Concerto > Concerto-Ausgaben > Ausgabe 4/2018 > Michaela Rabitsch & Robert Pawlik

„Gimme The Groove“ - Michaela Rabitsch & Robert Pawlik

Kapstadt, Tokyo, Teheran, Chicago, Delhi, Hong Kong und immer wieder Wien heißen einige der Stationen, an denen Österreichs „first couple of jazz“ im Lauf der vergangenen Jahre zu hören war: eine singende Trompeterin und ein Gitarrist, die sich ihre Musik selbst schreiben und sowohl im Duo als auch in Quartettbesetzung äußerst erfolgreich sind. Der neueste Geniestreich von Michaela Rabitsch und Robert Pawlik heißt sehr treffend „Gimme The Groove“.

Michaela Rabitsch und Robert Pawlik / Foto: Sepp Gallauer

„Gemeinsame Ziele und Interessen sind ja bekanntlich nicht schlecht für eine Beziehung“, sagen Michaela Rabitsch und Robert Pawlik, die nicht nur auf der Bühne, sondern auch privat ein Paar sind. Die beiden stehen seit 2 Jahrzehnten gemeinsam auf diversen internationalen Bühnen und haben auch noch zwei Kinder großgezogen, was zumindest logistisch eine große Herausforderung darstellte.

Es war Liebe auf den ersten Blick: „Wir haben uns vor mehr als 20 Jahren bei einer Jazzsession im Tunnel kennen gelernt. Anfangs hatte jeder von uns beiden seine eigenen Projekte, aber schon kurz danach gründeten wir unser eigenes Quartett.“ Die Konstanten in diesem Quartett sind Schlagzeuger Dusan Novakov und Bassist Joe Abentung; auf der aktuellen CD sind außerdem Stefan „Pista“ Bartus (Bass) sowie Vinayak Netke (Percussion), Edin Bosnic (Akkordeon) und Alexander Lackner (Bass) zu hören. Robert Pawlik: „Wir wollen einen kompakten Bandsound und Musiker, die das Repertoire wirklich können. Das garantiert, dass die musikalische Qualität konstant hoch ist. Wenn man ein Programm so gut kann, dass jeder auswendig spielt, hört man das. Eine gut zusammengespielte Band ist durch nichts zu ersetzen.“

Michaela Rabitsch über die Verbindungen zwischen privater und beruflicher Partnerschaft: „Die Tatsache, dass wir auch privat ein Paar sind und gemeinsam hinter unseren Projekten stehen, ist musikalisch ein großer Vorteil. Wir komponieren beide und können jederzeit gemeinsam etwas ausprobieren. Streitigkeiten bezüglich der idealen Tonart für das jeweilige Instrument sind natürlich vorprogrammiert, aber wir haben bis jetzt immer noch einen Kompromiss gefunden. Und bei Tourneen ist es natürlich toll, dass wir gemeinsam unterwegs sind.“

Michaela Rabitsch

Von Scheibbs bis Nebraska

Apropos Tourneen: Das Duo bzw. Quartett von Michaela Rabitsch und Robert Pawlik hat schon ganz Europa, Afrika, Asien und Nordamerika bereist, oder, frei nach dem Songtext von Georg Danzer, „von Scheibbs bis Nebraska“ auf ganz großen wie kleineren Bühnen gastiert. Das Rabitsch/Pawlik Quartett war die erste österreichische Band, die beim renommierten Jazzfestival in Kapstadt neben Größen wie George Benson oder Toots Thielemans auftrat; zum Tokyo Jazzfestival wurden sie sogar schon zweimal eingeladen. Und das Jubiläum „20 years together on the road“ begeht man standesgemäß mit bis dato 1500 Konzerten in knapp 50 Ländern auf vier Kontinenten. Alle Achtung ...

Dass diese vielen Reisen auch ihre musikalischen Spuren hinterlassen, versteht sich fast von selbst. Michaela und Robert sind stets mit offenen Ohren unterwegs und sammeln klingende Souvenirs wie andere Leute Bierdeckel. Am intensivsten sind ihre Reiseeindrücke wohl auf der 2012 erschienenen CD „Voyagers“ dokumentiert; hier fließen ethnische Farben aus Marokko, Bulgarien, Serbien, Spanien und Kuba in den jazzigen Stilmix ein. Robert Pawlik: „Es macht einfach Spaß, neue Länder zu sehen und dort vor einem vollkommen neuen Publikum Konzerte zu spielen. Man lernt neue Musiker und neue Musikstile kennen. Immer wieder gibt es da auch die Gelegenheit zu Kooperationsprojekten, oft mit Musikern aus ganz anderen Kulturkreisen. Das ist inspirierend, eröffnet neue Sichtweisen und bringt neue Ideen.“

Michaela Rabitsch ergänzt: „Wir wollen keine Weltmusik im herkömmlichen Sinn machen. Unsere Heimat ist eindeutig der Jazz, und Elemente aus verschiedenen Musiktraditionen bereichern sozusagen unseren musikalischen Wortschatz. Aber gerade in Indien, Osteuropa und Afrika gibt es großartige Musik, in der auch improvisiert wird, und diese Musiktraditionen eignen sich ganz hervorragend zu Fusions mit dem Jazz.“ Ein bis heute bestehendes Projekt, das vor diesem Hintergrund entstand, ist Indian Spirit. Die Geburtsstunde dieser Band, in der Michaela und Robert mit dem Tabla-Virtuosen Vinayak Netke aus Mumbai spielen, schlug 2011 während einer Indien- und Malaysia-Tournee. „Es ist eine interessante Abwechslung zum klassischen Quartettsound, nicht nur für uns, sondern auch für unser Publikum.“

Gesang und/oder Trompete?

