Karlheinz Miklin feiert 30 Jahre Quinteto Argentina

Karlheinz Miklin ist aus der österreichischen Jazzszene seit langem nicht mehr wegzudenken. Seine musikalische Karriere umfasst in der Zwischenzeit mehr als vier Jahrzehnte.

Einige der ganz großen Stars äußerten sich über die Spielweise des 1946 in Klagenfurt geborenen Saxophonisten, Flötisten, Komponisten und Bandleaders in höchsten Tönen. Dazu gehörten die Vokalistin Sheila Jordan, die seinen warmen Ton schätzte, oder der Bigband-Leader und Drummer Mel Lewis, dem schnell aufgefallen war, dass Miklin einen sehr persönlichen Stil entwickelt hat. Jazzkritiker Martin Kunzler schrieb dazu: Miklin sei einer der wenigen Saxophonisten seiner Generation, die sich nicht in erster Linie auf John Coltrane beziehen. 

Miklin: Ein international-österreichischer Musiker
In den verschiedenen Besetzungen, in denen Miklin arbeitet (und gearbeitet hat), sind zwei ganz besonders herausragend – das ist einerseits sein Trio, das mit dem Attribut „als eine der eigenständigsten und wichtigsten Jazzgruppen des Landes“ versehen wurde. Ganz besonderes Liebkind des Musikers ist aber das seit nunmehr 30 Jahren bestehende „Quinteto Argentina“. Fragt man Miklin nach der Zahl seiner Argentinien-Aufenthalte, kommt man zum Schluss, dass diese ‚gelegentlichen Besuche’ so häufig waren, dass er selbst nicht mehr sagen kann, wie oft sie stattfanden. „Das Quinteto habe ich ins Leben gerufen. Als Gruppe gab es die Formation in Argentinien selbst nicht“, so Miklin. Das Sensationelle war allerdings auch, dass es ihm sehr oft gelang, die Musiker nach Europa zu holen - und das ohne Unterstützung eines finanzstarken Major-Labels. Das Ensemble gastierte in renommierten Clubs und auf zahlreichen Festivals in Wien, Brüssel, Zagreb, Frankfurt, Stuttgart, Weimar, Burghausen und Zürich. Höhepunkte in Südamerika waren etwa das „Patagonia Jazz Festival“, die Festivals La Plata, „Ciclo de Jazz“ Buenos Aires oder „Encuentros“ in Santiago de Chile.

Verschiedene Besetzungen im Laufe der Zeit
Von der ersten Besetzung der Formation ist kein Musiker mehr dabei, erzählt Miklin. Wer sich eine Vorstellung davon machen will, wie die derzeitige Band klingt, kann im Grunde genommen auf die CD „Onda Alpin“, die 2009 beim ORF erschienen ist, zurückgreifen. Anders ist diesmal allerdings, dass statt dem Pianisten Sergio Gruz der Trompeter Gustavo Bergalli – einer der Profiliertesten Argentiniens der schon von 1990 bis 2004 dem Quinteto angehört hatte, mit dabei ist. Im aktuellen QUINTETO ARGENTINA, mit dem Miklin vom 16. Oktober bis 1. November 2014 auf Tour geht, spielen seit 1992 der Gitarrist Marcelo Mayor und der Bassist Alejandro Herrera. „Sie waren damals ziemlich jung ins Quinteto gekommen, haben sich seither aber einen hervorragenden Ruf in der südamerikanischen Szene erspielt. Beide sind inzwischen auch als Bandleader erfolgreich und haben CDs unter eigenem Namen veröffentlicht“, erzählt Miklin. „Dem großen Pocho Lapouble folgt mit Quintino Cinalli ein weiteres prominentes Mitglied der argentinischen Szene am Schlagzeug. Seine Zusammenarbeit mit Esperanza Spalding, Airto Moreira, Trilok Gurtu wie auch Mercedes Sosa spricht für seine Reputation.“ Als Perkussionist ist seit 2006 Mario Gusso Mitglied des Quinteto. „Er ist ein gesuchter Sideman in allen Spektren indigener und afro-amerikanischer Rhythmik, der bereits auf einer großen Anzahl von Veröffentlichungen unterschiedlicher Stilistik - auch solchen unter eigenem Namen - die rhythmische Basis gelegt hat.“

Musik-Schmelztiegel Argentinien
Wenn man an Argentinien denkt, fällt einem natürlich als erstes der Tango ein, der mit diesem Land immer assoziiert wird. Doch ist die musikalische Vielfalt dieses Landes ebenso reichhaltig wie etwa jene von Miklins Geburtsland Kärnten. Hier an der Schnittlinie zwischen Italien, Slowenien und Österreich liegt ein großes musikalisches Erbe, das nach den beiden Weltkriegen zu Gunsten des Deutschtums verleugnet wurde. Doch gerade dieses musikalische Erbe scheint Miklin sehr stark zu interessieren. Er erhielt als erster Jazzmusiker den „Karl-Böhm-Interpretationspreis“ – verliehen für die hohe Wertschätzung über alle stilistischen Genre-Grenzen hinweg. Ähnlich verhält es sich auch mit dem Quinteto Argentina, das nie ein rein ‚südamerikanisches Projekt’ war. Auch hier gelang es Miklin, Grenzen aufzuweichen und einen neuen Sound zu kreieren. Die Protagonisten, die er dafür fand, verstanden diese Message und konnten sie dementsprechend umsetzen. Es ist allerdings eine Schande, dass man der großartigen Formation in Wien keine Auftrittsmöglichkeit gab. Das wiederum hat aber nichts mit der musikalischen Qualität zu tun, sondern mit der leidigen Frage des Geldes. Wolfgang Weitlaner

CD-Tipp: Karlheinz Miklin & Quinteto Argentina „Onda Alpin“, ORF CD 3061 (2009)

Web-Tipp: www.miklin.mur.at

Live-Tipps:

16.10.: Hartberg, Hartberg Halle, 19.30 Uhr

17.10.: Fehring, Kleiner Kultursaal, 19.30 Uhr

18.10.: St. Johann i.P., Kultur:Treff im Haus der Musik, 20.30 Uhr

20.10.: Graz, Unicafé Wall, 20.00 Uhr

21.10.: Weiz (mit Bigband Weiz), Kunsthaus, 19.30 Uhr

22.10.: Brixen/Bressanone, Theater Dekadenz, 20.30 Uhr

23.10.: Feldkirchen, Amthof, 20.00 Uhr

24.10.: Wörgl, Astnersaal, 20.00 Uhr

25.10.: Gorizia, Kulturni Dom Festival „Jazz & Wine“, 11.00 Uhr (Slowenien)

29.10.: Bleiburg, Hotel Breznik (ORF-Mitschnitt), 20.00 Uhr

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