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Balázs Balogh Quintet: Multikulti-Hard Bop

Man muss es immer wieder sagen: Die Grazer Kunstuniversität ist für den Jazz ein Segen. MusikerInnen aus der ganzen Welt werden an dieser Institution ausgebildet und finden gemeinsam kreative Ergebnisse. Eines der aktuellsten Beispiele dafür ist der ungarische Drummer Balázs Balogh mit seinem Quintett.

Balázs Balogh / FotoCredit: Peter Purgar

Auf seiner 1. CD unter eigenem Namen bindet Balogh 9 KollegInnen ein, die 7 seiner Eigenkompositionen sehr altruistisch formulieren. Um einen speziellen, individuellen Sound zu schaffen, band sich Balázs die Kochschürze um, nahm den Kochlöffel (also seine Drumsticks) zur Hand und rührte einen Eintopf an, der aus konventionellem Hard Bop und Prisen an Folk aus Ungarn und der Balkan-Region besteht. Um jedoch nicht in Lethargie und drögen Epigonismus zu rutschen, tobt das Quintett immer wieder in Odd-Meters, experimentiert mit Polyrhythmik oder stochert phasenweise in aufreizendem Free Jazz. Das alles mit Maß und Ziel, der Gesamteindruck scheint Balogh relevant. Offenbar will er nicht unbedingt Spektakuläres an die Spitze seiner musikalischen Agitationen positionieren.

MusikerInnen aus 5 verschiedenen Staaten

Dass die Vorhaben des aus Pécs stammenden Schlagzeugers auch funktionieren, hängt sicher damit zusammen, dass er MusikerInnen diverser Provenienz in den KUG Studios begrüßte. Neben dem Bandleader hören wir 2 weitere Ungarn, Márton Fenyvesi (git) und Lajos Tóth (p), aus Brasilien Gustavo Boni (b) und Marcelo Valezi (ts, fl), die tschechische Flötistin Andrea Sulcová und die 2 Steirer Thomas Wilding (b) sowie Tobias Pustelnik (ts). Zu ergänzen wäre noch der Star der Band: Der Austrokroate Pippo Corvino (git) wirkt bei einer Nummer, „Daybreak“, mit. Nach eigenen Worten speicherte Balázs in den letzten Jahren Gefühle, Stimmungen, Geschichten, Erinnerungen und Inspirationen, die er nun in einer nachvollziehbaren Sinnlichkeit („Evening Song“ oder „Things That Should Have Been Said“) widerspiegelt. Doch u.a. auch die beiden Südamerikaner haben ihre Spuren hinterlassen. „Daybreak“ oder „Passing Fancy“ jonglieren phasenweise mit dem Fluidum des Latin-Jazz. Balázs Balogh stellt sich als Bandhead und Drummer nicht großartig in den Vordergrund. Für ihn zählt vermutlich mehr das Kollektiv als die Challenge, die KollegInnen zu übertrumpfen. Wirkt sehr sympathisch. ewei

 

CD-TIPP: Balázs Balogh Quintet, „Borderline Inspirations“, Unit Records, Vertrieb: Harmonia Mundi

WEB-TIPP: www.balazsmusic.com

 

 

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