Michaela Rabitsch, die aus Weyer/OÖ stammt, durchlief zunächst eine typische Musikschulkarriere mit Blockflöte und Violine. Später studierte sie klassische Violine und Handelswissenschaften, kam aber gleichzeitig mit dem Jazz (Miles Davis, Weather Report) in Berührung und beschloss mit 23 Jahren zur Trompete zu wechseln. Sehr zum Leidwesen ihrer Mutter, die nach einer Schocksekunde nur trocken anmerkte: „Naja, in da Weyrer Blasmusi brauchen s’ eh noch Trompeter“. Am Brucknerkonservatorium in Linz studierte Michaela das Instrument, das sie schon immer fasziniert hatte, u.a. bei Ingrid Jensen und Peter Tuscher. Tja, und nach einigen musikalischen Gehversuchen, z.B. mit einer Rock’n’Roll-Band und ihren Frauenbands Ladybirds und Sophisticated Ladies, traf sie Robert Pawlik – siehe oben.

Was Michaela aber ziemlich einzigartig macht, ist die Tatsache, dass sie – üblicherweise sogar mehrmals innerhalb eines Songs – nahtlos von der Trompete oder dem Flügelhorn zum Gesangsmikro wechselt. „Das ist reines Training. Ich habe meine Mikrofone immer so positioniert, dass ich keine Wege habe. Aber natürlich ist es fordernd. Wenn eine Sängerin ihren Part gesungen hat und sich entspannt zurücklehnt, weil ein anderes Bandmitglied soliert, komme ich mit dem Trompetensolo dran … Aber trotzdem möchte ich diese Abwechslung nicht missen!“

Robert Pawlik

Jazz mit einer Prise World

Die Marke Rabitsch/Pawlik steht für eingängige, klare Melodien, satte Grooves, inspirierte Improvisationen und "feel good"-Atmosphäre, kurz: Jazz in seinen verschiedensten Ausformungen und mit Zutaten wie Rock, Latin, Hardbop, ethnischen Traditionen oder Blues gewürzt. "Stilistisch sind wir sehr breit aufgestellt, da wir von vielen songorientierten Jazzstilen Elemente einfließen lassen. Wir haben uns beide mit diversen Stilen des Jazz, jazzverwandter Musik und auch unterschiedlichsten ethnischen Musiktraditionen beschäftigt. Bei unseren Kompositionen bedienen wir uns eines großen musikalischen Vokabulars und versuchen uns nicht von Genregrenzen einengen zu lassen."

Auf dem neuen Album "Gimme The Groove" haben sich Michaela und Robert die kompositorische Arbeit wieder gerecht aufgeteilt und auf einen ausgewogenen Mix von vokalen und instrumentalen Titeln geachtet. Hier ist alles handgemacht, auch die Aufnahme und der Mix im hauseigenen Studio Pawlik. Und es gibt wieder diese für die Band typischen "ethnischen Gewürzmischungen": Da wäre einmal der "Roboraga", den Robert basierend auf der Skala des Raga Bhairava schrieb, oder der unbeschwert fröhliche "African Song", den Michaela dem vor kurzem verstorbenen Hugh Masekela gewidmet hat.

Als besonderer Leckerbissen darf eine Version des Led-Zeppelin-Klassikers "Kashmir" bezeichnet werden. Robert Pawlik ist seit jeher ein großer Fan der legendären Band, und kurz vor dem Studiotermin flog ihm die Arrangementidee plötzlich zu: "Einige Wochen bevor wir unsere geplante Aufnahme mit Vinayak machten, hörten wir im Auto die Aufnahme von Plant und Page mit dem ägyptischen Orchester, und da kam die Idee das Stück noch weiter zu verändern und es mit Tablas, Darbuka, Bouzouki und Balkanakkordeon aufzunehmen. Kashmir ist eine Region im Himalaya in Pakistan an der Grenze zu Indien - da war der Bezug zum Indian Project naheliegend."

Die restlichen Tracks von "Gimme The Groove" zeichnen sich durch feine Instrumentierung (Robert Pawlik spielt verschiedenste elektrische und akustische Gitarren sowie Bouzouki) und positive Energie aus, wie z.B. der swingende Titeltrack oder der Bossa Nova "Shake It", der durch zarte Percussion (Tabla und Shaker) besondere Transparenz erhält. "Blues For Nat" wiederum ist ein Mid-Tempo-Blues ganz in der Hardbop-Tradition von Nat Adderley. Der einzige Song, der sich stimmungsmäßig abhebt, ist der Schlusstrack "Requiem". "Wir waren nicht ganz sicher, ob er auf die CD passt, da wir ihn eher als Soundtrack für einen Film gesehen haben. Als wir aber dann auch darüber improvisierten, war klar, er muss drauf, weil er emotional so stark ist." Auf alle Fälle bildet er einen dramatischen Schlusspunkt für eine starke und abwechslungsreiche CD.

