Concerto > Concerto-Ausgaben > Ausgabe 4/2016 > Bluest Talk Folge 108

blues talk FOLGE 108 - Vienna Blues Spring 2016 Revisited

Auch im Schaltjahr war die Blueselite zu Gast in Wien

„Ich bin ziemlich rastlos“ – Jimbo Mathus / Foto: Hoscher

„Ich bin ziemlich rastlos, das liegt in meiner DNA!“ Der dies von sich gibt, ist in der Tat einer jener Musiker im derzeitigen Bluescircuit, auf den die Bezeichnung „schillernd“ in einem Ausmaß zutrifft wie auf wenige andere. Geboren 1967 in Oxford, Mississippi, als James H. Mathis Jr., ist Jimbo Mathus, auch bekannt unter Jas Mathus oder Hambone Mathus, nicht nur Sänger, Songwriter, Gitarrist, Drummer oder Bassist sondern auch Produzent, Musicalautor und Entertainer. Geboren in eine äußerst musikalische Familie, wuchs Mathus mit vielen verschiedenen Stilen auf, seine Nanny war – wie sich später herausstellte – die Tochter des legendären Deltabluesers und -songsters Charley Patton. Von Bluegrass und Hillbilly über Country bis zu Blues sog der junge Mann alles auf, was sich ihm in den musikalischen Weg stellte. Punk war da ebenso gefragt wie die Sounds des Hill Country. Hinzu traten Einflüsse seiner schottischen wie auch italienischen Vorfahren. Musik war jene Ingredienz, welche den sozialen Zusammenhalt in Mississippi förderte und eine wichtige Rolle im täglichen Leben dieses Bundesstaates spielte, hält Mathus im CONCERTO-Interview anlässlich seines Auftrittes mit Ian Siegal im Rahmen des Vienna Blues Spring fest. Und obwohl er etwa mit den Squirrel Nut Zippers riesige Erfolge feierte und gar bei der zweiten Inauguration von Bill Clinton sowie bei den Olympischen Sommerspielen in Atlanta auftrat, kehrt das kauzige Multitalent immer wieder zu Blues und Roots zurück

„Man sollte selber echt sein“ – Kai Strauss / Foto: Hoscher

Lengerich, ein 20.000 Seelen Dorf zwischen Münster und Osnabrück, an der Grenze zu Niedersachsen, dürfte nicht nur nicht vielen Bluesfans in unseren Breiten kaum bekannt sein. Ein Sohn dieses Ortes hingegen schon. 1970 erblickte dort Kai Strauss das Licht der Welt und spielte sich in weiterer Folge in die erste Liga der europäischen Bluesszene, neuerdings mit seinen Electric Blues All-Stars. Mit 14 griff Strauss zur elektrischen Gitarre, naturgemäß unter anderem unter dem Eindruck des damals allgegenwärtigen Stevie Ray Vaughan. 1989 gründete er die Bluescasters, zu denen später Memo Gonzalez stieß. In dieser Formation bereiste der Gitarrist, Sänger und Songwriter die Bluesbühnen vornehmlich europäischer Provenienz und machte sich einen exzellenten Namen. Vor allem sein treff- und stilsicheres Gitarrenspiel faszinierte rasch Publikum und Kritik. Schließlich wagte der Deutsche den endgültigen Schritt ins Frontscheinwerferlicht und legte mit dem neuen Album „I Go By Feel“ ein Bluesstatement seltener Reife vor. Mit an seiner Seite unter anderem Mike Wheeler, Tommie Harris, der früher bei Luther Allison hinter den Drums saß, Tony Vega oder Sax Gordon. Der German Blues Award 2016 als „Best Band“ folgte – konsequenterweise – auf dem Fuße!

„Ich habe nicht viele Wahlmöglichkeiten“ – Neal Black

„The Master of High Voltage Texas Boogie“ wurde Neal Black dereinst von einem Kritiker genannt. Musikalisch sozialisiert, als George Thorogood und Stevie Ray Vaughan durchstarteten, und massiv beeinflusst von Johnny Winter nimmt dies nicht Wunder. Doch der Mann aus San Antonio hat wesentlich mehr Stile im Blut. Mit rauer, eigenwilliger, von – zumindest – Wind und Wetter gegerbter Stimme und groovend bis swampiger Gitarre entbietet er Texas ebenso Reverenz wie New York, New Orleans oder dem Delta. Und neben dem Blues sind ihm Genres wie Roots oder Americana bis Jazz ebenso wenig fern. Was bei Black indessen markant hinzukommt, ist sein Songwriting, das jegliche Klischees sprengt. Er schafft es sogar, mit Liedern wie „Jesus & Johnny Walker“ auf manchem Index zu landen. Kein Wunder bei Zeilen wie „There’s a bible and bottle you got to choose your friend / And both of them are liars in the end“ oder „The only job an honest man can find these days / Is selling classified information.“ Neal Black hat etwas zu sagen. Und dies seit über dreißig Jahren. In den Achtzigern eröffnete er für alle Größen der texanischen Szene wie den erwähnten Stevie Ray Vaughan oder die Fab Thunderbirds, studierte aber auch Jazzgitarre unter anderem bei Barney Kessel. Diese und weitere Einflüsse vermengt er auf Tonträger wie auch live zu einer höchst eigenständigen Mischung. Wenn wir Glück haben, beim Vienna Blues Spring 2017 gemeinsam mit Larry Garner.

Bericht, Fotos: Dietmar Hoscher

Die gesamten Interviews aller Blues-Künstler finden Sie in der Ausgabe 3-16, erschienen am 1. August 2016. Zu beziehen über Abo-Bestellung oder digital, www.kiosk.at/concerto

CD/VINYL-TIPPS:

  • Jimbo Mathus „Band Of Storms“, Big Legal Mess Records

  • Kai Strauss „I Go By Feel“, Continental Blue Heaven

  • Neal Black & Larry Garner „Guilty Saints“, DixieFrog Records

WEB-TIPPS:

 


Kontakt

CONCERTO-Magazin,
P.O.Box 144, A-3830 Waidhofen/Thaya, Austria
e-mail: concerto@concerto.at 
Tel. (++43) 2842-54904
Fax (++43) 2742 222 333 93 92 

Bankadresse: Waldviertler Sparkasse Bank AG, Austria
IBAN: AT 44 20272 00900 000845
Swift/Bic-Code: SPZWAT21XXX
Empfänger: Concerto-Verein

Wo kann man das CONCERTO-Magazin kaufen?

Hier erfahren Sie es!