Concerto > Concerto-Ausgaben > Ausgabe 5/2014 > Heidi Happy

Swiss Songbird mit Yello-Erfahrung

Ein Porträt von Heidi Happy, die am 10. November
mit Band als Support von Clara Luzia im Stadtsaal auftreten wird.

Aus Luzern, der idyllisch am See liegenden Kantonshauptstadt, stammt Heidi Happy, die sich ein typisches, Schweizer Pseudonym gewählt hat. Die Gefahr, dass sie angesichts des angestaubten Heidi-Images in das Hansi-Hinterseer-Genre eingeordnet wird, besteht nur auf einer ganz oberflächlichen Ebene. Zu kreativ, schräg und avantgardistisch ist ihr gesamtes Oeuvre, um hier Missverständnissen zu erliegen. Geboren in eine musikalisch-kreative Familie unter dem (von ihr eher ungeliebten) Namen Priska Zemp hat sie wesentliche künstlerische Impulse in Amsterdam erfahren, um sich von der Enge der Alpenregion und ihrer Tendenz zur „Volkstümlichkeit“ zu befreien. Nach ihrer Rückkehr in den 1990ern hat sie in Zürich und in der Innerschweiz schnell ein internationales Profil gewonnen. Hilfreich erwies sich dabei die Zusammenarbeit mit Elektronikbands wie „Zwicker“ und den beiden Soundpäpsten von „Yello“. Mit Meier und Co. hat sie im Wiener Gartenbaukino ein viel beachtetes, virtuelles Konzert gegeben. Seither deckt die Sängerin ein breites musikalisches Spektrum ab, wobei sie vor allem das Country-Folk-Genre bedient, aber auch durchaus rockig klingen kann. Auch ihre Kooperation mit Stephan Eicher prägte die Singer-Songwriterin nachhaltig. Aus dessen Formation stammt auch der nunmehrige Bassist, Gitarrist, Sänger und Blech-Bläser Baptiste Germser, der in Wien dabei sein wird.

Wer Heidi Happys Musik vernimmt, gerät unversehens in eine eigene, phantasievolle und bunte Welt, in der aber nicht nur Pastelltöne vorherrschen. Auch den Klischees des Wilden Westens hat sie vor Ort nachgespürt. Positiv fällt das authentische Design auf, das sie ihren Songs und Videos verpasst hat. Mit einem Luzerner Orchester startete sie ein interessantes, symphonisches Experiment, das auf youtube abrufbar ist. Zeitweise zog sie sich allein an den Bodensee zurück, um neue Ideen ausreifen zu lassen. In den letzten drei Jahren sind zunächst auf dem eigenen Label „Silent Mode“ die Platten “Hiding With The Wolves“ und dann „On The Hills“ bei Irascible, Lausanne, und im selben Label ist dieses Frühjahr das Album “Golden Hearts“ erschienen. Heidi Happy bietet sehr abwechslungsreiche Musik in allen Tempo- und Rhythmusbereichen. Ihre markante Stimme passt perfekt zu den oftmals ironisch inszenierten Country- und Homemade-Folk-Songs. Manche ihrer Songs sind sehr berührend, wie vor allem ihr Duo mit dem Australier Scott Matthew (#5, “Not Long Ago“) auf ihrem vorletzten Album “On The Hills“ (2013) zeigt, das auch eine Eloge auf “Canada“ enthält. In den USA gab es dagegen Probleme mit Einreiseformalitäten im Vorjahr, die sie gleich in positive kreative Energie (“Across The Ocean“) umgewandelt hat. Auf dem neuen Album ist auch eine originelle Disconummer mit dem lautmalerischen Titel “Ding, Ding“ zu hören. In der Retro-Welt der Heidi Happy haben eben viele Stile Platz, mit einem pointierten Elektronikeinsatz gewinnen diese Songs an Qualität und Originalität in der Soundkulisse.

Ihre Österreich-Tour mit Clara Luzia beginnt in Westösterreich, wo am 6.11. (Dornbirn, Conrad Sohm) und 7.11. (Salzburg, ARGE) der Auftakt der beiden Avantgarde-Sängerinnen erfolgt. Clara Luzia wird (ohne Heidi) auch am 8.11. am Linzer Posthof beim Rock-Festival zu hören sein. Und am 10. November tritt Heidi Happy mit Band als Support von Clara Luzia im Mariahilfer Stadtsaal auf. Ihre Band ist vierköpfig und hat in Ephrem Lüchinger einen langjährigen, kongenialen Ruhepol an den Tasten, zudem ist der musikalische Partner vokal und perkussiv aktiv. Auch die zwei weiteren Musiker, Domi Huber und Baptiste Germser, dürfen gleich mehrere Instrumente (Bass, Horn, Gitarre, Perkussion) bedienen, um den differenzierten Sound von Heidi Happy mit zu gestalten. Clara Luzia und Heidi Happy kennen und schätzen einander schon lange, sie sind auch schon vor Jahren im Bogen 72 am Gürtel aufgetreten. Abgesehen von einem weiteren Event im Mariahilfer „Luftbad“ und dem erwähnten Auftritt mit „Yello“ im Gartenbaukino war die Multiinstrumentalistin bisher ein rarer Gast in Österreich. Zu Unrecht, denn ihre Alben zeigen höchste Qualität und Originalität, ihre Gigs verlaufen selten ohne Begeisterung des Auditoriums. Bevor Heidi Happy nach Wien kommt, wird sie am bunten, britischen Lancaster Songwriter-Festival an mehreren Locations solo auftreten. Artikel: Gerhard Strejcek, Fotos: Van Damen

CD-Tipps:
- Heidi Happy “Golden Hearts”, Irascible (2014),
- Clara Luzia “We Are Fish”, Asinella (2013)

Konzert-Tipps:

Heidi Happy & Clara Luzia

06.11.: Dornbirn, Conrad Sohm, 20.00 Uhr, www.conradsohm.com
07.11.: Salzburg, ARGE Nonntal, 20.00 Uhr, www.argekultur.at
10.11.: Wien, Stadtsaal, Mariahilferstr. 81, 20.00 Uhr, www.stadtsaal.at

Web-Tipp: www.claraluzia.com und www.heidihappy.ch

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