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blues talk FOLGE 114 : Vienna Blues Spring 2017 Revisited

In diesem Jahr haben die Briten – Brexit zum Trotz – beim längsten Bluesfestival der Welt gehörig zugeschlagen.

Paul Lamb „Live At The Royal Albert Hall“, Big Shed Music / Foto: Hoscher

Von Newcastle aus hat sich Paul Lamb über die Jahrzehnte einen superben Ruf erarbeitet, der ihn über den Blues hinaus in zahllose Genres getragen hat. Unter anderem war er an der Seite von Pete Townshend, Mark Knopfler oder auch Rod Stewart zu hören. Die Initialzündung, zur Bluesharmonika zu greifen, kam aber von niemand Geringerem als Sonny Terry. Er faszinierte den Engländer derart, dass ein Loskommen vom Blues nicht mehr möglich war. In den Siebzigern betrat Lamb die Bluesbühnen, zunächst unter dem Eindruck des ausklingenden britischen Bluesrevivals. Als er sich Smokestack Lightning anschloss, einer Band aus Newcastle, geriet er zudem immer tiefer in den elektrischen Blues Chicagos. Die Besetzung wechselte ständig, fast ebenso der Name der Gruppe. Als „Blues Burglars“ spielte Lamb dann seine erste Platte „Breaking In“ ein und formierte gegen Ende der Achtziger die Paul Lamb Blues Band, der unter anderem - wenn auch nur kurzzeitig - der Yardbirds-Schlagzeuger Jim McCarty angehörte. Die Band revoltierte schließlich gegen die schlichte Bezeichnung „Blues Band“, die Geburtsstunde der heutigen King Snakes schlug, denen mittlerweile auch Lambs Sohn Ryan „Junior“ an der Gitarre angehört.

Phil May: „Auch in der Psychedelic hatten die Songs bluesige Passagen“ / Foto: Hoscher

The Pretty Things sind ohne Zweifel eine der ältesten, noch aktiven Überbleibsel der British Invasion. 1963 von Gitarrist Dick Taylor – der zuvor für die Rolling Stones in die Basssaiten griff - und Sänger Phil May in London ins Leben gerufen, gelten sie für viele Rockhistoriker mit „S.F. Sorrow“ als Urheber der ersten Rockoper der Geschichte, noch vor „Tommy“ von The Who. Im CONCERTO-Interview mit Taylor und May offenbart sich allerdings, dass den beiden die Bezeichnung „Rockoper“ nicht konveniert und darüber hinaus diesbezüglich auch ein Konflikt mit einem gewissen Pete Townshend besteht. Aber das ist eine andere Geschichte. Wie in jenen Zeiten üblich, bedienten sich The Pretty Things anfangs des R&B- und Bluesrepertoires, das auf die Insel schwappte, stiegen jedoch bald auf eigenes Material um. Ihr Image war exaltiert, sie beeinflussten zahlreiche Kollegen, wie Robert Plant oder David Bowie, der kommerzielle Erfolg nahm indessen rapide ab, und unter dem Pseudonym Electric Banana wurden gar Filmsoundtracks auf den Markt geworfen. 1972 löste sich die Gruppe das erste Mal auf. Etliche Reunions folgten, und gerade in den vergangenen Jahren lassen May und Taylor mit ihren Mitstreitern wieder ausgiebig live und mit neuen Tonträgern von sich hören. Trotz des Alters der Frontmänner ist ihre Bühnenshow nach wie vor hoch energetisch.

Alan Nimmo: „Wir können uns die Konzerte aussuchen“ / Foto: Hoscher

Wenn der extrovertierte Frontmann, Sänger und Gitarrist im Schottenrock über die Bühne rast, denkt man im ersten Augenblick wohl an alles andere als an Blues. Doch im Fall von Alan Nimmo und King King trifft genau jenes zu. 2009 von Nimmo und Bassist Lindsay Coulson gegründet, haben King King ihre Basis in Schottland, wenngleich nur Alan Nimmo von dort stammt. Coulson und Drummer Wayne Proctor kommen aus England, Tastenmann Bob Fridzema aus den Niederlanden. Er blieb vor fünf Jahren anlässlich eines Gigs in Belgien bei der Band hängen. Seit ihrem Debütalbum „Take My Hand“ im Jahr 2011 wird der Vierer vor allem in seiner Heimat mit Awards nur so überhäuft. Mehrere British Blues Awards und eine Aufnahme in die British Blues Awards Hall Of Fame stehen zu Buche. King King sind mit ihrem Bluesrock vorwiegend in Europa unterwegs, in Clubs ebenso wie auf großen Festivals, etwa beim WDR Rockpalast oder in Glastonbury. Aber selbst Indien stand 2016 auf dem Tourplan, mit einem Auftritt in Mumbai. Blues, Soul, Rock und eine entsprechende, charismatische Bühnenpräsenz sind Teil dieser ungewöhnlichen Erfolgsstory.

CD-TIPPS

  • Paul Lamb "Live At The Royal Albert Hall", Big Shed Music 
  • The Pretty Things "Are In Bed Now, Of Course...", Repertoire Records 
  • King King "Reaching For The Light", Manhaton Records

WEB-TIPPS:

  • www.paullamb.com 
  • www.theprettythings.com 
  • www.kingking.co.uk

 

 

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