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Waidhofen a.d. Thaya - 40 Jahre im Dienste der Vielfalt

Eine Palette an opulenten Stilen

Gerade auch die 40. Auflage hat eindrucksvoll unter Beweis gestellt, was Festival-Director Herbert Höpfl mit seinen unzähligen ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auf zwei Bühnen zu bringen vermag. Dass das Publikum ein Festival 40 Jahre lang treu unterstützt, ist allein schon bemerkenswert. Wenn darüber hinaus die Organisatoren noch immer musikalisch Wert-, Anspruchs- und Stilvolles zu bieten willens und in der Lage sind - noch dazu fast vollständig "verschont" von öffentlichen Förderungen - umso mehr. Am Beginn von manchen als "Lagerfeuerfestl" belächelt, hat sich Waidhofen a. d. Thaya längst als "Musikfest" etabliert, das diesen Titel vollkommen zu Recht führt.

Jon Sass & Wolfgang Puschnig / Foto: Josef Leiter

Das 40. Internationale Musikfest Waidhofen a. d. Thaya begann am Freitag (28. 06) pünktlich um 18 Uhr auf der Thayabühne. Das österreichische Duo SFYA schraubte etwaige Hektik gleich einmal runter. Su Rehrl (Gesang, Loops) und Marc Bruckner (p, syn, git u.m.) schickten einen mit sphärischen Klängen auf die Reise. Begann man subtil, entwickelt man bald durch Loops und Samples voluminöse Sounds, die beeindruckten. Um 19.00 starteten auf der Hauptbühne 2 international angesehene Jazzer: Jasper van´t Hof (p, keyb) und Harry Sokal (ss, ts). Nachdem Sokal lange bei Oeuvre, einer Band van´t Hofs, gespielt hatte, gab es live ein Wiedersehen. Jeder der beiden stellte Kompositionen aus eigener Feder zur Verfügung, die vor allem hören ließen, dass 2 Virtuosen auf eine Zuordnung nach Musikstil radikal verzichteten. Der Holländer Jasper und der Wiener Harry rührten in einem farbenfrohen Schmelztiegel an Musik. Ab 20.30, wieder auf der Thayabühne, lernte man den Liedermacher Felix Kramer kennen. Der Mann ist derart authentisch und glaubwürdig in seinen Texten, dass es einem kalt über den Rücken läuft. Ein intensiv rares Erlebnis. Ab 21.45 enterten 2 Gitarristen die Hauptbühne, die die Zuhörerschaft in die Ekstase jagten: Der Kroate Branko Galoic (auch Gesang) und der Portugiese Francisco Cordovil interpretierten ihr musikalisches Gemisch an Flamenco, Fado, Chanson und Balkan-Sounds derart explosiv und mitreißend, dass das Publikum in beinahe hysterische Begeisterung geriet. Das Betthupferl reichte einem der skurril komische Austrofred (aka Franz Wenzl) in Form einer Lesung aus seinen Büchern und wenigen musikalischen Kostproben in seiner Mission als Reinkarnation Freddie Mercurys. Selten so gelacht. Bevor Ruhe eintrat, rumpelten Attwenger, also Markus Binder (dr) und Hans Peter Falkner (Ziehharmonika) nach Mitternacht noch über die Hauptbühne. Wie gewohnt und geschätzt, gab es eine wilde Mischung aus Volksmusik, Punk und Elektronik mit oft gesellschaftskritischen Texten. Zartbesaitet ist das Duo nicht, sondern heftig, ehrlich und fern jeder Anbiederung.

Jasper Van't Hof / Foto: Herbert Hoepfl

Am Samstag startet, kurz nach Mittag, auf der voll besetzten Hauptbühne die in Albanien geborene, in der Schweiz lebende Sängerin Elina Duni mit Gitarrist Rob Luft und Percussionist Fred Thomas einen bunten World-Jazz-Auftritt der Sonderklasse. Wer nun vermeint, damit wäre die Stilistik vorprogrammiert, irrt. Gewaltig! Denn mit den nachfolgenden Brüdern - und europäischen Jazzikonen - Rolf und Joachim Kühn wird dem Publikum nachdrücklich "schwerere" Kost vorgesetzt, welche indessen auf nicht minder enthusiastischen Boden fällt. Die Verpflichtung der Kühns für ein Outdoor-Festival, Rolf Kühn feiert im September immerhin seinen Neunziger, darf ruhig als "sensationell" gefeiert werden. Daran anschließend afro-lateinamerikanische, authentische Worldmusic von Betsayda Machado & Parranda El Clavo aus Venezuela, die Temperatur zusätzlich anheizend. Nicht minder feurig einer der heimischen Ausnahmegitarristen, Harri Stojka mit seiner Beatleshommage und schließlich die Verbeugung der zahlreichen, exzellenten Musikerinnen und Musiker der Region vor einem anderen Festival, das 2019 seinen 50er feiert: Woodstock. Martin Schusters Mammutprojekt "40th Anniversary Elephant Memory Band" feiert Woodstock-Klassiker in frischem Gewand, unter Mitwirkung von Jon Sass, Wolfgang Puschnig und Harry Sokal. Auffällige Unterschiede zwischen den "Hippie"-Festivals Woodstock und Waidhofen a. d. Thaya: Das Waldviertel bietet deutlich besseres Wetter, deutlich bessere Verpflegung und eine exzellente - auch sehr kinderfreundliche - Organisation. Auf der Thaya-Bühne wiederum finden sich unter anderem die Mundart-Chansons von Valentin Lichtenberger & Die Zuckerbäcker oder - bei elektrischem Kerzenlicht - die stilistischen Grenzüberschreiter von Alma. Selbstredend, dass auch die beiden anderen Tage derart gestaltet waren, von der Sonntags-Matinee mit der Grande Dame des stilistisch breit gefächerten (Wiener) Chansons Erika Pluhar & Band (Klaus Trabitsch, der schon vor 40 Jahren beim 1. Musikfest in Waidhofen a.d. Thaya mit dabei war, Adula Ibn Quadr und Roland Guggenbichler) über die heimischen Multi-Jazz-Amalgam-Shooting-Stars Shake Stew bis zum Abschluss mit den Waidhofen-Stammgästen, der Mojo Blues Band, diesmal mit Gisele Jackson, und Axel Zwingenberger. Ernst Weiss / Dietmar Hoscher

Web-Tipp: www.folkclub.at 

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