Concerto > Concerto-Ausgaben > Ausgabe 4/2017 > Jazzfestival Leibnitz 2017

Rising Stars und Elite-Liaison

Jazzfestival Leibnitz 2017 – Jazz & Wein

Zum ersten -kleinen- Jubiläum des vor fünf Jahren wiederbelebten Jazzfestivals stehen England und Frankreich im Zentrum eines an Überraschungen und Österreich-Premieren reichen Konzertmarathons. Für erhebliche Neugier sorgen schon jetzt das nigerianisch-englische Stimmwunder Ola Onabule und der britische Shootingstar Soweto Kinch.

Steven Bernstein(Sex Mob) / FotoCredit: Herbert Höpfl

Zuerst überwältigt, dann ermutigt durch den Rekordbesuch vom Vorjahr, hat sich Otmar Klammer für sein erstes Jubiläum als Festivalleiter noch etwas weiter aus dem Fenster gelehnt und ist dabei auch „mindestens zwei Wagnisse“ eingegangen. Mit dem nigerianisch-stämmigen Sänger Ola Onabule und dem rappenden Saxophonisten Soweto Kinch holt er zum einen zwar einen international schon längst gefeierten, zum anderen den aktuellen englischen Shootingstar exklusiv nach Leibnitz. Bei uns werden die beiden Musiker aber bestenfalls noch als Geheimtipps gehandelt. Solch ein Wagnis geht Klammer gerne ein, ist er sich doch des Publikumserfolgs der beiden Ausnahmemusiker sicher.

So soll die fünfte Ausgabe des rührigen Festivals in der lieblichen Weinstadt ganz im Zeichen des charismatischen Sängerphänomens aus Nigeria stehen. Denn zum „finalen Jubiläumskonzert am Samstag im Hugo Wolf-Saal darf es zur Belohnung auch einmal einen Hauch von Entertainment geben“, schürt Klammer die Neugier auf Ola Onabule. Immerhin ist der schillernde Sänger mit der mächtigen und ungeheuer biegsamen Stimme der absolute Rising Star in der Soul- und Jazzszene. Er „packt mehr musikalische Ideen und Expressivität in einen Song als andere in ein ganzes Album“. Und schon bald werde man sich um den Herrn genauso reißen wie zur Zeit etwa um den Senkrechtstarter Gregory Porter. Onabule wird das Publikum mit seinen einnehmenden Songs jedenfalls bis zu seinen nigerianischen Wurzeln führen.

Ebenso überzeugt zeigt sich der künstlerische Leiter von Jungstar Soweto Kinch, der ein unglaublich beschlagener Altsaxophonist mit einem Hang zu Rap und Black Power-Message ist.

Die “internationale Wahrnehmung von Leibnitz in der riesigen Festivallandschaft”, ein seit Beginn seiner Tätigkeit als Intendant hartnäckig verfolgtes Ziel, kann laut Klammer „nur über ein markantes inhaltliches Profil in Wechselwirkung mit Exklusivität“ führen. In diesem Zusammenhang verstehen sich auch zwei weitere Österreich-Premieren. So wird das preisgekrönte Émile Parisien Quartet erstmals zusammen mit dem Starklarinettisten Louis Sclavis hierzulande zu hören sein. Diese - eigentlich lange erwartete und fast logische französische Elite-Liaison - hat erst im April dieses Jahres ihre umjubelte Premiere im Pariser Théâtre de Cornouaille gefeiert. „Das wird wohl mein persönliches Highlight“, freut sich Klammer, zumal es auch nicht leicht gewesen sei, diese Luxusband zu bekommen.

Besonderen Wert legt das Festival auch auf instrumentale Streuung und eine schlüssige musikalische Dramaturgie. Das sei besonders bei einem breiteren Publikum eine wichtige programmatische Richtlinie, um diesem über charakteristische Sounds neue Zugänge zu ermöglichen.

So versteht sich auch das illustre New Yorker Quartett Sexmob rund um den virtuosen Slidetrompeter Steven Bernstein - übrigens der einzige US-Beitrag heuer - als fordernde Ergänzung des Programms. Diese hyperaktive Band aus der Champions League avanciert stets zum Publikumsliebling eines jeden Jazzfestivals, ist aber selten live zu hören.

