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Saitenfalter: Ambitionierte Abenteurer

Haben Jazzmusiker das Gefühl, es sei nun schon so ziemlich alles gesagt, reiben sie sich an einem neuen Formbewusstsein. Auf ihrer brandneuen CD "Auf der Suche danach" lässt sich das Trio Saitenfalter darauf ein, die Balance zwischen Komposition und Improvisation auszuloten.

Saitenfalter / FotoCredit: Stefanie Freynschlag

Die Partnervermittlung der Band erledigte die Anton Bruckner Privatuniversität in Linz, an der die drei Herren ihr Studium absolvierten; das ist noch nicht lange her. Der Cellist Carles Munoz Camarero übersiedelt sogar aus Barcelona in die Stahlstadt, um ab 2015 bei Andreas Schreiber zu lernen. Vorher hatte Camarero allerdings schon in der Heimat ein klassisches Studium abgeschlossen. Tobias Pöcksteiner (Bass), Schüler von Stephan Maaß, und Raphael Schuster (Schlagzeug) sind Niederösterreicher und eventuell deswegen schon durch ihr Mitwirken bei anderen Projekten im Osten bekannter. Natürlich ist die instrumentale Besetzung des Trios eine Provokation und ein Indiz, dass man Grenzen überwinden will und keine Lust hat, sich an Konzepte jedweder Art zu halten. Der Spanier mit seinem Cello, das sicher eher zur Klassik gehört, lässt sich auf einen wilden Diskurs mit einem Bassisten ein, der - manchmal - konzeptionierte Strukturen aufbaut, und einem Drummer, der mit seinem Stil oft an den Folk nordamerikanischer Indianer oder einen knochentrockenen Rock-Schlagzeuger erinnert; und das soll Raphael Schuster als Kompliment erreichen.

Weitgehender Abschied von Konzept und Struktur

Der Saitenfalter ist sozusagen eine würzige Mischung, die von heftig freien Improvisationen und selteneren Kompositionen der üblichen Machart charakterisiert ist. Mit zwei Gästen, die sich bei 8 der 13 Nummern einbringen, baut man noch mehr Spannung auf und lässt Tunes auf sich zukommen, von deren Ende die MusikerInnen selber überrascht sein sollten: Astrid Wiesinger (as, ss) und Vincent Pongracz (cl) nehmen sehr offen an dieser jazzigen Fahrt ins Blaue teil und agieren spontan, intuitiv und ex abrupto. Das Trio verzichtet fast komplett auf eine durchgehende Groove, präferiert eher ein kollektives Einzelgängertum; jeder/jede soll zeigen, wie er/sie mit den instrumentalen Äußerungen der anderen zurechtkommt und diesem interaktiven Diskurs begegnet. Ernst Weiss

CD-TIPP:

Saitenfalter, "Auf der Suche danach", Alessa Records, Vertrieb: Sounddesign Austria

Live-Tipps:

30.09.: Amstetten, JAMstetten

11.10.: Graz, Jazzwerkstatt

03.11.: Wien, Echoraum

04.11.: Linz, Galerie Brunnhofer

05.11.: Scheibbs, Proberaum

WEB-TIPP:

www.saitenfalter.com  

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