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blues talk FOLGE 103: Legendentreffen Vol. 6

Auch wenn sie in verschiedenen Stilrichtungen verwurzelt sind, so besitzen die in dieser Folge präsentierten BluesTalker genreübergreifend Legendenstatus.

Delbert McClinton. Foto: Dietmar Hoscher

„Meine Musik ist nicht für kleine Kinder, sondern „adult rock`n´roll““, hält Delbert McClinton eingangs seiner Homepage fest. Geboren in Lubbock, Texas, und aufgewachsen in Fort Worth, zeigt der 74jährige Veteran des rockigen R`n´B keinerlei Müdigkeit. Songs wie „Giving It Up For Your Love“, „Standing On Shaky Ground“, „Sandy Beaches“ oder „Every Time I Roll The Dice“ zählen mittlerweile zu den Klassikern und wurden von unzähligen Musikern gecovert. Denn neben seiner markanten Reibeisenstimme und der charismatischen Bühnenpräsenz ist ein weiteres, herausragendes Markenzeichen des Texaners seine Qualität als Songwriter. Dies brachte ihm letztlich auch zwei Grammys ein. Bereits als Teenager entdeckte McClinton den Blues für sich, bald darauf fand er sich in lokalen Backingbands für Größen wie Howlin’ Wolf, Jimmy Reed oder Bobby „Blue“ Bland. Auf Bruce Channels 1962er-Hit „Hey! Baby“ ist McClinton an der Harp zu vernehmen, was im Gefolge der damit verbundenen Englandtournee zur Legende führte, er hätte einen gewissen John Lennon in der Kunst der Mundharmonika unterwiesen. In den 1970ern war er mit Glen Clark im Duo „Delbert & Glen“ unterwegs, schrieb Hits unter anderem für Emmylou Harris und die Blues Brothers und konzentrierte sich zunehmend auf seine eigene Karriere. Das 1989 für Alligator eingespielte Livealbum, „Live From Austin“, gilt noch heute als ein Meilenstein des R`n´B. McClinton bewegt sich nach wie vor im Dreieck R`n´B, Country und Blues, zeichnet sich darüber hinaus aber auch in einfühlsamen Balladen aus. Und ebenso unentwegt geht es jeden Jänner mit der Delbert McClinton & Friends Sandy Beachs Cruise in die Karibik.

Jimmy Johnson. Foto: Hoscher

Dass Jimmy Johnson ein tonträgermäßiger Frühstarter gewesen wäre, kann nicht gerade behauptet werden. Mit knapp 50 Jahren brachte er seine erste Platte auf den Markt. Geboren wurde der Sänger und Gitarrist 1928 in Holly Springs, Mississippi als James Earl Thompson. Seine Familie erwies sich als musikalisch fruchtbarer Nährboden; Bruder Mack Thompson bediente den Bass in der Band von Magic Sam, während ein weiterer Bruder, Syl Johnson, sich einen großen Namen im Soul ersang. Die Familie übersiedelte in den 1950ern nach Chicago, wo Johnson zunächst eher als Hobby zur Gitarre griff. Schließlich schloss er sich auf der West Side dem Bluesharpspieler Slim Willis an, um in den 60ern zum R`n´B zu wechseln. In dieser Phase leitete er in der Windy City Hausbands für Otis Clay oder Denise LaSalle. Die Rückbesinnung auf den Blues erfolgte dann Mitte der 70er in den Bands von Jimmy Dawkins und Otis Rush. Die Karriere unter eigenem Namen befeuerten schließlich seine ersten Einspielungen für die legendären Chicago-Labels Alligator und Delmark. Doch dann schlug das Schicksal hart zu. Im Dezember 1988 verunglückte Johnsons Tourbus in Indiana schwer, Bassist Larry Exum und Keyboarder St. James Bryant kamen dabei ums Leben. Johnson wurde bei dem Unfall schwer verletzt und wandte sich erst Mitte der 1990er wieder dem Blues zu. Seitdem tourt er auch wieder weltweit.

Cyrill Neville. Foto: Hoscher

Wenn es um Musik aus New Orleans geht, kommt man um die Neville Brothers nicht herum, zu (mit)bestimmend ist ihr Einfluss. Der Jüngste der vier Brüder, Cyril Neville, erblickte 1948 das Licht der Welt. Die Familie war äußerst musikalisch, dennoch schloss sich Cyril seinen Brüdern Art und Aaron erst 1967 als Sänger professionell an. Drei Jahre später erschien seine erste Single unter eigenem Namen. Zu jener Zeit waren Cyril und Aaron auch mit Soul Machine unterwegs, Art mit seiner Band, The Meters. 1974 boten die Rolling Stones den Meters den Opening Slot ihrer ausverkauften Amerika-Tournee an, falls Cyril, der nunmehr auch die Percussion bediente, die Front-Vocals übernehmen würde. Mitte der 1970er wandte der Musiker sich stärker dem Reggae zu, und schließlich gründeten alle vier Brüder, inklusive Charles, The Neville Brothers. Daneben hielt Neville zahlreiche weitere Projekte am Laufen, wie The Endangered Species Band, die Wetland All-Stars, Galactic oder die Uptown All-Stars. Auch bei den Royal Southern Brotherhood spielt er eine tragende Rolle, ebenso als Gastmusiker für Kollegen von Jimmy Buffet und Dr. John über Willie Nelson und Tab Benoit bis zu Bob Dylan. Trotz all dieser hochkarätigen musikalischen Aktivitäten findet er aber darüber hinaus auch noch die Zeit, sich sozial zu engagieren und für Menschenrechte einzutreten. Unter anderem gründete der Grammy-Preisträger Cyril Neville mit New Orleans Musicians Organized (NOMO) eine Organisation zur Beratung von Musikern in geschäftlichen Belangen. Dietmar Hoscher



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