Eröffnet wird das Jazzfestival Leibnitz 2017 jedenfalls wie gewohnt im Ambiente des riesigen Weinkellers auf Schloss Seggau, wo mit der Saxophonistin Tori Freestone ein weiterer Geheimtipp aus der vibrierenden britischen Jazzszene exklusiv vorstellig wird. Ebenso wie der französische Weltklasseposaunist Yves Robert, der mit seinem eingeschweißten Trio stilsicher in eine eher (jazz-) kammermusikalische Atmosphäre eintauchen wird.

Zu einem szenischen Kinderkonzert und einer Jazzfoto-Ausstellung, beides schon von Beginn an fixe Bestandteile des in Österreich schnell etablierten Festivals, kommt heuer erstmals auch noch ein Jazzfoto-Workshop auf Schloss Retzhof, der von der renommierten deutschen Fotografin Ulla C. Binder geleitet wird.

Zu den bisherigen Schauplätzen auf Schloss Seggau, im Kulturzentrum Leibnitz und der Open Air-Bühne beim Weingartenhotel Harkamp kommt diesmal noch der berüchtigte Marenzikeller für ein Late Night-Special mit dem Trio Café Drechsler. Damit geht’s am Freitag erstmals gleich bis in die Puppen.

Und erst vor kurzem konnte auch der mit Spannung erwartete Schlusspunkt für die Matinee beim Weingut Harkamp bekanntgegeben werden. Für das in den zwei Jahren zuvor regelrecht gestürmte Open Air-Konzert konnte immerhin das kultige Berliner Quartett Die Enttäuschung gewonnen werden. Ein Quartett voller Überraschungen, in dem sich bei aller gebotenen Virtuosität Humor und Irritation begegnen. Safra

Eröffnet wird das Jazzfestival Leibnitz 2017 mit der Saxophonistin Tori Freestone, ein weiterer Geheimtipp aus der vibrierenden britischen Jazzszene. / FotoCredit: Rob Blakcham

Programmübersicht Jazzfest Leibnitz 2017:

Do. 28.09.
:

Weinkeller Schloss Seggau

19.00 TORI FREESTONE TRIO (GB)

20.30 YVES ROBERT TRIO (F)

Fr. 29.09.:

Kulturzentrum Leibnitz I Carl Rotky-Saal

10.00 und 15.00JAZZ FOR KIDS DIE BEFREIUNG DER INSTRUMENTE (A) Kulturzentrum Leibnitz I Hugo Wolf-Saal

18-30 ULLA C. BINDER Vernissage mit Weinverkostung

19.00 SEXMOB (US)

21.00 SOWETO KINCH (GB)

Marenzikeller Leibnitz

23.00 Late Night Special mit CAFE DRECHSLER (A)

Sa. 30.09.:

Kulturzentrum Leibnitz I Hugo Wolf-Saal

19.30 EMILE PARISIEN QUARTET & LOUIS SCLAVIS (F)
21.30 OLA ONABULE QUINTET (NGR / GB)

So. 01.10.:

Weingartenhotel Harkamp

13.00 DIE ENTTÄUSCHUNG (D)

Tickets:

+43 3452 76506 oder www.oeticket.com

Web-Tipp: www.jazzfestivalleibnitz.at   


Jazzbus
: an allen Tagen gratis Shuttle-Service mit dem Bus Graz - Leibnitz - Graz. Anmeldung erforderlich unter Tel. +43 3452 76506

Kontakt

CONCERTO-Magazin,
P.O.Box 144, A-3830 Waidhofen/Thaya, Austria
e-mail: concerto@concerto.at 
Tel. (++43) 2842-54904
Fax (++43) 2742 222 333 93 92 

Bankadresse: Waldviertler Sparkasse Bank AG, Austria
IBAN: AT 44 20272 00900 000845
Swift/Bic-Code: SPZWAT21XXX
Empfänger: Concerto-Verein

Wo kann man das CONCERTO-Magazin kaufen?

Hier erfahren Sie es!