Make America Grateful Again

Während der US-Singer-Songwriter Tom Petty mit seinen Heartbreakers zum 40jährigen Bandjubiläum laut eigenen Angaben „seine letzte große Tour spielt“, sind die Nachfolger der Hippie-Kultband Grateful Dead gerade wieder auf den Geschmack des Tourens gekommen. 

Dead & Company live in Chicago, Juni 2017 / FotoCredit: Thorsten Leitgeb

Chicago, Ende Juni 2017. An drei aneinander folgenden Tagen füllen Musik Acts anstelle von Baseballspielern das Wrigley Field, die legendäre Heimstätte des aktuellen Baseball Champions Chicago Cubs.

Gleich zwei Abende hintereinander sind Dead and Company, so heißt die letzte Reinkarnation der legendären Grateful Dead, zu Gast und bringen den Geist der 1960er in das 1914 eröffnete Stadion. Vor zwei Jahren feierten Grateful Dead mit allen noch lebenden Originalmitgliedern ihr 50jähriges Bandbestehen. Der Hype, den diese unter dem Titel „Fare Thee Well“ veranstalteten Abschiedskonzerte unter den Deadheads, so heißen die Die-Hard-Fans, die für ihre Treue und Reiselust bekannt sind, auslöste war enorm! Aus dem ursprünglichen Abschiedskonzert wurden fünf Shows mit 360.000 Fans, die der Band einen Gewinn von mehr als 50 Mio. Dollar einbrachten.

Schon unmittelbar nach der allerletzten Fare Thee Well Show, die auch in Chicago stattfand, verkündete Bob Weir, dass es immer irgendwie weitergeht, und nur knapp vier Monate später wurde die Formation Dead and Company der Öffentlichkeit vorgestellt. Bestehend aus den Grateful Dead Mitgliedern Bob Weir (Gitarre), Bill Kreutzmann und Micky Hart (beide Drums bzw. Percussion) sowie Keyboarder Jeff Chimenti, Ex-Allman Brothers Band Bassist Oteil Burbridge und Leadgitarrist John Mayer. Bei der Besetzung von Mayer, der 2003 mit „Your Body Is a Wonderland“ einen Welthit landete, als Nachfolger für den 1995 verstorbenen Grateful Dead Übervater Jerry Garcia, war die Skepsis unter den Deadheads zunächst groß. Doch die Zweifler wurden eines Besseren belehrt. Denn die Chemie in der Band stimmte von Anfang an, und je mehr Konzerte sie spielte, desto euphorischer wurden die Kommentare der Deadheads in den sozialen Netzwerken, dass hier ein absolut würdiges Zelebrieren des Grateful Dead Erbes stattfindet.

Auch bei den beiden Abschluss-Gigs der aktuellen Tournee, die wie ein generationsübergreifendes Hippie-Treffen wirken, zeigen sich Dead and Company in Bestform. Die einzelnen Bandmitglieder präsentieren sich perfekt aufeinander eingespielt und führen die Songs in Sphären, die das Herz eines jeden Deadheads höher schlagen lassen. Die ausufernden, improvisierten Jams waren schon das Markenzeichen der Grateful Dead, und sie werden auch von der neuen Besetzung gepflegt. An beiden Abenden bekommt das Publikum eine völlig unterschiedliche Set-list zu hören, nur das legendäre „Dark Star“, immer schon ein ganz besonders gewürdigtes Stück im Grateful Dead Repertoire, wird zweimal zum Besten gegeben – am Freitag in einer plugged-in- und am Samstag in einer Akustik-Version. Bei den insgesamt zwanzig Konzerten der Tournee werden überhaupt 104 unterschiedliche Songs aufgeführt. In erster Linie Grateful Dead Klassiker und dazu ein paar Coverversionen von Klassikern wie beispielsweise „Dancing in The Streets“ oder „Not Fade Away“.

Das Samstagabendkonzert und damit auch die Tour beenden die Dead mit dem Song „Sunshine Daydream“ (vom 1970 erschienenen Album „American Beauty“) und einem dazu orchestrierten Feuerwerk. Doch kann es das gewesen sein? Mitnichten. John Mayer twitterte schon am nächsten Tag darüber, dass er, ebenso wie viele Fans, nun den Blues habe und nicht wisse, was er mit seiner Zeit anstellen solle. Es bleibt darum zu hoffen, dass es Dead and Company bald auch nach Europa schaffen, um auch das hiesige Publikum mit ihren Jams und dem Spirit der Sixties zu verzaubern.

40 Jahre Heartbreakers

Schon am Tag vor den Dead-Shows spielte Tom Petty mit seinen Heartbreakers im Wrigley. Die Ankündigung der letzten großen Tour zeigte Wirkung, denn das Konzert zum 40jährigen Bandjubiläum war bereits seit Monaten ausverkauft. „Wir werden schon noch weiterspielen“, meint Petty, „aber es ist unwahrscheinlich, dass wir in Zukunft nochmals 50 Konzerttermine in eine Tour packen“. Schade eigentlich, denn die Fans wurden mit einem wahren Hitfeuerwerk verwöhnt: schon beim Opener „Rockin' Around (With You)“ hält es das Publikum nicht mehr auf den Sitzen, und bei „Last Dance With Mary Jane“, „I Won’t Back Down“, „Free Fallin‘“, „Into The Great Wide Open“ und der Akustikversion von „Learning To Fly“ singt das gesamte Stadion lautstark jedes Wort mit. Die hervorragende Stimmung trübt nur, dass Petty ein wenig zu routiniert sein Repertoire zum Besten gibt. Ob es sich bei seinen Aussagen wirklich um Altersmüdigkeit oder um einen einfachen Konzertticketverkaufstrick à la Rolling Stones handelt, wird die Zukunft weisen. Thorsten Leitgeb

CD-/DVD-Tipp:

Grateful Dead “Fare Thee Well – Celebrating 50 Years Of Grateful Dead”

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