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Blues-Talk Folge 102: Vienna Blues Spring 2015 Revisited

Drei diesjährige Protagonisten des längsten Bluesfestivals der Welt.

Sänger wollte Earl Thomas eigentlich immer schon werden. Doch es war ein einschneidendes, nichtmusikalisches Erlebnis, welches den Traum zur Wirklichkeit werden ließ. Nachdem der junge Thomas bei einem Absturz in eine Schlucht beinahe sein Leben verlor, beschloss er in der Tat, Musiker zu werden. Earl Thomas stammt aus einem sehr musikalischen Elternhaus, in welchem Gospel und Blues, aber auch die Musik des British Blues Booms zu hören waren. Nachdem er zunächst Zahnmedizin studiert hatte, erschien 1991 sein erstes Album „Blue…Not Blues“. Ein Jahr darauf wurde Earl Thomas bereits zum Montreux Jazz Festival eingeladen. Neben seiner Passion für den Gesang, konzentrierte sich der heute 54-Jährige bald auf das Songwriting. Für Etta James etwa schrieb er „I Sing The Blues“, und auch Tom Jones zählt zu seinen „Kunden“. Die Tantiemen aus diesen Liedern ermöglichen es Thomas – laut eigener Aussage – seinen eigenen Tourplan ohne Stress zusammenstellen zu können. Mit den Blues Ambassadors ist er in den Staaten unterwegs, in Europa gerne auch mit Paddy Milner. Wann immer (finanziell) möglich, werden auch Bläser inkludiert. Thomas’ Gesangsstil ist überaus ausdrucksstark, egal ob in intimen, introspektiven oder in dynamischen, hochenergetischen Momenten, wobei er die Bühne nicht nur vokalistisch sondern auch tänzerisch vollends beherrscht.


A voice, a groove and two slide guitars“. So charakterisieren Delta Moon selbst ihren Sound. Und dieser ist ohne Zweifel im heutigen Bluesgeschehen sehr ungewöhnlich. Eine Slidegitarre, ja. Aber zwei? Noch dazu, wo einer der Gitarristen, Tom Gray, am liebsten Lap-Steel spielen würde? Als Tom Gray und Mark Johnson beschlossen, gemeinsame musikalische Sache zu machen, hatten beide bereits gediegene Erfahrung im Business hinter sich. Johnsons Onkel besaß einen Plattenladen, und Mark griff schon in der Highschool zur Gitarre. Anfang der Neunziger kam er nach Atlanta und konzentrierte sich zunehmend auf das Bottleneckspiel. Er war es auch, der Tom Gray mit zahlreichen Schattierungen des Blues vertraut machte. Letzterer hatte sich nicht nur mit seiner Rockband sondern vor allem auch als Songwriter – eine Parallele zu Earl Thomas – einen Namen gemacht. Unter anderem schrieb er für Manfred Mann, Carlene Carter, Bonnie Bramlett oder auch für Cyndi Lauper, deren Hit „Money Changes Everything“ er zu Papier brachte. 2003 kam schließlich der professionelle Startschuss für Delta Moon. Die Band – damals noch mit Sängerin – trat bei der International Blues Challenge (IBC) in Memphis an und gewann den prestigeträchtigen Wettbewerb.


Ob Carvin Jones nun tatsächlich zu den besten 50 Bluesgitarristen aller Zeiten zählt – wie vom Guitarist Magazine 2001 behauptet -, wird die Geschichte weisen. Tatsache ist, dass er von etlichen Größen des Genres – und darüber hinaus – ziemlich gelobt wird. Eric Clapton hält ihn für „the next up-and-coming blues player“, und Buddy Miles bezeichnete ihn als „The New King of Strings“. Tatsache ist auch, dass Jones sich selbst diesem Lob vorbehaltslos anschließt. An Selbstbewusstsein mangelt es dem Mann aus Luftkin, Texas, in keiner Weise. Dies führt dann wohl auch dazu, dass er auf der Bühne keine Sekunde innehält und eine heute kaum mehr zu findende Exaltiertheit an den Tag legt. Die Gitarre habe ihn vor Schlimmerem bewahrt, führt Jones gerne an, denn er sei in einer Gegend aufgewachsen, in der „rau“ mit einem „großen R“ geschrieben worden sei. Nachdem er aber ständig übte, sei er selbst nicht auf die Straße gekommen. 1989 zog Jones nach Phoenix und gründete die Carvin Jones Band, mit welcher er unablässig auftrat. Im März 2000 feierte er – laut eigenen Angaben – seinen 3000sten Auftritt! Diesem Tour-Marathon fühlt sich Carvin Jones nach wie vor verpflichtet, rund um den Globus.

Das gesamte Interview aller drei Blues-Künstler lesen Sie in der Ausgabe 4-15

 

 

Bericht, Fotos: Dietmar Hoscher

Interviews: Franz Richter, Dietmar Hoscher

CD-TIPPS:

  • Earl Thomas & The Kings Of Rhythm „Live At Biscuits & Blues“, Earl Thomas Music

  • Delta Moon „Low Down“, Jumping Jack Records

  • Carvin Jones „Carvinator“, Eigenverlag

WEB-TIPPS:

 

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