Live in Kapstadt (Südafrika)

Höhen und Tiefen

Das Michaela Rabitsch/Robert Pawlik Quartett hat heuer schon wieder tausende Kilometer zurückgelegt: Im Juni war man in Äthiopien (Addis Abeba) und China (Hong Kong), im Juli gab’s unter anderem Konzerte in den Bundesländern, bei der Eröffnung der Salzburger Festspiele, bei Jazz in the City Gastein oder Jazz im Donaupark Linz, und der Konzertkalender für die kommenden Monate ist bereits gut gefüllt. Was waren eigentlich die Höhen und Tiefen ihrer bisherigen Karriere, möchte ich abschließend wissen. Robert Pawlik: „Fangen wir mit den Höhen an: Das waren sicherlich unsere Auftritte bei diversen großen Festivals, wobei Duo- und Quartett-Konzerte zwei verschiedene Paar Schuhe sind. Das Quartett bietet natürlich viel mehr Möglichkeiten, ein Stück interessant zu arrangieren, Sounds zu kreieren, ein größeres Spektrum an Dynamik und Kraft. Wir haben aber auch schon vor 5000 Zusehern (Open Air in Athen) zu zweit gespielt. Gute Nerven waren da gefordert, auf einer Bühne, die groß genug für zwei Big Bands war. Der Sound des Duos ist einfach viel kammermusikalischer und transparenter, was seinen eigenen Charme hat, aber natürlich konzertante Atmosphäre erfordert. Als Musiker ist man im Duo extrem gefordert, da gibt es keine Pausen.“

Und die Tiefen? Beide lachen, dann meint Michaela: „2005 haben wir unsere zweite CD, das Duo-Album ‚Just The Two Of Us’ bei Challenge Records International (Holland) herausgebracht, und ein weltweiter Vertrieb wurde uns versprochen. Wir haben uns mächtig ins Zeug gelegt, auch finanziell bei den Produktionskosten, und haben vom Label nie einen Cent gesehen. Um diesen Zeitpunkt herum hatten wir auch einen wenig rühmlichen Auftritt: Ein Sonntagabendkonzert in der Kulisse in Wien vor vier Zuschauern. Diese vier sind allerdings nach diesem Privatkonzert zu Hardcorefans geworden und kommen noch immer regelmäßig zu unseren Konzerten.“ Martin Schuster

aktuelle CD:
Michaela Rabitsch & Robert Pawlik „Gimme The Groove“, TOAK Music, Vertrieb: Preiser Records

Live-Tipps:

06.09.: Währinger Jazzherbst, 1180 Wien, Kutschkermarkt
08.09.: Donaustädter Jazz- & Genusstag, 1220 Wien, Seestad
13.09.: Ausstellung "Gemeindebauten des roten Wien", 1150 Wien, Wohnpartner
14.09.: Jazztage Baden, Trabrennbahn Baden
21.09.: Musikalische Innenstadt, St. Pölten
28.09.: Friday Jazz Nights, 1010 Wien, Hotel Imperial
11.10. : Festsaal, Bezirksvorstehung Döbling, 1190 Wien18.10.: Ferdinand Kral Saal, 1120 Wien
21.10.: Jazzbrunch, 1070 Wien, Arcotel Wimberger
26.10.: Jazzclub Teplice, Tschechien
13.01.: Opernbrunch, Landestheater Linz

Diskografie:
- Two Of A Kind „A Tribute To Louis Armstrong“ (TOAK/Preiser Records, 2002)
- Michaela Rabitsch & Robert Pawlik „Just The Two Of Us“ (Challenge Records, 2005)
- Michaela Rabitsch & Robert Pawlik Quartet „Moods“ (Extraplatte/Preiser Records, 2008)
- Michaela Rabitsch & Robert Pawlik Quartet „Voyagers“ (Extraplatte/Preiser Records, 2012)
- Michaela Rabitsch & Robert Pawlik „Christmas All Stars“ (TOAK/Preiser Records, 2014)

Web-Tipps:
www.michaelarabitsch.com, www.robertpawlik.com

Kontakt

CONCERTO-Magazin,
P.O.Box 144, A-3830 Waidhofen/Thaya, Austria
e-mail: concerto@concerto.at 
Tel. (++43) 2842-54904
Fax (++43) 2742 222 333 93 92 

Bankadresse: Waldviertler Sparkasse Bank AG, Austria
IBAN: AT 44 20272 00900 000845
Swift/Bic-Code: SPZWAT21XXX
Empfänger: Concerto-Verein

Wo kann man das CONCERTO-Magazin kaufen?

Hier erfahren Sie es!