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Karen Asatrians neues Werk „Prayer Wheel“

Musik für Chor und Jazz-Ensemble

Der Keyboarder, Pianist und Komponist Karen Asatrian (1972 Jerewan, Armenien) hat eine Messe geschrieben, auf christlich liturgischer Basis, mit einem buddhistischem Namen, die orientalische und klassische Musik mit dem Jazz verbindet: „PRAYER WHEEL“.

Karen Asatrian / FotoCredit: Helmut Weichselbraun

Karen Asatrian kennt man vor allem als Leiter seiner Gruppe „Armenien Spirit“, bei der er armenische traditionelle Musik als Ausgangsbasis für seinen hochenergetischen, spannenden Jazz verwendet. Für sein neuestes Opus, die Messe „Prayer Wheel“ hat Asatrian musikalisch noch viel weiter ausgeholt und ein Völker-Religionen-Musikstil verbindendes Werk geschaffen, das in dieser Form einzigartig ist.

„Prayer Wheel“, übersetzt: Die Gebetsmühle, auch Mani-Mühle oder Mani-Rad, ist eine Walze, die auf einer Papierrolle aufgedruckte Gebete oder Mantras enthält oder außen mit solchen verziert ist. Sie wird gedreht, um geistig-spirituelle Inhalte miteinander zu verknüpfen. Bei Karen Asatrian sind, im übertragenen Sinn, allerdings die Texte der frühchristlichen Liturgie wie Kyrie, Gloria, Credo und Sanctus abgedruckt, und für das orientalische Klangbild sorgt der Komponist selbst.
„Diese Messe ist eine Synthese dessen, was mir die Geschichte meines Lebens gebracht hat. Ich bin in Armenien geboren, habe klassische Musik und Jazz in Europa studiert, und all diese Erfahrungen sind in diesem Werk, das auch als Danksagung verstanden werden kann, eingeflossen. Die wichtigste Botschaft dieses Opus ist, dass unterschiedliche Religionen, Christentum, Islam, Buddhismus u.a. in der Musik in einem harmonischen großen Miteinander existieren können und dass dies, wenn es in der Musik so wunderbar funktioniert, ja auch für die Menschen möglich sein müsste.“
Karen Asatrian hatte sich, um ein Gefühl für die frühchristliche Liturgie zu entwickeln, einen Theologen geladen, der ihm durch Lesungen die Gefühlslagen von Kyrie, Credo usw. nähergebracht hat, also Engelsgesang, Freude, Furcht und nicht zuletzt auch Respekt. Diese Stimmungen, mit ihren unterschiedlichen Farben, hat Karen Asatrian als Grundlagen zur Vertonung verwendet.
Tatsächlich ist Karen Asatrian mit „Prayer Wheel“ ein wunderbares Werk gelungen, das auf spannende Weise so vieles miteinander verbindet. Faszinierend ist, dass man keine Stilwechsel erkennen kann, denn Asatrian teilt sein Werk nicht auf den verschiedenen Stilen auf, also wie etwa von A-H hören wir Klassik, von I-M, hören wir Jazz, von N-Z werden folkloristische Themen in den Vordergrund gestellt. Nein, „Prayer Wheel“ bietet von Anfang bis Ende ein musikalisch höchstspannendes A-Z ohne Stilknackpunkte.
Die Messe, die in D-Dur beginnt, einer feierlichen Tonart, in der viele Messen in der Geschichte der klassischen Musik komponiert wurden, aber auch mit Moll Tonarten nicht geizt, lässt genügend Raum für hervorragende Soli und natürlich das, was den Jazz als wichtigstes Element auszeichnet, nämlich die Improvisation. All dies zu einem harmonischen Ganzen zu führen, ist schon hohe Kunst.
Zu hören sind der Philharmonia Chor Wien, beim Dirigat unterstützt Davorin Mori. Das Jazz Ensemble besteht aus Daniel Nösig, Trompete, Uli Langthaler, Bass und Emil Kristof, Schlagzeug. Mit dabei ist auch die Sängerin Rita Mosevsian, die mit ihren wunderbaren Solo Passagen für ein paar weitere Glanzlichter sorgt.
Erschienen ist „Prayer Wheel“ bei „Skylark“, dem Label von Paul Urbanek und Wolfgang Puschnig, der, so wie auch Rita Mosevsian, ein wichtiger Bestandteil von Asatrians Gruppe „Armenien Spirit“ist, die nach wie vor existiert und von der es demnächst auch wieder Neues geben wird.
Natürlich wird es nicht einfach sein, viele Termine für Live Auftritte zu organisieren, denn die Besetzung ist, natürlich auch durch den Einsatz des großen Chores, riesig. Doch am 10. Dezember wird Karen Asatrian, der bei der Messe natürlich die Aufgabe des Pianisten übernimmt, mit „Prayer Wheel“ live in Klagenfurt zu erleben sein.
Bis dahin bereitet auch die CD, ein Mitschnitt der Live Aufführung der Messe, entstanden in Salzburg im Juli 2016, sehr viel Freude. Musik hat eine Völker, Religionen verbindende Kraft, ist eine Sprache, die überall auf der Welt verstanden wird, wenn man sich ihr öffnet, und Karen Asatrian macht genau dies, er öffnet mit seiner Musik, die auch musikalisch scheuklappenlos, so vieles miteinander verbindet, Räume. Räume, in denen man sich ganz ohne Angst wohlfühlen und einander begegnen kann. Christian Bakonyi

CD-Tipp:
Karen Asatrian "Payer Wheel" -
Music for Choir & Jazz Ensemble, Skylark Production

Web-Tipp:
http://asatrian.net

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