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Vintage Sounds abseits der Nostalgiefalle

 

Vintage Trouble tönen erdig. Sie verbinden auf vitale Weise Blues, Soul und Rock. Retro wollen sie allerdings nicht sein. Ihr famoses, neues Album erscheint auf Blue Note.

 

Der britische Popkritiker Simon Reynolds hat vor einigen Jahren mit seinem Buch „Retromania“ für Aufregung gesorgt. Darin stieß er sich an wiedervereinigten Bands, an Popmuseen und Tribute-Kapellen, an der Coverversionkultur und natürlich auch am in den letzten Jahren aufbrandenden Vinylfetischismus. Lana del Rey, die Queen des zeitgenössischen Vintage Sounds kannte der Autor damals noch nicht. An ihr hätte er sich verlässlich gestoßen. Und das, was anglosächsische Medien über Vintage Trouble schreiben, hätte ihn erst recht aufgeregt. Etwa jene Ode an deren Sänger Ty Taylor, den der Rolling Stone veröffentlicht hat. In ihm hieß es, dass dieser funky intonierende Mann eine Art neuzeitlicher James Brown sei, bloß einer, der bei einer Band vom Kaliber und der Ausdrucksart Led Zeppelins singe. Das deutsche Feuilleton hat den Vergleich leicht abgewandelt. In der Frankfurter Allgemeinen hieß es später: „Ein Otis Redding, der singt, als stünde er vor den Faces“. Im Juni waren Vintage Trouble als Vorgruppe von AC/DC bei deren „Rock Or Bust“-Tour im steirischen Spielfeld zugange.

 

Muskulöse Sounds

 

Sie beindruckten als muskulöse Funkrocker, die mit bluesigen Zwischentönen zu verwöhnen wussten. Ihr Bekenntnis gilt einem erdigen Bluesrock, der in den letzten Jahren durch Bands wie The White Stripes, The Black Keys und durch Royal Blood ein gehörig Maß Hipness dazugewonnen hat. Früher hätte man „ehrlich“ zu dieser Musik gesagt, wenn man den Unterschied zur digitalen Attrappenwelt hervorheben wollte. Heute ist es Statement genug, dass sich so eine Band 2010 gründete. Damals fanden Sänger Ty Taylor, Gitarrist Nalle Colt, Bassist Rick Barrio Dill und Schlagzeuger Richard Danielson zueinander. Nicht gerade blutjung. Alle hatten schon reichlich Erfahrungen in anderen Bands. Taylor etwa war lange in einer Band namens Dakota Moon tätig, wo er Softrock mit R&B zu versöhnen versuchte. Mit Vintage Trouble macht er Bluesrock, aber auch Soul´n´Roll. „Wir haben keinen Gedanken daran verschwendet, ob wir uns retro anhören oder nicht. Die Kombination von Soul, Blues und Rock war einfach natürlich für uns.“ sagt Gitarrist Colt empathisch. Sänger Taylor springt ihm mit biographischen Details bei. „Bei uns zu Hause gab es alles. Wir hörten die Staples Singers und die Rolling Stones, Ike & Tina Turner und Led Zeppelin. Niemand fragte sich, ob die Musik ein weißes oder schwarzes Mascherl trug. Wichtig war alleine ihre Intensität.“ An ihr haben sich Vintage Trouble orientiert. Ihre mächtigen Liveauftritte sind legendär, die Wände der Venues dann verlässlich schweißgetränkt. Aber auch mit Studioalben wissen sie zu bezirzen. Ihre 2011 edierten „The Bomb Shelter Sessions“ begeisterten nachhaltig, das nun bei Blue Note entstandene, von Don Was produzierte Juwel „1 Hopeful Rd.“ wird es zweifellos auch tun.

 

Ein Aroma von Deep Soul

 

Mit zart pulsierenden „Shows What“ wagten sie sich erfolgreich in die souligen Gefilde eines Otis Redding. „My Heart Won´t Fail Again“ schlägt in die gleiche Kerbe, favorisiert allerdings einen heftigeren Groove. Mit „Angel City“ setzen sie ihrer Heimatstadt ein rhythmisch rasantes Denkmal, während der Opener „Run Like A River“ ein von einer Slidegitarre angetriebener, archaisch klingender Blues ist, wie ihn auch ein Jack White ersinnen hätte können. Den gut in ihm versteckten Melancholiker lässt der vitale Sänger Ty Taylor in der Soulballade „Another Man´s Words“ von der Leine, ein Song, der auch zu Sixtiesgesangsstilisten wie Joe Tex gepasst hätte. Vintage Trouble sind keinesfalls Nostalgiker, die ihre Identität in einer vergangen Epoche entwerfen, um sich einem als flüchtig wahrgenommenen Jetzt zu widersetzen. Sie drücken einfach ihre aktuellen Gefühle und Gedanken im schon beschriebenen Stilhybrid aus, weil es ihnen so am natürlichsten vorkommt. Vintage Trouble wollen nicht in einer Blase der Nostalgie herumwabern, sondern sich schlicht und möglichst zeitlos ausdrücken. Natürlich ist es ihnen wichtig, Erwartungen zu überrumpeln. Mit ihrer griffigen Mixtur aus Black & White Sounds, aus Groove und Rock, machen sie die späten Sechziger/frühen Siebzigerjahre wieder lebendig. Kleines Detail am Rande. Ihr Manager ist kein Geringerer als Harold „Doc“ McGhee, ein Mann, der früher mit Kiss, Mötley Crüe und Bon Jovi gearbeitet hat und bewies, dass er Bescheidenheit nicht für eine Zier hält. Wenn er also Vintage Trouble für eine heiße Band hält, stehen die Zeichen gut, dass diese Privatmeinung objektivierbar ist. Spätestens, wenn ihr Debüt auf Blue Note veröffentlicht ist. Samir H. Köck

 

 

Aktuelle CD: Vintage Trouble „1 Hopeful Rd.“, Blue Note, Vertrieb: Universal

Web-Tipp: www.vintagetrouble.com

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