hans Kulisch, treue Seele, unermüdlicher Forscher, man with the child in his eyes, wir bleiben noch ein Weilchen. Aber du erlaubst, dass wir von der Erinnerung an deine Intensität und Freude weiternaschen.

Richard Schuberth

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